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Bankenfusion: Aktionär erwägt Gang vor Gericht

Nach dem Ja der Aktionäre der Spar+Leihkasse Steffisburg zur Fusion mit der Valiant Holding droht Ungemach: Der deutsche Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger erwägt Klagen. Dass er es ernst meint, zeigen andere Fälle.

Er gilt als «Schrecken der Manager und Verwaltungsräte»: Ekkehard Wenger, Wirtschaftsprofessor an der Uni Würzburg. «Ich bin höchstens ein Schrecken für unfähige Manager und Verwaltungsräte», sagt er mit einem Lachen. Das Lachen vergeht dem Kleinaktionär der Spar+Leihkasse Steffisburg (SLS) aber, wenn es um den Verkauf der Bank an die Valiant Holding geht. Wohl haben die SLS-Aktionäre am Donnerstagabend dem Verkauf in einem Umtauschverhältnis von 23 Valiant-Aktien gegen eine SLS-Aktie zugestimmt. Aber Wenger ist weiter überzeugt, dass die SLS-Eigner geprellt wurden. «Wir prüfen derzeit zum einen eine Anfechtungsklage gegen den gestrigen Entscheid, zum anderen eine Überprüfungsklage im Fall, dass die Valiant-Aktionäre der Übernahme ebenfalls zustimmen sollten.» Dass sie das werden, davon ist Wenger überzeugt. «Sonst wären sie blöd.» Denn, so ist seine feste Überzeugung: Die Valiant kauft die SLS zu einem viel zu tiefen Preis.

Hartnäckiger Kämpfer

Der zu tiefe Preis und dass eine Firma, die eng mit der Valiant verknüpft sein soll, diesen als rechtmässig bewertet hat, sind Punkte, die Wenger kritisiert. Weiter will er überprüfen, ob die Informationen, welche die SLS-Aktionäre an der Generalversammlung erhielten, rechtmässig waren. «Fragen zur Bewertung der Valiant Holding wurden keine beantwortet», sagt Wenger. «Dabei müsste der Aktionär laut Gesetzgeber bei einer Fusion die Bewertung beider Partner kennen.» Doch in den Bewertungsbericht hat ausser den Verwaltungsräten niemand Einsicht. «Uns Aktionären wurde gesagt, im jetzigen Stand des Verfahrens hätten wir darauf keinen Anspruch.»

Auf solche Aussagen pfeift Wenger in der Regel. Er hat auch schon bei einer Bergbahnfusion im Bündnerland die Einsicht in die Bewertungsunterlagen vor Bundesgericht erstritten. Jetzt fordert er eine Entschädigung von 15 Millionen für die Bergbahnaktionäre. Im Fall von Steffisburg hat Wenger nach dem Eintrag der Fusion ins Handelsregister zwei Monate Zeit, eine allfällige Klage einzureichen.

Valiant und SLS gelassen

«Wir haben im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die SLS-Generalversammlung in der Presse gelesen, dass Ekkehard Wenger erwägt, eine Anfechtungsklage zu prüfen», sagt Kurt Streit, Verwaltungsratspräsident der Valiant Holding. «Mehr ist uns nicht bekannt.» Deshalb habe Wengers Vorgehen keinen Einfluss auf den weiteren Fahrplan der Fusion.

Auch Ueli Sommer, VR-Präsident der SLS, sagt auf die Frage, ob Wengers Prozessdrohung einen Einfluss habe: «Nein!» Er betont: «Der Verwaltungsrat hat die Bewertungsunterlagen geprüft und das Austauschverhältnis der Aktien in Verhandlungen mit der Valiant Holding festgelegt.»

Ekkehard Wenger dürfte mit Sommers Aussage kaum davon abzubringen sein, gegen die Fusion, wie sie derzeit geplant ist, juristisch vorzugehen. Würde er sich damit abspeisen lassen, hätte er in Deutschland kaum den Ruf als «Schrecken der Manager und Verwaltungsräte».

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