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Sechsjährige möchte mehr Unterricht im Asylheim

Das Mädchen im Durchgangszentrum Kappelen wird seit zwei Wochen wieder unterrichtet. Zumindest für sechs Lektionen die Woche. Bei einem Schulbesuch sagt das Kind, dass es gerne mehr Unterricht hätte.

«Am liebsten spiele ich mit den Bauklötzen», sagt die sechsjährige Nina, die seit zwei Wochen wieder unterrichtet wird.
«Am liebsten spiele ich mit den Bauklötzen», sagt die sechsjährige Nina, die seit zwei Wochen wieder unterrichtet wird.
Susanne Keller

«Am liebsten spiele ich mit den Bauklötzen», sagt die sechsjährige Nina* in fast akzentfreiem Hochdeutsch und demonstriert gleich ihre Fertigkeiten, indem sie einen Turm baut. Seit zwei Wochen wird sie im Schulzimmer des Asylheims Kappelen endlich wieder unterrichtet. Am Montag und am Freitag erhält Nina von einer ausgebildeten Kindergärtnerin quasi Privatunterricht – auf Rechnung des Kantons. Insgesamt stehen nur sechs Lektionen pro Woche auf dem Programm. «Wir halten uns beim Unterricht an den kantonalen Lehrplan», sagt Ninas Lehrerin, die will, dass das Mädchen und sie anonym bleiben. Spielerisch soll Nina durch den Unterricht ihre Selbst- und Sachkompetenz verbessern. Dass sie bei sechs Lektionen pro Woche aber im Hintertreffen ist, versteht sich von selbst.

Kein Platz für ein Kind

Nachdem die Erziehungsdirektion in diesem Sommer eine Weisung herausgegeben hat, wonach die Kinder aus Durchgangs- und Sachabgabezentren in die Regelklassen integriert werden müssen, wollte weder Lyss noch Kappelen das sechsjährige Mädchen im Kindergarten aufnehmen. Für mehrere Monate erhielt Nina gar keine Schulbildung (wir berichteten).

Zuerst drehte sich der Streit, der landesweit Aufsehen erregte, um zwei Kinder, die im Durchgangszentrum zu Hause waren, jetzt ist Nina aber das einzige Kind im fraglichen Alter.

Heute steht Basteln auf dem Programm. Unter den Anweisungen der Kindergärtnerin zaubert sich Nina einen Papierhut und setzt sich eine improvisierte Augenklappe aus einem Papierfetzen auf. «Ich bin eine Piratin», sagt sie laut und hüpft mit einem Lächeln durch das fast leere Schulzimmer. Nina geniesst es sichtlich, dass sie wieder in den Kindergarten gehen darf. «Manchmal weint sie, wenn der Unterricht zu Ende ist», so die Lehrerin.

Deutsch auf dem Lehrplan

Auch Sprachunterricht gehört zu Ninas Ausbildung. Die Muttersprache der Sechsjährigen ist Französisch, sie spricht aber bereits sehr gut Deutsch. «Mit altersgerechten Programmen können wir die Sprachkenntnisse der Kinder verbessern», erklärt die Lehrerin. Mit Hilfe von Bilderbüchern lernen die Kinder in den Durchgangszentren die Unterrichtssprache. Oder auch indem die Pädagogin auf Gegenstände deutet und sie beim Namen nennt. Nina ist bereits einen Schritt weiter. Sie kann sich über ihre Lieblingsspielsachen, über Lieder oder über ihre Zeichnungen unterhalten. Oder auch darüber, was ihr der Unterricht bedeutet: «Wenn ich im Kindergarten bin, bin ich glücklich. Ich würde gerne mehr Zeit hier verbringen.» Nach drei Lektionen verabschiedet sich Nina mit einem Lied von ihrer Lehrerin. Der Unterricht geht erst am Freitag weiter. Name der Redaktion bekannt

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