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Sondereinsatz für die Jäger

Am kommenden Montag startet die Sonderjagd

Der Grat ist schmal, auf dem sich Jagdinspektor Peter Juesy bewegt. Er steht im Kreuzfeuer von Naturschutzverbänden, den Jägern und den Landwirten; und allen muss er es recht machen. Die aktuelle Gratwanderung betrifft die Sonderjagd für Rothirsche in zwei Wildräumen des Kantons Bern. Da während der Haupt- und der Nachjagd nicht so viel Rotwild wie bewilligt geschossen wurde, hat der Kanton zum zweiten Mal in Folge eine Sonderjagd bewilligt. Diesmal bereits in zwei Wildräumen, dem Gebiet nördlich des Thunersees, wie im vergangenen Jahr, und heuer von Grindelwald, Gsteigwiler über Brienz, Meiringen bis ins Urbachtal. Neu gibt es bei der diesjährigen Sonderjagd keine Schontage mehr, nur am Sonntag darf nicht gejagt werden. Ausserdem wird die Gebühr für den Abschuss von milchtragenden Mutterkühen, eine eigentliche Strafgebühr, die auch während der regulären Jagdsaison gilt, gesenkt. Das ist umstritten: «Wenn eine milchtragende Mutterkuh abgeschossen wird, verwaisen ihre Kälber», sagte Peter Juesy. «Anders als etwa bei Damwild werden diese auch nicht von anderen Rothirschkühen angenommen.» Die Jungtiere gehen ein. Das sei aber unbedingt zu vermeiden. Deshalb gilt die Devise: «Kalb vor Kuh.» Diese Neuerungen haben zum Ziel, den Jagderfolg zu erhöhen. Am Montagabend wurden die Jäger, die für Sonderjagd ausgelost wurden, in Interlaken über die Vorschriften und die Organisation der Sonderjagd informiert. Der Wildraum wird in Sektoren aufgeteilt, in denen mehrere Jäger gemeinsam jagen. Es wurden Rotationspläne festgelegt – jeder Jäger soll die Chance erhalten, an den besten Ansitzplätzen zu jagen. Gejagt wird ausschliesslich vom Ansitz ausserhalb des Waldes aus, also von einem festgelegten Platz, wo es beispielsweise einen Hochsitz hat. Wildhüter Christian Siegenthaler appellierte an die Jäger: «Es geht um die Erfüllung einer Aufgabe, die Sonderjagd ist ein Sondereinsatz.» Auch wenn der Winter einbreche oder die Bedingungen nicht ideal seien: «Ihr dürft nicht nachlassen, bis die erforderlichen Hirsche geschossen sind. Ich will nicht, dass das Interesse nach wenigen Tagen bereits erlischt.» Der Rothirschbestand im Kanton Bern hat sich in den vergangenen sechs Jahren fast verdreifacht (wir haben berichtet). In einigen Gebieten hat die Population die «Zumutbarkeit überschritten», wie es von Seiten des Jagdinspektorat heisst. Die Erhöhung des Bestandes ist gemäss Rothirschkonzept 2006 vom Kanton Bern zwar so gewollt, doch in einzelnen Gebieten lebt schon zu viel Rotwild. Ein Beispiel: Die Hirsche nagen Baumrinden ab, die Bäume faulen, der Schutzwald wird gefährdet. Peter Juesy schätzt, dass die Schäden dieses Jahr bereits 20000 Franken betragen werden. Zum Vergleich: 2007 zahlte der Kanton 6000 Franken an Geschädigte. Die Sonderjagd dauert vom 16. bis am 30. November. Insgesamt sind noch 86 Rothirsche zum Abschuss freigegeben. Fabian von Allmen>

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