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«Ich wollte die Häsli gar nicht!»

Ein junger Mann akzeptierte am Freitag vor dem Regionalgericht Thun eine Strafe wegen Tierquälerei. Bevor er aber die Einsprache gegen den Strafbefehl zurückzog, verschaffte er seinem Ärger tüchtig Luft.

«Ich kann nichts dafür», sagte der Beschuldigte vor dem Regionalgericht Thun mehrfach.
«Ich kann nichts dafür», sagte der Beschuldigte vor dem Regionalgericht Thun mehrfach.
Marc Imboden

«Ich wollte die Häsli gar nicht!», sagte der Mann am Freitag mehrfach vor der Thuner Einzelrichterin. Eine Nachbarin habe sie ihm in einer Nacht-und-Nebel-Aktion untergejubelt und sei dann in die Ferien gefahren.

«Meine Mutter hat die Kaninchen entgegen genommen», sagte der Mann weiter. Er sei damals auf der Arbeit gewesen. Trotzdem habe er sich um die Tiere gekümmert. Das Futter habe ihn mehrere hundert Franken gekostet. Geld, das er eigentlich gar nicht hat, muss der Sozialhilfeempfänger Gerichtskosten in fünfstelliger Höhe aus früheren Verfahren abstottern.

«Ich kann nichts dafür»

Der Mann hatte wegen Tierquälerei einen Strafbefehl erhalten, ihn aber nicht akzeptiert. Deshalb hatte er gestern vor dem Regionalgericht Thun anzutraben. «Ich kann nichts dafür», sagte er immer und immer wieder. Seine Nachbarin sei eigentlich für den Tod eines Kaninchens und den desolaten Gesundheitszustand der restlichen verantwortlich und müsse aus seiner Sicht zumindest einen Teil der Strafe übernehmen.

Die Einzelrichterin machte ihn in den einleitenden Bemerkungen darauf aufmerksam, dass sich die Kaninchen in seiner Obhut befanden. Für ihre Beurteilung sei nicht massgebend, wem die Tiere gehörten. «Sie hätten ihrer Nachbarin von Anfang an deutlich machen müssen, dass sie die Kaninchen nicht wollen», sagte die Richterin weiter.

Den Wink verstanden

Sie liess es dem Mann offen, ob er seinen Fall beurteilt haben wollte, machte ihm aber auch klar, dass er bei einer Niederlage zusätzlich mit Gerichtskosten zu rechnen habe. «Kommt hinzu, dass die Faktenlage klar ist», sagte sie weiter. Es gebe Bilder der Tiere und einen Bericht des Amtstierarztes.

Der Mann verstand den Wink mit dem Zaunpfahl und zog seine Einsprache zähneknirschend zurück. Damit erwächst der Strafbefehl mit einer Geldstrafe in der Höhe von 60 Tagessätzen à 30 Franken (1800 Franken) und einer Busse von 300 Franken in Rechtskraft.

«Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als die Angelegenheit mit meiner Nachbarin direkt zu klären», sagte der verärgerte Mann zum Abschied. «Miteinander reden ist nie schlecht», sagte die Richterin, wichtig sei aber, dass es beim Reden bleibe.

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