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Rinne für Hochwasser ist umstritten

Durch eine breite Senke soll das Hochwasser der Alten Aare künftig ins Kulturland fliessen. Dagegen wehren sich zwei Landwirte und die Burgergemeinde. Der Eingriff sei unnötig und gefährde die Existenz der Bauern.

Kampf gegen Schutzprojekt: Thomas Kurz (l.) und Eduard Eggli wollen verhindern, dass Strasse und Gelände abgesenkt werden.
Kampf gegen Schutzprojekt: Thomas Kurz (l.) und Eduard Eggli wollen verhindern, dass Strasse und Gelände abgesenkt werden.
Stefan Anderegg

Der Wasserbauverband Alte Aare will den Hochwasserschutz zwischen Lyss und Dotzigen verbessern – das Projekt kostet 22 Millionen Franken. Die Eingriffe, die bei Busswil geplant sind, kommen bei etlichen im Dorf aber nicht gut an. Sie kritisieren die Absenkungen im Gebiet Algier-Grossried. Diese seien unnötig, ja sie bedrohten gar die Existenz der Bauern, die dort wirtschafteten.

Von Busswil führt die Bielstrasse nach Studen, ein Teil verläuft durch den Auenwald der Alten Aare. Dort soll eine 300 Meter breite Senke entstehen. Damit will man erreichen, dass die Fluten der Alten Aare bei Hochwasser auf die Felder fliessen können. Für die Abflussrinne muss der Boden ausgebaggert und die Strasse rund einen Meter tiefergelegt werden. Dafür muss Wald gerodet werden.

Schon zweimal Widerstand

Ursprünglich war die Überflutungsfläche 500 Meter weiter südlich geplant worden, bei der Eisenbahnlinie Lyss–Biel. Doch nach der öffentlichen Auflage des Projekts vor einem Jahr war die Kritik so gross, dass die Planer die Bodenabsenkung zur Bielstrasse hin verschoben.

Nun regt sich auch dort Widerstand. Zu den abgeänderten Plänen sind fünf Einsprachen eingegangen – darunter eine der Burgergemeinde Busswil als Grundeigentümerin und diejenige der Landwirte Thomas Kurz und Siegfried Eggli, die gemeinsam einen Betrieb führen. Auch die SP Sektion Busswil hat Einsprache erhoben.

Gemeinsamer Tenor der Kritiker: Die geplante Absenkung sei überrissen und unnötig. Kleinere Hochwasser könnten auch ohne Senke den Auenwald überfluten. Wenn sehr viel Wasser fliesse, laufe es ohnehin über die bestehende Strasse in den Wald und auf die Felder. Besorgt sind vor allem die Landwirte: «Für uns gibt es extreme Einbussen, wenn das Land überschwemmt wird», sagt Thomas Kurz. Die Bauern werden zwar dafür entschädigt, aber: «Vergütet werden nur Ackerkulturen. Wenn dort Gemüse wächst oder Rollrasen hergestellt wird, erhalten wir nichts.»

Felder oft überflutet?

Kurz weist auch auf die Verschmutzung hin: «Wegen der Ablagerung von Sand, Geröll, Schwemmholz und Kies ist das Land für zwei bis drei Jahre unbenutzbar.» Befürchtet wird im Weiteren, dass die Felder wegen der Senke vermehrt überflutet werden. Auch der Grundwasserspiegel gibt zu Besorgnis Anlass. Er steht in diesem Gebiet schon heute hoch. Ein abgesenkter Boden könnte unbrauchbar werden.

Die Busswiler Einsprecher sorgen sich auch um die Bielstrasse. Läge sie einen Meter tiefer als geplant, könnte sie tagelang nicht passierbar sein. Zudem beschädige das Wasser die Fahrbahn. Die Burgergemeinde schlägt in ihrer Einsprache deshalb vor, nur einen Durchlass unter der Strasse zu bauen, statt diese auf fast 300 Metern Länge abzusenken. Kritisiert wird auch der geplante Damm seitlich der Senke. Er soll die unterhalb liegenden Teiche, die sogenannten Giessen, schützen. «Wenn der Damm nicht gebaut wird, kann das Wasser auch in dieser Richtung fliessen, und unser Kulturland muss nicht abgetragen werden», sagt Burgerpräsident Eduard Eggli.

Kopfschütteln löste bei den Einsprechern die Publikation der zweiten Planauflage aus. Man habe die Leser hinters Licht geführt, monieren sie. Denn dort stand: «Die Terrainabsenkung Bielstrasse entfällt ersatzlos.» Doch die Absenkung gabs immer noch – unter der Bezeichnung «Entlastung Grossried-Nord».

Zuversicht bei Präsident Käser

Hermann Käser, Präsident des Wasserbauverbandes Alte Aare, kennt die Kritikpunkte. Er will dazu aber nicht Stellung nehmen, dies im Hinblick auf die Einspracheverhandlung von Anfang März. «Wir wollen niemandem etwas aufzwingen. Es geht uns nicht darum, neue Probleme zu schaffen.» Das Hochwasserschutzprojekt dürfe wegen dieser Stelle aber nicht scheitern, warnt er. «Ich bin zuversichtlich, dass wir miteinander eine gute Lösung finden, die beiden Seiten zugutekommt.»Herbert Rentsch>

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