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Tanzend durch die Osternacht

MünsterJahr für Jahr führt Pfarrer Jürg Welter am Karsamstag im Berner Münster die Osternacht durch. Der Gottesdienst sprengt die üblichen Formen: In der Kirche setzen zeitgenössische Tänzerinnen die Ostergeschichte choreografisch um.

Seit 16 Jahren führt Pfarrer Jürg Welter (61) jeweils am Samstag vor Ostern im Berner Münster eine Osternacht durch. In der Kirche hat die Osternacht eine jahrhundertelange Tradition. Doch die Feier im Münster in der Samstagnacht ist kein gewöhnlicher Gottesdienst, sondern in erster Linie auch ein kultureller Anlass. Er inszeniert die Ostergeschichte mit zeitgenössischem Tanz, Musik und Wort. Seit der ersten Durchführung sind es Schülerinnen der Tanzwerkstatt Gudrun Bloom aus Hinterkappelen, die an der Osternacht tanzen. Tanz als eigenständiges Ausdrucksmittel Der Ablauf der Osternacht ist Jahr für Jahr derselbe. «Der Samstag stellt die Übergangsphase vom Karfreitag in den Ostersonntag, vom Tod in das Leben dar», erklärt Welter. Diese Übergangszeit, in der sich Leben und Tod so nah seien, fasziniere ihn immer wieder aufs Neue. Jedes Jahr wird versucht, den Übergang vom Dunkel ins Licht auf eine andere Weise mit den Tänzerinnen darzustellen. Inhaltlich setzt Welter jedoch immer einen anderen Schwerpunkt. Heuer ist der Liederzyklus «Kindertotenlieder» von Gustav Mahler (1860–1911) der Ausgangspunkt. «Die Lieder nach Gedichten von Friederich Rückert thematisieren den Verlust eigener Kinder», erklärt der Pfarrer. Die Berner Tänzerin und Choreografin Karin Minger, eine ehemalige Schülerin der Tanzwerkstatt, hat die Choreografien erarbeitet. Diese sind teilweise reduziert auf ein Minimum an Bewegungen. Oft gehen die neun Tänzerinnen ohne choreografischen Schnickschnack über die Tritte des Podests. «Den Tod oder einen Verlust tänzerisch umzusetzen ist viel einfacher als Freude im Tanz darzustellen», sagt Choreografin Minger. Für Pfarrer Welter ist wichtig, dass der Tanz in der Osternacht nicht nur den gelesenen Text künstlerisch umsetzt, sondern als eigenständige Ausdrucksform zum Einsatz kommt. «Der Tanz fährt fort, wo das Wort endet.» Das Münster stellt besondere Anforderungen Seit der ersten Durchführung einer Osternacht im Münster hat sich vieles verändert. «Zu Beginn tanzten wir zu Musik ab Band», erzählt Minger. Heute begleiten Organistin Nadia Bacchetta und Sängerin Rie Horiguchi den Gottesdienst. Welter arbeitet seit einigen Jahren mit Lichttechnikern zusammen. Das sei wichtig für die ganze Inszenierung, denn das Münster sei keine einfache «Bühne», sagt der Pfarrer. So sei es nicht einfach, die Choreografien so zu gestalten, dass alle Tänzerinnen für alle Zuschauer in der Kirche zu sehen seien. Eine Predigt, wie man sie aus einem klassischen Gottesdienst kennt, hält Jürg Welter am Samstag nicht. Dafür wird praktisch jedes Jahr in der Osternacht ein Kind getauft. Annina HaslerOsternacht im Berner Münster: Samstag, 23.April, 22 Uhr. >

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