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«Sie machte mir einen unsittlichen Antrag»

pfarrei wabernEine Mitarbeiterin fühlte sich von Pfarrer Marian Miklaszewski sexuell belästigt. Doch er dreht den Spiess um: Die Frau habe ihn zu einem intimen Verhältnis eingeladen.

Das Amtsenthebungsverfahren gegen den katholischen Pfarrer von Wabern spitzt sich zu. Lange hat Marian Miklaszewski geschwiegen, am Dienstagabend liess er durch seinen Anwalt eine Stellungnahme verschicken (siehe Ausgabe von gestern). Darin schildert der Geistliche eine komplett andere Geschichte, als sie vor wenigen Tagen von den Kirchenbehörden kommuniziert wurde. Ursprung für das nun laufende Verfahren gegen ihn sei eine Untersuchung wegen sexueller Übergriffe gewesen. Jurist und Mediator Christian Hodler hat den Untersuchungsbericht zusammen mit Psychologin Claudia Stam für den Kanton verfasst. Er bestätigt, dass der Vorwurf der sexuellen Belästigung der Ursprung dafür war, die ganze Situation rund um Miklaszewski in der Pfarrei Wabern unter die Lupe zu nehmen. Der 30-seitige Bericht mit ungefähr 30 Zeugenaussagen und 62 Beilagen legt dem Pfarrer vor allem gravierende Führungsmängel zur Last. «Nicht erwiderte Liebe» Unbestritten ist: Die gegenseitigen schweren Vorwürfe von Pfarrer Miklaszewski und Katechetin I.S.* waren der Auslöser für Unstimmigkeiten in der Pfarrei St.Michael. I.S. wandte sich vor einem halben Jahr an die Fachstelle für sexuelle Übergriffe des Bistums. Sie soll gesagt haben, sie fühle sich von Miklaszewski sexuell bedrängt. Der Geistliche schildert die Situation ganz anders. Sie sei die Täterin, er das Opfer. «Die Religionspädagogin I.S. hat sich in ihren Vorgesetzten verliebt», schreibt Miklaszewskis Anwalt Kurt Bonaria. So habe sie letztes Jahr «alles daran gesetzt», ihr Büro in der Nähe des Pfarrers einzurichten. Mitte August habe sie ihn dann gefragt, «ob ein intimes Verhältnis zwischen ihnen möglich sei, was der Priester umgehend verneinte», schreibt Anwalt Bonaria, und: «Nachdem die Religionspädagogin sich aus nicht erwiderter Liebe hasserfüllt gegen ihren Vorgesetzten wandte, gelang es ihr, weitere Frauen auf ihren Kreuzzug mitzunehmen, die nun ein Mobbing gegen Pfarrer Miklaszewski aufgezogen haben.» Die von ihm angeschwärzte I.S. will sich nicht dazu äussern und verweist an die offiziellen Stellen. Doch warum klagte der Pfarrer nicht selber wegen sexueller Belästigung wegen des angeblichen unsittlichen Antrags? Sein Anwalt begründet das so: Miklaszewski sei nicht bereit gewesen, seine Mitarbeiterin anzuzeigen, denn: «Als Kirchenmann» wolle Miklaszewski juristische Verfahren wenn immer möglich vermeiden und «die Angelegenheiten auf eine andere Art und Weise regeln». Und: Der Pfarrer habe kein Vertrauen in die Mobbingstelle des Kantons. Dort arbeiten Christian Hodler und Claudia Stam, die den Bericht verfasst haben, die jetzt zum Amtsenthebungsverfahren gegen Miklaszewski geführt hat (siehe Kasten). Das sei der Grund dafür. Im Rahmen des Expertenberichts wurden die Vorwürfe des Pfarrers, er sei Opfer statt Täter, untersucht. Dies teilt die katholische Kirche Region Bern mit. Die Katechetin bestreite diese Vorwürfe aber «energisch», und die Frau werde im Bericht als «glaubwürdig» eingestuft. Christian Hodler von der Mobbingstelle sagt, die Vorwürfe von I.S., der Pfarrer habe sie sexuell belästigt, hätten sich erhärtet. Die von der Frau behaupteten gravierenden Übergriffe hätten sich hingegen nicht beweisen lassen. «In Bezug auf die schweren Übergriffe stand Aussage gegen Aussage. Sie waren glaubhaft, aber nicht beweisbar. Daher galt: Im Zweifel für den Angeklagten.» Details will Hodler nicht preisgeben. In den zwei Jahren, die Miklaszewski in der Pfarrei St.Michael in Wabern arbeitet, ist es zu neun Kündigungen gekommen. Auch Katechetin I.S. arbeitet inzwischen nicht mehr in der Pfarrei. Der Pfarrer selber ist krankgeschrieben. «Wie im Inquisitionsprozess üblich, haben die kirchlichen und weltlichen Machtzentren zusammengearbeitet und lassen keinen fairen Prozess mehr zu», schreibt Pfarreranwalt Kurt Bonaria. Sein Mandant hat nun gegen die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons und gegen Hansruedi Spichiger, den Beauftragten für kirchliche Angelegenheiten, eine aufsichtsrechtliche Anzeige eingereicht. «Ich nehme die Anzeige zur Kenntnis», sagt Spichiger. Der Pfarrer könne nun zum Bericht Stellung nehmen. Katharina Merkle>

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