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Jenny's Bar: Schütze war stark alkoholisiert

2012 schoss ein damals 26-jähriger Mann mit einer Armeepistole auf eine Bar in Interlaken, nun steht er in Thun vor Gericht. Das Urteil wird für Freitag erwartet.

cla
Hier wurden am Samstag, 14. April 2012 um 23.30 Uhr zwei Personen bei einer Schiesserei verletzt.
Hier wurden am Samstag, 14. April 2012 um 23.30 Uhr zwei Personen bei einer Schiesserei verletzt.
Bruno Stüdle
Jenny's Bar in Interlaken an der Centralstrasse 18.
Jenny's Bar in Interlaken an der Centralstrasse 18.
Bruno Stüdle
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Ein heute 28-jähriger Mann schoss im April 2012 auf eine Bar in Interlaken und verletzte zwei Personen. Seit Donnerstag steht er vor Gericht. Das Motiv der Tat ist auch nach dem ersten Verhandlungstag nicht restlos klar.

Er könne sich kaum mehr an das Vorgefallene erinnern, sagte der eher schmächtig und schüchtern wirkende Angeklagte. Vor Gericht kämpfte er mehrfach mit den Tränen. Eine schlüssige Erklärung, warum er seinerzeit auf die Bar schoss, lieferte er nicht.

Stark betrunken

An jenem Abend habe er mit seiner Frau den Hochzeitstag gefeiert, sie seien essen gegangen und hätten dann eine Bar besucht. Er habe schnell viel «starkes Zeug» in sich hineingeschüttet, schilderte er vor Gericht. Ein Blutalkoholtest nach der Tat bestätigt dies. Was dann geschah, wisse er nicht mehr, beteuerte der Angeklagte.

Aus der Anklageschrift geht hervor, dass der Schweizer mit seiner Frau, einer gebürtigen Ukrainerin, die Bar gegen 23.30 Uhr verlassen hatte. Dann rannte der Mann plötzlich allein nach Hause, holte eine Waffe, kehrte zur Bar zurück und schoss durch die Fensterscheibe. Zuvor soll er geschrien haben, dass er «die Jugos umbringen» wolle.

Zwei Männer im Innern der Bar wurden durch den Schuss verletzt. Der herbeigeeilten Ehefrau gelang es schliesslich, ihren Mann zu überwältigen und ihm die Waffe abzunehmen. Der betrunkene Schütze erbrach sich und fiel in ein Koma. Er erinnere sich erst wieder, wie er im Spital aufgewacht sei, gab der Mann vor Gericht an.

Die befragten Zeugen bestätigten mit ihren Schilderungen grosso modo den Tatablauf. Vage blieb aber nach wie vor der Auslöser der Tat. Die Befragung kreiste verschiedentlich um das Thema Fremdenfeindlichkeit.

Streit vor der Bar?

Verschiedene Zeugen berichteten von einem Streit vor der Bar, in den der Angeklagte verwickelt gewesen sei. Dabei sei es möglicherweise um die Frau des Angeklagten gegangen, mutmasste einer der Zeugen. Er wisse das aber nur vom Hörensagen, betonte der Mann.

Im Verlauf des Geschehens sollen auch fremdenfeindliche Beleidigungen ausgestossen worden sein. Ein anderer Zeuge meinte sich zu erinnern, der Angeklagte habe so etwas wie «Scheiss Ausländer» gebrüllt, bevor er abdrückte. Doch Näheres und vor allem Schlüssiges liess sich am Donnerstag weder aus den Aussagen des Angeklagten noch aus jenen der Zeugen herauslesen.

Ihr Mann sei nicht fremdenfeindlich, sagte die ebenfalls als Zeugin vorgeladene Ehefrau. Sie selber sei ja auch Ausländerin. Der Angeklagte selber deutete in seinen Aussagen an, er habe sich in Interlaken nicht mehr vor die Haustüre getraut, weil er Angst gehabt habe, jemand könnte ihm oder seiner Familie etwas antun. Er wohnt mit seiner Familie mittlerweile in der Nordwestschweiz.

Versuchte vorsätzliche Tötung

Einig waren sich alle Zeugen, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen sei. Ein medizinisches Gutachten bescheinigt dem Mann eine psychische Störung. Seit der Tat habe er keinen Alkohol mehr getrunken und sei beim Blauen Kreuz in einer entsprechenden Therapiegruppe, erzählte der Angeklagte. Er sei auch in psychiatrischer Behandlung.

Der 28-jährige Schweizer ist der versuchten vorsätzlichen Tötung angeklagt. Die Tat verübte er mit einer ausrangierten, legal erstandenen Armeewaffe. Im Innern der Bar wurden zwei Männer durch den Schuss und durch Splitter verletzt. Eines der beiden Opfer wurde am Auge getroffen und leidet noch heute an den Folgen der Verletzung.

Am Freitagmorgen werden der Staatsanwalt und der Verteidiger ihre Plädoyers halten, danach eröffnet das Regionalgericht Oberland sein Urteil.

(SDA)

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