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1945 forderte Alfred Glaus eine städtische Kunstsammlung

Alfred Glaus legte 1945 den Grundstein für das Kunstmuseum Thun und die Sammlung. Ein Rückblick von den Anfängen über die Namensgebung bis zum Diebstahl eines Werkes und zur Digitalisierung.

Künstlerisches Schaffen aus früheren Zeiten: In einem Teil der Veranda des Kunstmuseums sind Werke von den Künstlerinnen   ausgestellt, die in den 1990er-Jahren ihren Weg in die Sammlung gefunden haben.
Künstlerisches Schaffen aus früheren Zeiten: In einem Teil der Veranda des Kunstmuseums sind Werke von den Künstlerinnen ausgestellt, die in den 1990er-Jahren ihren Weg in die Sammlung gefunden haben.
Patric Spahni
Auch ein Selbstbildnis in Öl von Fred Stauffer ist ausgestellt.
Auch ein Selbstbildnis in Öl von Fred Stauffer ist ausgestellt.
Patric Spahni
Gottfried Keller hat von Alfred Glaus eine Bronzebüste gestaltet.
Gottfried Keller hat von Alfred Glaus eine Bronzebüste gestaltet.
Patric Spahni
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Anja Seiler, die als wissenschaft­liche Mitarbeiterin die Recherchen zur aktuellen Sammlungsausstellung unterstützt, hat die wichtigsten Meilensteine des Museums und der Sammlung aufgearbeitet. Den Auftakt stellt 1945 der Maler Alfred Glaus, als er in einem Zeitungsbericht für einen mutigen Schritt plädiert: Er fordert die Errichtung einer öffentlichen Kunstsammlung. Als Antwort sagt ihm ein Thuner Grosskaufmann noch: «Ne ne ne Herr Glaus, das git de nüt drus.»

Doch Glaus’ Idee wird 3 Jahre später umgesetzt: Der Gemeinderat beschliesst 1948 einen speziellen Ausschuss, die Kunstkommission mit fünf Mitgliedern (später Kobik genannt). Sie soll der Stadt eine Kunstsammlung erschaffen. Die erste Ausstellung delegiert die Kommission an die Thuner Kunstgesellschaft (heute Kunstgesellschaft Thun, kurz KGT). Als Konservator wird ­Alfred Glaus eingesetzt.

Erste Werke 1952 gekauft

Als der Thuner Künstler Fred Hopf 1952 stirbt, werden aus dem Nachlass der Witwe für 20'000 Franken 170 Werke angekauft. Als sie jedoch kurz darauf ebenfalls stirbt, erhält die Verwandtschaft das restliche Geld. «Wohl sehr zum Ärger des Künstlers – beschwerte er sich doch zu Lebzeiten immer darüber, dass seine Verwandten ihm keine Bilder abkaufen würden», schreibt Anja Seiler in der Zusammenfassung.

Die eidgenössische Gottfried-Keller-Stiftung kauft 1960 das Panoramagemälde von Marquard Wocher für 45'000 Franken an. Die Stiftung überlässt dessen Verwaltung dem Kunstmuseum. Das Werk wird als Dauerleihgabe zum grössten in der Sammlung. 1961 erhält das Panorama im Schadaupark eine eigens dafür gebaute Rotunde.

1975 wechselt die Leitung

1955 löst Paul Leonhard Ganz den Museumsleiter Alfred Glaus als Konservator ab. Während 21 Jahren betreut Ganz die Sammlung. «Während seiner Zeit erhöhte er sie um über 600 Werke», weiss Seiler. Sein Nachfolger als Konservator wird Georg J. Dolézal.

1980 zeigt das Museum in der Herbstausstellung mit dem Titel «Pop-Art und verwandte Strömungen in der Schweiz» Werke aus der gleichnamigen Kunstrichtung und gibt der Sammlung einen neuen Schwerpunkt mit Schweizer Pop-Art. Es werden 2 Werke daraus angekauft. 1981 hält die Kobik die Ziele der Kunstvermittlung fest. Sieben Lehrkräfte und Kunstschaffende setzten diese 1982 in Form von Dokumentationen und Kunstspaziergängen für Lehrkräfte um.

1984 ändert sich der Name

Ab 1984 wird die Institution Kunstsammlung der Stadt Thun in Kunstmuseum Thun umbenannt. Die erste Ausstellung unter neuem Namen ist mit «Akzente der Sammlung» betitelt. 12 Jahre später, 1996, wird die Radierung «Die Kanone» von Albrecht Dürer gestohlen, laut Dolézal ein seltener Stich von 1518. Vom Werk fehlt bis heute jede Spur.

Ab 2001 entstehen im Erdgeschoss des Thunerhofs während 2 Jahren neue Ausstellungsräume. Neben einem grossen Saal, dem ehemaligen Speisesaal des Hotels, wird der Eingang verschoben und der Empfang neu auf der Aareseite mit einem Shop aufgewertet. Zeitgleich wird die Sammlung digital inventarisiert.

Auf Schuppli folgt Hirsch

Nach 7 Jahren geht 2007 die Ära Madeleine Schuppli zu Ende. Sie hat es geschafft, das Museum international zu positionieren. Ihre Nachfolgerin Helen Hirsch präsentiert 2008 in ihrer ersten Sammlungsausstellung «Koexistenzen» Fotografien von Jean Moeglé. Beinahe dreimal mehr Fläche bekommt die Kunstvermittlung im Nachbarhaus an der Hofstettenstrasse 14.

Da auch eine Küche eingebaut wird, erhält der Ort den Namen Kunstküche. 2016 erhält das Museum für seine Arbeit das Label Kultur inklusiv. Ein Angebot ist, dass es nebst den herkömmlichen Werkbeschreibungen auch verständliche Texte in Leichter Sprache gibt – für Kinder, Fremdsprachige und Menschen mit verminderter Sprachkompetenz.

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