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Gegen mehr Verkehr im Wohngebiet

Gegen das neue Verkehrsregime für das Zentrum Interlaken regt sich Widerstand. Hoteliers und Anwohner befürchten mehr Verkehr in ihren Wohngebieten, wenn ein Teil des Höhewegs gesperrt wird.

Ein Ende der Ruhe und mehr Verkehr im Wohnquartier nach der Sperrung eines Teils des Höhewegs – das befürchten die Gegner des Verkehrsregimes, zu denen auch Bastian Hofmann vom Hotel Stella gehört.
Ein Ende der Ruhe und mehr Verkehr im Wohnquartier nach der Sperrung eines Teils des Höhewegs – das befürchten die Gegner des Verkehrsregimes, zu denen auch Bastian Hofmann vom Hotel Stella gehört.
Claudius Jezella

Eigentlich lautet das Ziel: das Zentrum von Interlaken vom Durchgangsverkehr entlasten. Doch die damit verbundene Attraktivitätssteigerung, die sich der Gemeinderat mit der Sperrung des Höhewegs auf dem Teilstück zwischen Postplatz und Hotel Metropole, dem sogenannten «Schlauch», erhofft, wird genau das Gegenteil bewirken. Das zumindest befürchtet Hotelier Bastian Hofmann. Dessen Hotel Stella liegt an der General-Guisan-Strasse, wo in Zukunft der Durchgangsverkehr durchgeführt werden soll. Denn am Postplatz ist nach der Idee des Gemeinderats für den motorisierten Individualverkehr auf dem Höheweg Schluss.

«Das ist eine Knacknuss»

«Ich habe ja Verständnis dafür, dass das Verkehrsproblem in Interlaken nur schwer zu lösen ist. Das ist eine Knacknuss. Es kann aber nicht die Lösung sein, allen Verkehr in eine als Schulweg bekannte Strasse zu verlegen und ein Wohnquartier immer mehr zu belasten», kritisiert Hofmann das Vorhaben des Gemeinderats. Und der Hotelier ist nicht allein mit dieser Meinung. Über 30 Privatpersonen und Unternehmen aus Interlaken haben sich zu einer Interessengemeinschaft gegen das neue Verkehrskonzept zusammengeschlossen und mit juristischer Hilfe eine Einsprache verfasst, die sie der Gemeinde am 5.Juli überreichen wollen. Die Organisatoren um Hofmann, dem Bäcker Bruno Reinle, Hans-Jörg Dällenbach vom gleichnamigen Farbgeschäft und Fredi Daumüller, stellvertretender Direktor des Hotels Victoria-Jungfrau, hoffen, bis zur Abgabe ihrer Einsprache noch weitere Mitunterzeichner zu finden.

Dem Verkehr nicht gewachsen

Betroffene gäbe es laut Fredi Daumüller genug: zum einen im Bereich Rosenstrasse, General-Guisan-Strasse, wo der Verkehr in einem Einbahnstrassen-System vom Postplatz weg und wieder hin geführt werden soll. Der andere Bereich, der nach den Befürchtungen der Einsprecher nach einer Sperrung des Höhewegs mehr Verkehr zu verkraften hätte, umfasst auf der anderen Seite Strandbadstrasse, Harderstrasse, Viktoriastrasse, Postgasse und Neugasse. Die Gegner des Verkehrskonzept halten die geplante Schliessung des «Schlauchs» aus Gründen der Verkehrssicherheit für zurzeit nicht umsetzbar, da es an geeigneten Ausweichrouten fehle.

Die genannten Strassen seien dem Zusatzverkehr nicht gewachsen, teilweise zu schmal und zu verwinkelt. Bastian Hofmann kennt die Situation mit zusätzlichen Autos und Bussen, die vor seinem Hotel abbremsen, anhalten und wieder anfahren bereits aus der Zeit vor anderthalb Jahren, als der «Schlauch» umgebaut wurde und gesperrt war. Auch damals wurde die General-Guisan-Strasse zur Ausweichroute. «Die Stammgäste sagten damals zu mir: Das ist ja Wahnsinn, was da bei euch zurzeit durchfährt», erinnert sich Hofmann nur ungern an den zusätzlichen Verkehrslärm, der vor allem auf den Balkonen, in den Schlafzimmern und im Gartenrestaurant des Hotels zu hören war.

Verkehrsmessungen laufen

Ein weiterer Vorwurf der Einsprecher lautet: Die verfügten Verkehrsmassnahmen machten die Rosenstrasse sowie die General-Guisan-Strasse zur Hauptverkehrsachse in Nord-Süd-Richtung. Dies widerspreche jedoch dem Verkehrsrichtplan Bödeli. Dieser Einschätzung widerspricht Gemeindepräsident Urs Graf, der die beiden genannten Strassen auch in Zukunft nicht als Hauptachse sieht, auch wenn er eine gewisse Verschiebung des Verkehrs nicht ausschliesst: «Verkehrsmassnahmen sind immer auch Verkehrsverlagerungsmassnahmen», so Graf. Um später beurteilen zu können, welche Auswirkungen das neue Verkehrsregime tatsächlich haben werde, führe die Gemeinde zurzeit Verkehrsmessungen auch in den Wohnquartieren durch, wie Gemeinderat Peter Michel bei der Sitzung des Grossen Gemeinderats am Dienstagabend erklärte.

Ausweichen auf die Autobahn

Bastian Hofmann und seine Mitstreiter haben indes eine Empfehlung an den Gemeinderat. Statt, wie sie befürchten, die Verkehrsproblematik im Zentrum durch die Sperrung des Höhewegs zu verschärfen, soll die Gemeinde vielmehr zunächst einmal ein Konzept erarbeiten, wie der motorisierte Verkehr bereits auf den Einfallstrassen zielgerichtet geleitet werden könne, wie es von den Einsprechern offiziell heisst. «Wir haben die luxuriöse Situation, über vier Autobahnausfahrten auf dem Bödeli zu verfügen», meint der Stella-Chef, der es am liebsten sähe, wenn auch die einheimische Bevölkerung in Zukunft konsequent auf den Autobahnring ausweichen würde, statt durch das Zentrum zu fahren. Doch damit liegen die Einsprecher auf einer Linie mit dem Gemeinderat. Denn auch der Gemeindepräsident hofft, «dass die Leute noch mehr auf die Umfahrung ausweichen».

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