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1000-mal die 200-jährige Orgel gespielt

Die Orgel in der Kirche Amsoldingen wird 200 Jahre alt. Der heute 90-jährige Walter Klossner, langjähriger Organist und ehemaliger Präsident der Kirchgemeinde, hatte ein spezielles Verhältnis zum Kircheninstrument.

«Dyr söttet de no grad Organischt wärde!» Mit dieser unerwarteten, aber dezidierten Aufforderung hatte der gerade gewählte junge Lehrer Walter Klossner im Herbst 1945 nicht gerechnet. «I bi scho grad e chli erchlüpft», so der heute 90-jährige Amsoldinger gegenüber dieser Zeitung. Im Seminar hatte er sich nämlich für das Geigenpatent entschieden. Gut, dass er sich ab und zu auch mit Klavier, Harmonium und der Orgel im Seminar beschäftigt hatte.

Über 1000 Einsätze

Während 35 Jahren hat Lehrer Klossner abwechselnd mit Louise Gugger-Steuri bei über 1000 Einsätzen die Menschen an Gottesdiensten, Beerdigungen und Hochzeiten mit seinem Orgelspiel begleitet. Wie viele Stücke er dafür eingeübt hat, weiss er heute nicht mehr. Erlebnisse der besonderen Art seien jeweils die Gottesdienste mit dem Kirchenchor gewesen, den der Dorflehrer damals dirigiert hat. Zwischen der Orgel, die sich auf einer Empore mit einer steilen Treppe befindet, und dem Chor ist er hin und her gerannt: «Da hani aube feiechly gschwitzt.» Anders als die Kirche noch keine Heizung hatte. Um Weihnachten hat er jeweils bei null Grad und eingepackt wie ein Eskimo geprobt. All die Erlebnisse hätten ihn und diese Orgel speziell miteinander verbunden, so Walter Klossner. Dies zeigte sich auch, als er sich 1978 – als Präsident der Kirchgemeinde Amsoldingen – mit den damaligen Verantwortlichen dafür einsetzte, dass die Orgel erhalten bleibt und restauriert wird.

Im Wallis restauriert

Erbaut wurde die Orgel 1812 von Orgelmacher Johann Jakob Weber. In den 200 vergangenen Jahren haben die Amsoldinger darauf geachtet, diese Orgel zu erhalten. Ob aus finanziellen oder ideellen Gründen könne heute nicht mehr eruiert werden, so Pfarrer Martin Leuenberger.

Speziell war die Restauration 1978 bis 1980. Die gesamte Orgel wurde von der Firma Orgelbau Füglister aus Grimmisuat (VS) demontiert und ins Wallis transportiert. Während dieser Renovation wurde das zweite Manual, das 1898 als Occasion aus der Heiliggeistkirche Bern eingebaut wurde, wieder ausgebaut. Die Weber-Orgel wurde in ihren ursprünglichen Zustand, mit einem Manual versetzt. Kosten: 220'000 Franken. Anstelle des zweiten Manuals wurde eine neue, bewegliche Kleinorgel für den Chor angeschafft.

Seither hat die Kirche Amsoldingen zwei Orgeln. Damals, 1981, war für Walter Klossner genau der richtige Zeitpunkt, um als Organist zu demissionieren. Seither spielt er bis heute zu Hause Klavier, am Sonntagmorgen.

Neuenschwander und Balli

Am kommenden Sonntag, 1.Juli, feiern die Amsoldinger ihre alte Orgel. Die Feier beginnt um 9.30 Uhr mit einem Festtagsgottesdienst mit dem Kirchenchor Amsoldingen. Um 10.30 Uhr findet ein Matinée-Orgelkonzert mit dem bekannten Organisten Jürg Neuenschwander und Heinz Balli, dem ehemaligen Organisten am Berner Münster, statt. Zur Aufführung kommen Stücke für zwei Orgeln wie die Sonate in F-Dur von Gaetano Piazza und eine Kantate von Johann Sebastian von Bach. Um 11.30 Uhr wird ein Apéro für alle offeriert.

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