«Die Gäste sind hier einfach anders»

Lauterbrunnen

Am 1. Januar nahm Irene Beck zusammen mit Ehemann Talak Tamang den Winterbetrieb in der SAC-Lobhornhütte auf. Das Paar merkte bald: Es ist einiges anders hier als zuvor in der Trifthütte, «auch die Gäste».

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Bruno Petroni

Kuschelige zwei Grad Celsius beträgt die Innentemperatur eine halbe Stunde nach dem Einfeuern schon. Die Schweinswürstli sind beinhart gefroren und die Fensterscheiben angelaufen. Macht nichts, draussen verhindert der dichte Nebel eh jede Sicht. Trotzdem sind auf der Terrasse draussen schon die Stimmen der ersten Hüttengäste und die sich öffnenden Skibindungen zu hören.

Irene Beck, die 41-jährige Baslerin mit der angeborenen und ansteckenden Fröhlichkeit im Gesicht, stellt eine mit Schnee gefüllte 20-Liter-Pfanne auf den Gasherd. Kaffee und Suppe müssen so rasch wie möglich auf dem Tisch stehen, denn die ersten frierenden Gäste sitzen bereits am Tisch. Keine zwei Stunden nachdem sie noch mühsam den Eingangsbereich vom Neuschnee freigeschaufelt hat, zaubert Irene Beck bereits einen leckeren Aprikosenkuchen aus dem Backofen. «Na ja, das mit der Unterhitze hab ich noch nicht so im Griff.»

«Einiges ist anders»

Vier Jahre lang bewirtschafteten Irene Beck und ihr nepalesischer Ehemann Talak Tamang (33) die SAC-Trifthütte im Sustengebiet, 2520 Meter über Meer. Grosse Popularität bekam der Hüttenweg bekanntlich vor zehn Jahren durch den Bau der Hängebrücke vor dem Triftgletscher. «Bei einem vierstündigen Hüttenweg überlegst du dir vorher gut, was du alles mitnehmen musst», witzelt Irene. Das ist hier in der Lobhornhütte ganz anders: In etwas mehr als einer Stunde steht man hier mitten in Interlaken – mit dem Gleitschirm sogar in einer Viertelstunde. Und das ist genau das, was Talak und Irene noch begeistern würde: das Gleitschirmfliegen.

Anders als in der Trift sind aber auch die Hüttengäste: «Durch die Nähe zur Zivilisation und leichte Erreichbarkeit der Lobhornhütte sind auch die Ansprüche der Gäste um einiges höher als in einer Bergsteigerhütte wie der Trift. Und während in der Trifthütte mehr als 80 Prozent der Besucher auch da übernachteten, ist es hier genau umgekehrt – die Lobhornhütte lebt vor allem von den Tagesgästen. Die Küche ist kleiner und einfacher eingerichtet – geplant ist im kommenden Sommer aber schon mal eine Abwaschmaschine.

Nigginäggi und Weihnachten

Bis Ostern wird Irene Beck den Hüttenbetrieb an den Wochenende aufrechterhalten. In dieser Zeit arbeitet ihr Ehemann Talak Tamang in den Bergrestaurants Gummen und Mägisalp im Skigebiet Hasliberg als Koch, Irene betreut die Lobhornhütte im Alleingang. «Danach werde ich die Hütte sechs Wochen lang dichtmachen, ehe dann die Sommersaison beginnt», so Beck. Talak wird in dieser Saisonpause in seiner Heimat in Nepal eine Trekkingtour entlang des 7246 Meter hohen Langtang Lirung führen, ehe für das Ehepaar Mitte Mai in der Lobhornhütte die fünf Monate dauernde Sommersaison beginnt. Ach ja, und Irene hat schon Ideen für Ende Jahr: «Ich will am Chlousetag einen Nigginäggi-Anlass für Kinder und Familien organisieren. Auch an Weihnachten gibt es sicher Leute, die gerne in die Hütte zum Feiern kommen.»

Berner Oberländer

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