Zum Hauptinhalt springen

Sie landete beim Zahnarzt

Sie stammt aus Biglen und wurde als zweite Swissair-Stewardess der Schweiz berühmt. Heute wird

Meistens verschläft Johanna Bigler abendliche Besuche. Auch tagsüber, wenn sie im Lehnstuhl in ihrer Wohnung an der Burgdorfstrasse 11 in Konolfingen sitzt, nickt sie immer wieder ein. Es ist, als ob die alte Frau müde wäre von der Last des Jahrhunderts, das sie nunmehr auf dieser Welt verbringt. Sprechen mag sie nicht mehr, aber ihr Sohn Peter Bigler und ihr Pfleger Pavol Kubica sind überzeugt, dass sie noch viel mehr wahrnimmt, als man denkt. Ausbildung abgebrochen Am 12.Januar 1909 ist Johanna Bigler-Vögeli in Biglen geboren und aufgewachsen. Sie war das vierte Kind von acht, die Gottfried und Rosette Vögeli zusammen hatten. Wie es damals üblich war, absolvierte Johanna Vögeli nach der Schule ein Welschland-Jahr. Danach besuchte sie hauswirtschaftliche Kurse an der Frauenarbeitsschule in Bern und an Hotelfachschulen. Ihre Ausbildung musste sie abbrechen, als 1928 ihre Mutter mit 46 Jahren starb. Die junge Frau unterstützte ihren Vater bei der Arbeit und der Betreuung ihrer schulpflichtigen Geschwister und der Mitarbeiter. Vögelis hatten eine Mühle und einen Landwirtschaftsbetrieb, wie Sohn Peter Bigler berichtet. Später arbeitete Johanna Vögeli im Haushalt eines Obersten der Armee in Dübendorf ZH. Bei Spaziergängen mit dessen Hund besuchte sie oft den Flugplatz und träumte vom Fliegen. 1934, nach dem Absturz einer Swissair-Maschine, bei dem die drei Besatzungsmitglieder, darunter die Stewardess Nelly Diener, ums Leben kamen, bewarb sie sich bei der Fluggesellschaft. Sie wurde sofort eingestellt. «Ds Vögeli» Als zweite Stewardess der Schweiz erschien Johanna Vögeli, zukünftige Bigler, in vielen Medien. Auf dem Tisch ihres Wohnzimmers liegen Schachteln und Ordner mit Zeitungsausschnitten und Fotos. Fotos zeigen eine junge Frau mit einem Korb, in dem sie Flaschen mit Tee, Bouillon und Kaffee in den Flieger brachte. Eine Bordküche gab es damals noch nicht. Die Stewardess brachte Sandwiches mit. Einmal habe sie, wie sie 1994 in einem Interview mit dem «Beobachter» erzählte, zu einem verängstigen deutschen Geschäftsmann gesagt: «Ich heisse Vögeli und kann fliegen.» Auch gejodelt habe sie für die Passagiere und dazwischen Socken für ihren Liebsten gestrickt, den Zahnarzt Arthur Bigler. Dieser brachte «ds Vögeli» denn auch auf den Boden. Sie heirateten 1937, und Johanna Bigler-Vögeli gab ihren Beruf bei der Swissair auf. Das Paar zog in die Villa Grünegg, wo Bigler seine Praxis eröffnete und die beiden Söhne Kaspar (68) und Peter (66) aufwuchsen. Zusammen mit ihrer Schwester Martha betreute Johanna Bigler Kinder und Haushalt. Fand sie Zeit, bemalte sie kunstvoll Porzellan. Des Weiteren stand sie ihrem Ehemann zur Seite, der nicht nur die Zahnarztpraxis führte, sondern im Haus gegenüber noch einen Tearoom und ein Kino besass. Heute ist der Tearoom geschlossen. Das Kino gibt es noch. Es ist vorwiegend an den Wochenenden geöffnet. Johanna Biglers Söhne und Schwiegertochter sind regelmässig an der Kinokasse anzutreffen, abends, wenn die Zahnarztpraxis geschlossen ist. Ihren Ehemann begleitete Johanna Bigler bis zu dessen Tod 1991. Danach verbrachte die gesellige und naturverbundene Frau viel Zeit in Wengen. Heute pflegebedürftig Von einem Oberschenkelbruch im Jahr 2000 erholte sich Johanna Bigler nicht mehr. Sie wurde zusehends schwächer. Seit sechs Jahren brauchen sie und ihre 96-jährige Schwester Martha rund um die Uhr Pflege: Diese übernehmen der 30-jährige Chefpfleger Pavol Kubica und weitere Betreuerinnen und Nachtwachen diverser Krankenpflegedienste. Immer in der Nähe sind die Katzen Tigerli, Jakobli und Whisky. Besonders im Winter machen sie es wie Johanna Bigler: Sie verschlafen wohlig den Tag. Laura Fehlmann >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch