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«Auch Promis brauchen Intimsphäre»

Gstaad und das Saanenland sind wegen ihrer prominenten Gäste und finanzkräftigen Zuzügern immer wieder in den Schlagzeilen. Was sagt Gemeindepräsident Aldo Kropf zu Publizität und Diskretion in der Region?

Aldo Kropf, hatten Sie als Kind ein Idol? Ja, Karl Odermatt vom FC Basel. Wohl deshalb, weil ich ganz in der Nähe des Fussballstadions «Joggeli» in Basel aufgewachsen bin.

Und wer ist heute Ihr Idol? Heute habe ich keine Idole mehr. Meine Erwartungen an mich stelle ich selber.

Es gibt keinen prominenten Gstaader Gast, den sie bewundern? Nein.

Von den vielen Promis kennen Sie bestimmt einige persönlich? Viele Gstaader Gäste kommen als Kunden in unsere Apotheke. Aber über unsere Kunden spreche ich nicht. Persönlich kennen gelernt habe ich einige Gäste; ich schätze sie alle. Die meisten, auch Weltberühmtheiten, bewegen sich im Dorf ganz natürlich.

Sind Ihnen der Starregisseur Roman Polanski oder die Milliardärin Maja Hoffmann auch schon begegnet? Ja, Herr Polanski.

Alteingesessene Einheimische pflegen von «spezieller Gaschtig» zu reden, wenn sie die Prominenten und Reichen meinen. Wie speziell sind diese Gäste für das Saanenland? Für mich gibt es keine speziellen Gäste. Jeder Mensch ist ein gerne gesehener Gast und ein gerne gesehener Kunde.

Wie soll die Bevölkerung mit Prominenten umgehen? Absolut zurückhaltend. Die Intimsphäre aller Menschen muss respektiert werden – nicht nur jene der Reichen und Berühmten. Jede Person sollte sich die Frage stellen, wie sie sich fühlte, wenn jede Bewegung beobachtet und öffentlich gemacht würde. Schlimm sind solche Situationen für Personen von öffentlichem Interesse. Dann könnten sie sich überhaupt nicht mehr frei bewegen. Ich denke an Lady Diana, die bei der Flucht vor den Paparazzi tödlich verunfallte.

Von der eben zugezogenen prominenten Maja Hoffmann ist bekannt, dass sie zurückgezogen lebt. Haben Sie sich als Gemeindepräsident geärgert, dass es die Gemeindeverwaltung ist, welche die Hoffmann-La-Roche-Erbin in die Schlagzeilen bringt?

Die Gemeinde hat die Wohnsitznahme nicht aktiv kommuniziert. Dies taten eine Stiftung und der Tages-Anzeiger. (Anmerkung der Redaktion: Die Luma-Stiftung für Kunst und Umweltschutz bestätigte gegenüber der Tageszeitung «Tages-Anzeiger», dass Maja Hoffmann ihren Wohnsitz in Meilen ZH aufgegeben hat.)

Aber auf eine einfache telefonische Anfrage gab die Verwaltung bekannt, wann die Frau zuzog und wo sie wohnt. Dies kann ich nicht bestätigen; ich habe das Telefongespräch nicht mitgehört.

Wie erklären Sie dies der Bevölkerung, die diskret sein soll? Ich will diesen Vorfall nicht dramatisieren. Wo Menschen arbeiten, können Fehler geschehen.

Hatte der Fehler Konsequenzen? Wir haben alle Mitarbeitenden der Gemeinde schriftlich informiert, wer für welche Informationen zuständig ist.

Warum ist Diskretion für die Gemeinde Saanen und die Region Gstaad-Saanenland wichtig? Unsere Gäste und die Bevölkerung sind das Rückgrat unserer Region. Ihnen allen wollen und müssen wir gerecht werden. Dazu gehört das elementare Bedürfnis jedes Menschen, seine Intimsphäre zu wahren. Wer sich im Saanenland aufhält, weiss, dass seine Privatsphäre gewahrt ist. Diesen Wert wollen und dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.

Fürchten Sie, dass Prominente und Reiche die Region sonst verlassen könnten? Ich bin überzeugt, dass es Leute gibt, die dem Saanenland den Rücken kehren und sich einen Ort suchen würden, wo sie sich frei und unerkannt bewegen können.

Haben sich Gäste beschwert? Nein.

Kürzlich hat Gstaad Saanenland Tourismus zum Schutz der Privatsphäre aufgerufen. Was halten Sie davon? Diesen Aufruf kann ich nur unterstreichen. Ich appelliere an die ganze Bevölkerung, ihre Verantwortung wahrzunehmen und die Privatsphäre aller zu wahren. Auch Prominente haben das Recht, unbehelligt leben zu können.

Dann hat sich die Gemeinde Saanen noch nie überlegt, die Chalets der Prominenten und Reichen als Tourismusmagnet zu nutzen? Dies wurde mir schon vorgeschlagen. So etwas kommt für mich aber nie in Frage!

Aldo Kropf (FDP) ist seit Anfang 2009 Gemeindepräsident und damit Vorsitzender des Saaner Gemeinderates. Zusammen mit seiner Frau Marianne ist der gebürtige Basler Inhaber der «Top-Pharm-Apotheke und Laboratorium Dr. A. + M. Kropf» an der Gstaader Promenade.

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