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In der Rosenau werden keine Briefe mehr sortiert

Seit Sonntag wird die Post für Thun und das ganze Oberland nicht mehr in Thun, sondern im solothurnischen Härkingen sortiert. Am Samstag war der letzte Arbeitstag in der Rosenau. Doch einige Bereiche bleiben erhalten.

Die beiden haben sich für den letzten Tag feierlich zurechtgemacht: Fabian Meer trägt ein Hemd, sein Kollege Ken Bühler sogar noch Krawatte dazu. «Wir wollten den letzten Tag würdig abschliessen», sagt Bühler. Die Atmosphäre in der Halle gleich neben den Bahngeleisen ist locker: Es läuft laute Musik – am letzten Tag wird ein Auge zugedrückt. Seit rund zehn Jahren arbeiteten Bühler und Meer zusammen als Betriebsmitarbeiter Logistik in der Rosenau-Post. Am vergangenen Samstag zum letzten Mal. Ihre Arbeit wird seit Sonntag in Härkingen ausgeführt. Beide nehmen sich nun zunächst mal eine Auszeit: Bühler will drei Monate gar nichts tun, Meer fährt für zwei Monate nach Australien. Danach schauen sie weiter.Die letzten 75Meer und Bühler gehören zu rund 75 Mitarbeitenden, die zuletzt noch in der Thuner Rosenau-Post in der Briefsortierung tätig waren. Dass die beiden nun eine Pause einlegen können, liegt unter anderem am Sozialplan der Post: Alle Mitarbeitenden konnten zwischen einem Stellenangebot und einer Abgangsentschädigung wählen. Zudem wurden sehr gute Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten.Lösungen gefundenVon den 105 Personen, die zum Zeitpunkt des Entscheids angestellt waren, hat nur eine noch keine Lösung gefunden. «Unsere Personalabteilung hat die Betroffenen in den letzten zweieinhalb Jahren intensiv begleitet und in regelmässigen Beratungsgesprächen künftige Einsatzmöglichkeiten gesucht», erklärt Reinhard Imhasly. Er hat die Sortierung in der Rosenau seit 1997 aufgebaut und geleitet und wechselt, zusammen mit 19 weiteren Angestellten, nach Ostermundigen. In diesem Zentrum wird ab dem 8.März die Post für die Stadt und Agglomeration Bern sortiert. Drei Mitarbeiter wechseln nach Härkingen, einer zügelte just am Samstag.Die schnellen FrauenEinen Stock höher, wo die Feinverteilung der Briefe stattfindet, ist nichts von Abschiedsstimmung zu spüren. In der Handsortierung arbeiten nur Frauen – «weil sie einfach schneller sind», wie Reinhard Imhasly erklärt. Veronika Zeller, die gerade Pause hat, schält eine Orange und schaut optimistisch in die Zukunft: Sie kann nach Ostermundigen wechseln. Diese Distanz sei «im Rahmen», und auch wenn es ihr in Thun gefallen habe: «Vielleicht schauen wir in zehn Jahren auf den Wechsel zurück und sagen: zum Glück!» Abschied verewigtLieber in Thun geblieben wäre hingegen Doris Jost. Das viele Tageslicht und die Aussicht werde sie vermissen. Und noch etwas Zweites gefällt ihr nicht in Ostermundigen, wie sie bei Schulungen festgestellt hat: «Die Böden sind dort so hart!» Das Surren der Maschine verstummt kurz, und plötzlich liegt der Abschied trotzdem in der Luft – die zuvor so kamerascheuen Frauen trommeln die ganze letzte Schicht zusammen, knapp 20 Personen, und bitten den TT-Fotografen um ein Erinnerungsbild.Ganz verwaisen wird die Rosenau-Post trotzdem nicht: Die Vorbereitung für die Briefzustelltouren, die Paketzustellung sowie die Sortierung der Tageszeitungen bleiben in Thun und mit ihnen etwa 150 Angestellte. Und die Post-Kunden? Sie bekommen, wenn alles nach Plan läuft, von der Umstellung überhaupt nichts zu spüren.

Weiterhin um 7.30 im Fach

Die Auslagerung der Briefsortierung nach Härkingen soll für die Post-Kunden im Berner Oberland keine Auswirkungen haben. So auch nicht bei jenen mit einem Postfach, sagt Zentrumsleiter Reinhard Imhasly. Er negiert somit Befürchtungen, wonach die Zustellung ins Postfach bis zu einer Stunde länger dauern könnte. «Die Sendungen werden auch in Zukunft bis 7.30 Uhr oder Schalteröffnungszeit in die Fächer zugestellt.» Laut Imhasly ist es aber möglich, dass es in der Anfangsphase nach der Auslagerung nach Bern zu kleineren Verspätungen kommen könnte – «wegen fehlender Routine».

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