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Aktie von Meyer Burger bricht ein

Der von der Krise der Solarindustrie arg gebeutelte Industriekonzern Meyer Burger baut weitere 270 Stellen ab. Eine zusätzliche Anpassung der Produktionskapazitäten sei aufgrund der Marktsituation unerlässlich, schrieb Meyer Burger am Mittwoch in einem Communiqué.

Meyer Burger ist eine weltweit tätige Technologiegruppe und beschäftigt umgerechnet auf Vollzeitstellen insgesamt 2272 Mitarbeiter.
Meyer Burger ist eine weltweit tätige Technologiegruppe und beschäftigt umgerechnet auf Vollzeitstellen insgesamt 2272 Mitarbeiter.
Gegen Ende November kündigte das Unternehmen einen Stellenabbau von 270 Mitarbeitern an. Im Bild: Der Parkplatz der Angestellten.
Gegen Ende November kündigte das Unternehmen einen Stellenabbau von 270 Mitarbeitern an. Im Bild: Der Parkplatz der Angestellten.
Markus Hubacher
Blick ins Atrium im Bürokopfbau des neuen Meyer-Burger-Hauptsitzes: Alle Arbeitsplätze sind hell und transparent. Bereits arbeiten 480 Personen im Gebäude an der Schorenstrasse in Thun.
Blick ins Atrium im Bürokopfbau des neuen Meyer-Burger-Hauptsitzes: Alle Arbeitsplätze sind hell und transparent. Bereits arbeiten 480 Personen im Gebäude an der Schorenstrasse in Thun.
Markus Hubacher
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Eine erste Restruktierungswelle hat Meyer Burger bereits im Frühling eingeläutet. Seither ist fast jede fünfte Stelle des Unternehmens gestrichen worden. Momentan beschäftigt Meyer Burger nach eigenen Angaben umgerechnet auf Vollzeitstellen insgesamt 2272 Mitarbeiter. Künftig sollen es nur noch 2000 sein.

Von den rund 270 Stellen, die nun gestrichen werden, fallen 50 bei der deutschen Tochter Roth und Rau weg. Welche anderen Konzernbereiche vom Abbau betroffen sind und wo Stellen wegfallen, kann gemäss Meyer Burger zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben werden.

Ziel des Personalabbaus ist eine Reduktion der laufenden Kosten um jährlich 30 Millionen Franken. Seit Jahresbeginn führte Meyer Burger den Vertrieb zusammen, vereinfachte die Organisation und restrukturierte die Produktion.

Prognose erneut gesenkt

Für 2012 kündigte Meyer vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einen Verlust von 20 bis 40 Millionen Fr. an. Grund dafür ist neben den Restrukturierungskosten auch der geringere Umsatz. Dieser dürfte nur leicht über 600 Millionen Fr. liegen. Künftig will Meyer Burger auf dieser Umsatzbasis wieder ein ausgeglichenes Ebitda- Ergenbnis ausweisen.

Der Hersteller von Spezialsägen für Siliziumblöcke und Maschinen zur Solarpanel-Produktion hatte bereits im Juli die Prognosen heruntergeschraubt und einen Umsatz im unteren Bereich der angepeilten 600 bis 800 Millionen Fr. angekündigt. 2011 hatte Meyer Burger einen Umsatz von 1,3 Milliarden Fr. und ein Ebitda von 278 Millionen Fr. erzielt.

Ungeachtet der schwierigen Branchensituation sieht das Unternehmen positive Perspektiven. Meyer Burger treibe seine Bemühungen um technische Führerschaft voran. Projektgespräche mit Kunden in Asien, Südamerika, im arabischen Raum und Afrika bekräftigten die Firma darin, hiess es weiter. Wann daraus allerdings Aufträge resultieren, sei schwierig zu beurteilen: «Die Visibilität des gesamten Marktes bleibt begrenzt.»

Aktie bricht ein

Die Anleger reagierten negativ auf die Mittelungen der Firma. Die Aktie brach bis am frühen Nachmittag um 7,4 Prozent ein und notierte bei 6,23 Franken. Die Meyer-Burger-Papiere verloren im laufenden Jahr mehr als die Hälfte ihres Werts und lagen damit so tief, wie seit sechs Jahren nicht mehr

Analysten zufolge stellt sich die Frage nach der Liquidität, um die Krise durchzustehen; es könnte daher eine Kapitalerhöhung erforderlich werden.

Die angekündigten Restrukturierungsmassnahmen dürfte von den Investoren als positives Signal aufgefasst werden, urteilte die Bank Notenstein mit Blick auf den weggeschmolzenen Aktienkurs. Eine Erholung des Marktes scheine aber noch in weiter Ferne zu sein.

Kapitalerhöhungen nötig

Daher stelle sich die Frage nach der Liquidität von Meyer Burger, hiess es bei der Bank Vontobel. Diese dürfte bis Ende 2013 sehr stark einbrechen, denn auf der Basis der neuen Prognose für das laufende Geschäftsjahr lasse sich ein Nettoverlust von 80 bis 90 Millionen Fr. erahnen.

So könnten in den kommenden sechs bis zwölf Monaten Kapitalerhöhungen erforderlich sein. Die gleiche Befürchtung hegt die UBS.

Die Verwerfungen in der Solarindustrie, ausgelöst durch die Schuldenkrise und den Wegfall von Subventionen, Überkapazitäten und dem damit einhergehender Preiszerfall für Solarmodule, macht Meyer Burger schon länger zu schaffen. Abhilfe könnte eine Konsolidierung unter den Solarzulieferern schaffen, diese ist aber nicht absehbar.

SDA/cls

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