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Jetzt vom Pol nach Kanada

Thomas Ulrich aus Beatenberg ist vom Nordpol zu seiner Solo-Expedition an die kanadische Küste gestartet.

Thomas Ulrich ist unterwegs in der Arktis.
Thomas Ulrich ist unterwegs in der Arktis.
zvg

Wer in diesen Tagen die Büros der Visual Impact GmbH an der Kammistrasse ganz im Osten von Interlaken besucht, muss sich auf ein Durcheinander gefasst machen. Allerdings ist es ein kreatives und sogar geordnetes Durcheinander, denn Firmenmiteigentümer Thomas Ulrich steckt mitten in den Vorbereitungen für sein nächstes Arktis-Abenteuer.

So liegt und steht denn fast das gesamte Expeditionsmaterial bereit, von elektronischen Geräten über abgepackte Nahrungsmittel und diverse Kleidungsstücke bis zu mehreren Paaren seiner mit der Firma Fischer entwickelten Skis «Frozen Water» sowie den mit der Berner Hochschule für Technik und Informatik aus Polyethylen gefertigten Transportschlitten «Beluga».

Doch das vermeintliche Chaos währt nicht mehr lange: Demnächst wird alles fein säuberlich verpackt, und am nächsten Sonntag gehts in die Luft – Thomas Ulrich fliegt über Spitzbergen nach Barneo, dem nördlichsten, allerdings nur während einem Monat pro Jahr eingerichteten Flugplatz der Welt.

Auf Pearys Spuren

Seine neueste Arktis-Expedition teilt der Beatenberger Abenteurer in zwei Etappen. Zunächst führt er neun Kunden aus der Schweiz, Deutschland und Österreich in rund einer Woche über den letzten Breitengrad an den Nordpol, wo sie per Helikopter via Barneo wieder in die Zivilisation zurückgeflogen werden. Für Ulrich hingegen beginnt erst hier am Nordpol das eigentliche Abenteuer. Sein Ziel: In rund 40 Tagen solo und ohne Hilfe von aussen bis an die 800 Kilometer entfernte kanadische Küste marschieren. Das haben bisher weder er selbst noch andere Schweizer geschafft.

Die umgekehrte Richtung jedoch ist von historischer Bedeutung: 1909 war es der Amerikaner Robert Peary, der genau auf diesem Weg als erster Mensch den Nordpol erreichte – zumindest behauptete er das. Bewiesen wurde es nie.

Der einsame Marsch durch die Einöde aus Eis soll Ulrich aber «nur» als Test und Vorbereitung für eine noch viel anspruchsvollere Expedition dienen: 2016 will er die ganze Arktis durchqueren, von Russland über den Nordpol bis nach Kanada. Damit wird das Unternehmen «Transarctic Solo», das in einem ersten Anlauf 2006 scheiterte, nach einer finanziell bedingten Verschiebung um zwei Jahre nun definitiv terminiert.

Sehr erfahren und gut betreut

«Die Überquerung der Arktis ist mein Lebenstraum, und jetzt bietet sich mir die Möglichkeit, dessen Realisierung näherzukommen», freut sich Thomas Ulrich. Er weiss: Wegen der Klimaerwärmung wird es von Jahr zu Jahr schwieriger und gefährlicher, das aufbrechende Treibeis zwischen dem Land und dem Festeis zu überwinden.

Thomas Ulrich (48) ist guter Dinge. Seine grosse Erfahrung – er hat bis heute über 200 Tage auf arktischem Eis verbracht und mehrere Gruppen an den Nordpol geführt – gibt ihm Sicherheit und eine gewisse Gelassenheit. Dabei helfen ihm neben seinem bewährten Expeditionsmanager Hans Ambühl auch sein persönlicher Mentalcoach Thomas Theurillat, der Mattner Psychologe, Bergführer und Extremsportler.

Die in der Öffentlichkeit oft gestellte Frage nach dem Zweck seines Tuns hat Ulrich für sich längst beantworten können: «Klar, die Publizität gehört zu meinem Beruf dazu. Aber ich mache es in erster Linie für mich selbst, es macht für mich Sinn und ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt. Dabei orientiere ich mich gerne an den frühen Pionieren. Ihnen fühle ich mich näher als der heutigen iPhone-Generation.»

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