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«Der Erfolg wird nicht ausbleiben»

Vor 80 Jahren gründeten Ernst Gertsch und seine Mitstreiter die Lauberhornrennen.

Drehen wir die Zeit 80 Jahre zurück und statten Wengen – im November 1929 – einen Besuch ab. Noch fehlt der Schnee im Dorf und auch am Lauberhorn. Und doch drehen sich die Gespräche um Schnee, Ski und Lauberhorn. Initiative Leute, allen voran Ernst Gertsch, der frisch gewählte Präsident des Skiclubs Wengen, planen die Durchführung eines Skirennens. Nicht alle glauben ans Gelingen. Es gebe doch schon das Parsennderby in Davos, das Weisse Band in St.Moritz und das Kandaharrennen in Mürren, wird ins Feld geführt und Ernst Gertsch gar ausgelacht. Doch dieser ruft den Zweiflern zu: «Gebt mir die Mittel für das Lauberhornrennen, und ich will euch beweisen, dass das möglich und sinnvoll ist. Wenn wir das anders aufziehen als alle anderen, dann wird der Erfolg nicht ausbleiben.»

Der Skiclub Wengen folgte seinem neuen Präsidenten und beschloss, ein grosses, kombiniertes Abfahrts- und Slalomrennen mit internationaler Beteiligung zu organisieren. Ernst Gertsch und seine Mitstreiter gingen geschickt vor. Sie erwiesen dem Ski Club of Great Britain und dem Schweizerischen Akademischen Skiclub (SAS) bei der ersten Durchführung des Rennens die Reverenz. Arnold Lunn sollte den Slalom ausflaggen und SAS-Präsident Oskar Hug den Vorsitz des Kampfgerichts übernehmen. Fritz Erb, Chefredaktor des «Sports», erklärte sich bereit, als Schiedsrichter zu amtieren.

Am 28.November 1929 trafen sich alle interessierten Kreise in Bern zur Aussprache. Sie beschlossen, ein Abfahrtsrennen vom Lauberhorn nach Innerwengen und einen Slalom in coupiertem Gelände durchzuführen. In den Durchführungsbestimmungen wurde festgelegt, dass alle in- und ausländischen Skiklubs mit höchstens drei Läufern startberechtigt sein sollten. Für die Durchführung beider Rennen war die Wettkampfordnung des SAS massgebend. Der Grundstein zu den Internationalen Lauberhornrennen war gelegt! Datum der ersten Austragung: 1. und 2.Februar 1930.

Unter dem Kommando von Ernst Gertsch – Sportgeschäftsbesitzer, Tennis- und Eiskunstlauftrainer, versierter Alpinist – wurden die Vorbereitungen mit Elan in Angriff genommen. Waldschneisen wurden ausgeholzt, Steine beseitigt und Zäune entfernt. Es wurde ein Kurs für Slalomfunktionäre durchgeführt, man übte sich in der Herrichtung von Slalompisten, im Ausflaggen, im Start- und Zieldienst. Flaggenwarte, Zeitnehmer und Auswerter wurden ausgebildet. Alles und alle waren bereit, es fehlte nur noch der Schnee. Von Mitte Dezember bis zu den Rennen fiel keiner. Der oberste Teil der Abfahrtsstrecke war vom Föhn aper gefegt. So wurde auf dem Girmschbiel gestartet. Die Piste war pickelhart. Und nicht alle Fahrer hatten Ski mit Stahlkanten. Das Starterfeld aber liess sich sehen: Auf Anhieb waren vier Nationen am Start. Und auch eine Mannschaft des Schweizerischen Damen-Skiclubs war dabei. Obschon die Rennleitung bestimmt hatte: Frauen und Männer starten in einer Klasse.

Die ersten Lauberhornrennen wurden zu einem grossen Erfolg. Und die Einheimischen zeigten der Konkurrenz den Meister. Ernst Gertsch gewann den Slalom und sein Freund und Mitstreiter Christian Rubi die Abfahrt. In der Kombination aber siegte der Engländer Bill Bracken. «Der schnitt so gut ab, weil er in Mürren unter Leitung von Arnold Lunn trainiert hatte», pflegte Ernst Gertsch zu erzählen.

Der Skirennsport entwickelte sich in der Folge gewaltig. Und die Lauberhornrennen waren stets an der Spitze mit dabei. «Ernst Gertsch setzte mit den Lauberhornrennen Massstäbe», anerkannte zum Beispiel Fred Rubi, der Wengener, der die Adelbodner Skitage ins Leben rief. «Sport»-Chefredaktor Walter Lutz schrieb über Gertsch: «Er kannte nie ein Ende. Für ihn war alles immer nur ein Anfang. Und jedes erreichte Ziel nur eine flüchtige Etappe.»

Ernst Gertsch stand an 40 Lauberhornrennen als Präsident an der Spitze des Organisationskomitees. 1971 übergab er das Präsidium an seinen Sohn Viktor und setzte Fredy Fuchs als technischen Leiter ein. Die beiden entwickelten weiter, was «Ätti» Gertsch gegründet und zu weltweitem Erfolg geführt hatte. Vik (heute 67-jährig) und Fredy (71) – die Lauberhorn-Zwillinge – führen vom 14. bis am 16.Januar 2010 «ihre» 40.Lauberhornrennen durch. Wo gibt es einen andern Weltklasse-Sportanlass, der seit 80 Jahren nur zwei Präsidenten – Vater und Sohn – kennt?

Ernst Gertsch hatte das Licht der Welt am 1.Januar 1900 erblickt. Am 28.November 1986, auf den Tag genau 57 Jahre nach der Sitzung in Bern, an der die Lauberhornrennen – die sein Lebenswerk werden sollten – aus der Taufe gehoben wurden, wurde er zu Grabe getragen.

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