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Nur im Rahmenprogramm Sonnenstrahlen

Dichter Nebel beeinträchtigte vor allem am Samstag das Adelbodner Skifest – gefeiert wurde jedoch auch ohne Riesenslalomergebnis.

Perfekte Sichtverhältnisse im ersten Slalomdurchgang: Die Swiss-Ski-Vertreter jedoch scheinen sich unter Nebelschwaden wohler zu fühlen.
Perfekte Sichtverhältnisse im ersten Slalomdurchgang: Die Swiss-Ski-Vertreter jedoch scheinen sich unter Nebelschwaden wohler zu fühlen.
Keystone

Sonnenstrahlen prägen die Szenerie am verschneiten Chuenisbärgli. Der Publikumszuspruch ist gross. 12'500 Personen werden gezählt, so viele waren es am Sonntag noch nie. Kleine Augen lassen auf eine kurze Nacht schliessen; manch einer dürfte wesentlich weniger frisch sein als die Slalomspezialisten, welche sich dem Kampf mit dem steilen Zielhang stellen. Vor Beginn des zweiten Durchgangs verabschiedet sich die Sonne, die Bewegungsfreiheit auf den Tribünen nimmt zu.

Swiss-Ski-Vertreter Silvan Zurbriggen dreht mächtig auf, sein Kollege Marc Gini lässt den Brettern freien Lauf, verbessert sich von Rang 14 auf Platz 6; es wird laut. Julien Lizeroux, nach dem ersten Durchgang Zwölfter, ist in der Reprise als Einziger schneller als der Bündner; die Schlusszeit des Franzosen wird nicht mehr unterboten. Dessen Emotionen sind gewaltig; sie dürften auch mit der Erinnerung an seinen Bruder in Verbindung stehen, der vor anderthalb Jahren im Oberland ums Leben gekommen ist (siehe Kasten). Der Rummel ist von kurzer Dauer. Im Dorf kehrt bald einmal Ruhe ein, die Gassen lichten sich.

Zuschauer auf Probe gestellt

Tags zuvor ist vieles anders gewesen. 28'000 Personen fanden sich im Wettkampfgelände ein. Die Rekordzahl ist insofern erstaunlich, als die Witterung den düsteren Prognosen vollauf gerecht wurde. Die zuletzt hervorragenden Darbietungen der Swiss-Ski-Piloten dürften Unentschlossene dazu bewogen haben, den Weg durchs Engstligental unter die Räder zu nehmen. Hauptursache des Massenauflaufs ist aber der Ruf des Adelbodner Skifests; es gilt als schönstes ausserhalb Österreichs. Die Geduld der Zuschauer wurde sogleich auf die Probe gestellt; um 10.30 Uhr, der nominellen Startzeit, war an die Durchführung eines Riesenslaloms nicht zu denken.

Dichter Nebel in der oberen Streckenhälfte bescherte den Organisatoren Verschiebungen im Viertelstundentakt, erfreulichen Umsatz an den Getränkeständen und dadurch auch in tieferen Gefilden reichlich Benebelte. Das Kurvenwasser war in Strömen geflossen, ehe kurz vor 12 Uhr die ersten Tore passiert wurden. Auf verkürztem Parcours – der Start war der schlechten Sicht wegen nach unten verlegt worden – avancierte das Rennen wie üblich zum spektakulären Tanz. Wer wie der dreifache Gewinner Benjamin Raich und der helvetische Hoffnungsträger Carlo Janka eine gute Leistung zeigte, ohne dabei die Handbremse gänzlich zu lösen, geriet unweigerlich in Rücklage.

Siegen oder (raus-)fliegen

Für die Höhepunkte sorgten der routinierte Italiener Davide Simonchelli und der junge Österreicher Marcel Hirscher. «Siegen oder (raus-)fliegen» lautete die Devise der ambitionierten Aussenseiter, vor nicht allzu langer Zeit hatte Marc Berthod dank dieser Taktik die Adelbodner Tribünengäste verzaubert. Auf magische Momente hofften die Schweizer Anhänger in diesem Jahr vergeblich. Die einen wirkten gehemmt, andere begingen Zeit raubende Fehler, Didier Cuche schied nach «einem Fehler, den man nicht machen darf», im Zielhang aus. Der Heimvorteil wirke nicht immer nur beflügelnd, hatte der Neuenburger im Vorfeld des Rennens gesagt. «Es ist kein Zufall, wurden die Österreicher in Kitzbühel schon öfter unter Wert geschlagen.»

Beat Feuz, einziger Berner auf der Startliste, war bestrebt, seine Fortschritte vor dem Heimpublikum zu bestätigen. Die in den Zielhang hinuntergefallenen Nebelschwaden beraubten den Emmentaler seiner Chancen; das Rennen wurde nach 58 Konkurrenten und einem Sturz des Franzosen Thomas Frey abgebrochen (vgl. Interview auf Seite 12); voraussichtlich wird es Ende Januar im slowenischen Kranjska Gora nachgeholt. Die feuchtfröhliche Schneeparty jedoch ging auch ohne die Hauptdarsteller weiter. Derweil die Annullation verkündet wurde, befand sich Cuche auf dem Weg nach Zürich an die Wahl zum Schweizer des Jahres. Hätte er 6 Stimmenprozente mehr erhalten, wäre aus dem vermeintlichen Pechvogel der grosse Gewinner des Samstags geworden.

Der grosse Gewinner des Sonntags, Julien Lizeroux, muss sich mit relativ bescheidener Aufmerksamkeit begnügen; es wird ihm gleichgültig sein. Der «Mythos Adelboden», das hat die 44.Auflage des Events untermauert, lebt vornehmlich vom Riesenslalom. Die Tradition löse den Besucherstrom aus, sagen Einheimische; der freie (Sonn-)Tag nach dem Volksfest dürfte ebenfalls eine grosse Rolle spielen. Immerhin: Der Slalom kann – in diesem Jahr auch dank der Swiss-Ski-Piloten – als nicht mehr wegzudenkender Farbtupfer im Rahmenprogramm bezeichnet werden.

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