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28'000 Fans gucken in die Nebelsuppe

«Hier steigt die Party!» Vier pubertierende Fans brüllen dies lauthals vom Sesseli der Chuenisbärglibahn. Es ist Samstag, 11.10 Uhr.

Hektik im Nebel: Bei der Ausfahrt aus dem Schmittenmedli (auf rund 1600 m ü.M.) wird in Windeseile das neue Starthäuschen aufgebaut.
Hektik im Nebel: Bei der Ausfahrt aus dem Schmittenmedli (auf rund 1600 m ü.M.) wird in Windeseile das neue Starthäuschen aufgebaut.
Jürg Spielmann

Nur wenige Meter unter den Schreihälsen ist auf der Piste der Teufel los. «Wir befinden uns hier in der Ausfahrt aus dem Schnittenmedli», sagt Pistenchef und OK-Mitglied Toni Hari (42) in einer kurzen Verschnaufpause. Der Ort der vermeintlichen Rettung des Adelbodner Riesenslaloms liegt auf 1600 m ü.M. – unterhalb des pickelharten Starthanges, an dessen oberem Ende (1730 m ü.M.) das echte Starthaus steht. Heute ist das irgendwo im Nirgendwo. Die trübe Nebelsuppe, von der Bise talwärts gedrückt, ist zäh, ist dick. Darum wird im Schnittenmedli ein Startgelände in den Schnee gesetzt. In Rekordtempo. «Die neue Startzeit ist um 11.30 Uhr», lässt Zielraumspeaker Sepp Odermatt via Lautsprecheranlage wissen.

Dass der Start nach unten verschoben wird, ist eine Premiere am Weltcup in Adelboden. Das sagt OK-Chef Peter Willen später. Merke: Nicht alles, was neu ist, ist erfreulich. Der ungeplante Umbau bringt so manchen Beteiligten arg ins Schwitzen – trotz klirrender Kälte, trotz minus 10 Grad Celsius. Rennleiter Hans Pieren steht da, wo in wenigen Minuten die Besten der Besten auf die Piste geschickt und so die Massen verzückt werden sollen. Trotz Hudelwetter sind 28'000 vor Ort – Rekord! Logisch, lässt Mann sich da nicht lumpen und schaufelt und pickelt, was das Zeug hält. Ein Helfer lässt die Motorsäge tief in die vereiste Piste dringen, legt den Wasseranschluss der Beschneiungsanlage frei. «Hans, noch zwanzig Minuten bis zum Start!», ruft FIS-Renndirektor Günter Hujara Rennleiter Pieren fordernd zu. Den Worten zusätzliche Dramatik verleihend, fuchtelt er dazu wie wild mit den Händen.

Es ist 11.25 und der Wettlauf gegen die Uhr in vollem Gange. «Neue Startzeit um 11.45 Uhr», verschafft Sepp Odermatts Info den Pisten-«Chrampfern» etwas Luft. Kaum ist die Startrampe in den Schnee gehauen, wird die sperrige rote Starthausfront angeschleppt. Sie ist im Nu fixiert. Die Fahrer treffen ein, während die Zeitmesser alles Nötige fürs Stoppen ihrer Zeiten installieren. Didier Cuche bespricht sich kurz mit Hans Pieren, andere scherzen oder müssen hinterm Nadelholz für kleine Skirennfahrer Eine TV-Frau meint irritiert zu ihren Kollegen: «Wie montiere ich diese Steigeisen?» Sie schafft es noch rechtzeitig, um die Bilder vom Start in die guten warmen Stuben zu liefern.

«Pi-pi-pi-pi-piii!» Das Startsignal ertönt. Es ist 11.45 Uhr – fünf viertel Stunden nach dem vorgesehenen Auftakt. Die Masse jubelt – vom Zielraum her ist das «Vogellisi» zu hören. Trotz Sturz von Publikumsliebling Cuche. «Das war jetzt eben ein wenig hektisch», resümiert Pistenchef Toni Hari zum Startumbau. Kurz vor 14 Uhr dann der Funkspruch: «Rennen abgebrochen!» Wertung gibt es keine. Für die Hauruckübung im Schnittenmedli hätten Hari und seine Helfer mindestens den Sieg verdient.

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