«Radaubrüder wollen wir am Thunfest nicht»

Thun

Angesichts von 60'000 Besuchern sei die Zahl der Zwischenfälle gering gewesen. Zur Reduktion von Alkoholexzessen wäre laut dem OK-Präsident aber eine weiträumigere Absperrung des Festgebietes nötig.

Am diesjährigen Thunfest wurden gleich drei Personen Opfer von Gewalt und mussten ins Spital eingeliefert werden, zudem gab es weitere Schlägereien. Ist die Sicherheit am Thunfest noch gewährleistet? Matthias Harte: Ja. Uns stört auch, dass sich solche Vorfälle ereignen. Details dazu muss allerdings die Polizei beantworten, zumal sich diese Fälle ausserhalb des abgesperrten Festgebietes ereigneten. Wir hatten über vierzig Sicherheitsleute im Einsatz. Wenn eine Situation eskaliert, wird sofort die Polizei alarmiert. Diese Zusammenarbeit klappte sehr gut. In den letzen Jahren haben wir die Sicherheitsmassnahmen laufend verbessert. Wir wünschen den Betroffenen gute Besserung und bedauern, dass sie unter der Gewalt von solchen unerwünschten Gästen leiden mussten.

Können Sie noch mehr für die Sicherheit tun? Raufereien gab es schon immer, zum Beispiel auch mit alkoholisierten Gästen. Bei so vielen Besuchern hält sich die Anzahl der Zwischenfälle aber in Grenzen. Wichtig ist, dass wir möglichst schnell vor Ort sind. In dieser Masse von Leuten ist es schwierig, immer am richtigen Ort zu sein. Sicherheitsmässig können wir kaum mehr machen. Wir müssen aber schauen, dass wir in den nicht abgesperrten Zonen noch eine bessere Kontrolle über den mitgebrachten Alkohol haben. Jugendliche schleppten literweise Alkohol in die Innenstadt, das möchten wir verhindern.

War das dieses Jahr schlimmer? Ja, ich empfand das so. Viele kauften kistenweise Alkohol. Diesen Leuten ist das Thunfest mit seinem Musikangebot eigentlich egal. Am Schluss sorgen diese Leute dann auch noch für die negativen Schlagzeilen. In den abgesperrten Zonen gab es keine Zwischenfälle.

Haben weniger Leute als in den Vorjahren einen Festbändel gekauft? Ja, wegen des unglaublichen Regens am Freitagvorabend setzten wir bedeutend weniger Zweitagespässe ab. Dafür verkauften wir am Freitag etwas mehr Eintäger als sonst, aber das reichte natürlich nicht aus, den Verlust wettzumachen. Am Samstag dann, mit Dauerregen tagsüber, planten viele potenzielle Besucher ihren Abend anders.

Wie viele Bändel wurden verkauft? Definitive Zahlen habe ich noch nicht, es waren aber gut 11'900 Festbändeli. Angesichts der rund 60'000 Besucher kaufte also jeder Fünfte ein Bändeli. Da hatten wir uns mehr erhofft.

Machte sich die Krise bemerkbar? Das ist Spekulation. Ich habe aber nicht den Eindruck. Unser Problem war das Wetter. Zum Start des Thunfestes goss es aus Kübeln.

Ist das Thunfest mit 17 Franken pro Tag für viele Leute nicht schlicht zu teuer geworden? Kritik an den Preisen hörten wir keine. Wir sind seit drei Jahren sehr familienfreundlich, Kinder unter 16 Jahren können gratis ans Fest. Wenn man das hoch stehende musikalische Angebot anschaut, sind 15 bis 17 Franken sicher nicht zu teuer. Auch nicht wenn man sieht, wie viel Jugendliche für einzelne Cocktails bezahlen. Da kostet ein Drink fast gleich viel wie der Eintritt.

Wie beurteilen die Festwirte die Umsätze? Die Feedbacks waren unterschiedlich, einige Wirte sprachen von sehr guten Umsätzen, andere machten in früheren Jahren mehr Gewinn. Wir haben keine Umsatzbeteiligung, das OK verlangt eine Standgebühr.

Noch ein Wort zum Abfall. Wieso wird nicht überall Mehrweggeschirr verwendet? Auf dem Aarefeld- und Stadthofplatz wird dieses eingesetzt, für das ganze Festgelände ist das nicht realisierbar. Wir haben im Festgebiet auch unabhängige Gastwirtschaftsbetriebe, was eine einheitliche Regelung erschwert. Das Thuner Tiefbauamt hatte bis am Sonntag um 10 Uhr bereits alles aufgeräumt. Wir hatten auch eigene Abfallcrews im Einsatz, die schon während des Festes den Ghüder entsorgten.

Welche Änderungen fassen Sie für 2010 ins Auge? Das Problem mit dem mitgebrachten Alkohol diskutieren wir zusammen mit dem Thuner Gewerbeinspektorat und anderen Veranstaltern. Auch die Diskussion über den Einbezug des Bälliz und des Mühleplatzes ist noch nicht abgeschlossen. Eine Absperrung wird allerdings logistisch zu einem Problem. Auf der anderen Seite würde uns das ermöglichen, das Fest besser zu kontrollieren und negativen Erscheinungen wie den erwähnten Schlägereien entgegenzuwirken.

Thuner Tagblatt

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