Zum Hauptinhalt springen

Georgier nach Messerstecherei in Durchgangszentrum verurteilt

Das Regionalgericht Oberland hat einen 37-jährigen Georgier zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die fünf Richter in Thun sprachen ihn der versuchten vorsätzlichen Tötung für schuldig.

Sie sahen es erwiesen an, dass der Georgier im Durchgangszentrum Unterseen einem Weissrussen mehrere Stichverletzungen zugefügt hatte. Mit dem Schuldspruch folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte allerdings sechseinhalb Jahre gefordert. Die Pflichtverteidigerin hatte nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» auf Freispruch plädiert.

Das Gericht gehe davon aus, dass der Georgier entgegen seinen Beteuerungen das Tatmesser tatsächlich in der Hand gehabt habe, erklärte Gerichtspräsident Jürg Santschi am Mittwoch. Zwar sei es denkbar, dass der Täter provoziert worden sei; eine Notwehr-Handlung liege aber nicht vor. Verschiedene Versionen

Der Georgier hatte sich in der Nacht zum 10. November 2011 mit seinem weissrussischen Zimmerkumpanen gestritten. Zunächst lieferten sich die beiden eine verbale Auseinandersetzung, dann gingen sie aufeinander los.

Nach Darstellung des Weissrussen hatte der Georgier plötzlich ein Schälmesser in der Hand und begann zuzustechen. Der Georgier hingegen machte geltend, er habe dem Weissrussen das Messer zu entwenden versucht. Dabei sei es zum Handgemenge gekommen, in dessen Verlauf der Weissrusse die Stichverletzungen erlitten habe.

Gemäss Anklageschrift wurde unter anderem die Brustwand und die gesamte linke Lunge durchbohrt. Der Weissrusse kam im Spital wieder auf die Beine. Er wurde später ausgeschafft.

Der Georgier suchte nach dem Vorfall zunächst das Weite, wurde aber schon am nächsten Tag von der Polizei gefasst. Vor Gericht hielt er am Mittwoch an seiner Darstellung fest. Der sturzbetrunkene Weissrusse habe ihn spätnachts nicht in Ruhe lassen wollen und plötzlich auch noch ein Messer in der Hand gehalten.

«Notwehrhandlung»

Die Pflichtverteidigerin hielt fest, ein Freispruch dränge sich auf. Zu stark seien die Zweifel an der Schuld ihres Mandanten. So seien auf dem Messer keine DNA-Spuren des Georgiers gefunden worden. Zudem könnten auch die Rechtsmediziner nicht ausschliessen, dass sich der Weissrusse die Verletzungen durch unglückliche Bewegungen selbst zugefügt habe.

Ihr Mandant sei ein rechtschaffener, gläubiger Mensch, der in der fraglichen Nacht in Notwehr gehandelt habe. Nach dem Vorfall sei er unter Schock zwar kurz untergetaucht, habe aber Interlaken nicht verlassen und sich schliesslich der Festnahme durch die Polizei nicht widersetzt.

«Opfer als Täter»

Offenbar solle das Opfer auch gleich der Täter sein, entgegnete Staatsanwalt Thomas Wyser. Doch der Georgier habe sich bei der Schilderung des Tathergangs in Widersprüche verstrickt und gegenüber den Behörden zum Teil nachweislich gelogen.

Für die Staatsanwaltschaft sei klar, dass der Georgier das Messer gezückt und mehrfach auf das Opfer eingestochen habe. Er sei deshalb verantwortlich für Verletzungen im Bereich lebenswichtiger Organe wie Lunge und Herz. Dass die grosse Lungenarterie links knapp unverletzt blieb, sei reines Glück.

Wyser forderte eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. Denn die Tat sei zwar kaum geplant gewesen, doch mit dem Messer in der Hand sei der Georgier «kaltblütig und hinterhältig» vorgegangen.

SDA/cls

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch