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Überraschende Funde in Unterseener Altstadt

Das Städtchen Unterseen hat wohl im Mittelalter nicht so ausgesehen, wie man sich das bislang vorgestellt hat. Bei Grabungen stiessen Archäologen auf Mauern, die auf eine enge Bebauung des Hauptplatzes schliessen lassen.

Bei den Sanierungsarbeiten in Unterseen sind unter der Kreuzgasse alte Mauern zum Vorschein gekommen (rechts im Bild). Bild: Archiv BO.
Bei den Sanierungsarbeiten in Unterseen sind unter der Kreuzgasse alte Mauern zum Vorschein gekommen (rechts im Bild). Bild: Archiv BO.
Sibylle Hunziker

Heute präsentiert sich der Stadtkern mit Häuserzeilen entlang der alten Stadtmauern, die einen grosszügigen Platz umschliessen. Mitten auf dem Platz steht das sogenannte Stadthaus.

Bei Grabungen sind Archäologen nun auf Mauerreste aus dem 13. Jahrhundert gestossen, die darauf hindeuten, dass der Platz früher wesentlich dichter bebaut war als bisher angenommen.

Weitere Häuserzeile

Die ausgegrabenen Mauerteile lassen auf eine weitere Häuserzeile schliessen, wie Armand Baeriswyl vom archäologischen Dienst des Kantons Bern am Dienstag vor Ort erklärte. Das mittelalterliche Unterseen sei demnach wohl von einer relativ schmalen Hauptgasse dominiert worden und nicht von einem Platz.

Eine ähnliche Stadtanlage kenne man etwa in Wiedlisbach, führte Baeriswyl aus. Ob es zwischen Unterseen und Wiedlisbach einen Wissensaustausch gegeben habe, konnte Baeriswyl nicht sagen.

Es sei nicht auszuschliessen, dass die damals üblichen, wandernden Bauhütten, Wissen in andere Regionen mitgebracht hätten.

Die in Unterseen freigelegten Mauerreste deuten auf ein unterkellertes Gebäude hin, vielleicht ein Bürgerhaus, sicher aber kein einfaches «Hüttli», wir Baeriswyl sagte.

Die Hauptgasse habe, so Baeriswyls Hypothese, möglicherweise zu einem Schiffsanlegeplatz an der Aare, einen Steinwurf vom Stadtzentrum entfernt, geführt. Eine Brücke über die Aare, so wie man sie heute kenne, habe es möglicherweise erst im Spätmittelalter gegeben.

Alter Umschlag- und Handelsplatz

Unterseen war in der Vergangenheit stets ein Transit- und Handelsplatz. So wurden in der Umgebung der Kirchgasse bereits Hausreste aus römischer Zeit gefunden.

Die oberste Stadt an der Aare zählt zu den am besten archäologisch untersuchten Stadtgründungen des 13. Jahrhunderts. Die Gründung von Unterseen geht auf das Jahr 1279 zurück.

Damals erteilte König Rudolf I. von Habsburg dem Freiherrn Berchtold III. von Eschenbach-Oberhofen die Erlaubnis, zwischen dem Thuner und dem Brienzersee eine Feste zu bauen. Die neue Befestigung erhielt dabei auch das Stadtrecht.

Archäologen auf der Baustelle

Die nun durchgeführten Grabungen werden im Rahmen von Bauarbeiten zur Erneuerung von Leitungen durchgeführt. Die Funde zwingen zu gewissen Umplanungen. So werden beispielsweise Leitungen etwas anders verlegt als geplant.

Bis in den August hinein werden die Archäologen jeweils vor den Bauteams graben und die Funde dokumentieren und sichern. Die Gemeinde hat für die archäologischen Untersuchungen Geld im Budget eingestellt, wie Gemeindepräsident Simon Margot sagte.

SDA/js

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