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Fragwürdiger Umgang mit ÖV-Personal

Die Verkehrsbetriebe Biel (VB) sind in der Kritik. Wie Dokumente zeigen, pflegen die VB mit einzelnen Mitarbeitern einen äusserst fragwürdigen Umgang.

Kein Vertrauen in die Führung: Das Verhältnis zwischen Personal und Unternehmensleitung bei den Verkehrsbetrieben Biel ist offensichtlich gestört.
Kein Vertrauen in die Führung: Das Verhältnis zwischen Personal und Unternehmensleitung bei den Verkehrsbetrieben Biel ist offensichtlich gestört.
Olivier Gresset/BT

Die Verkehrsbetriebe Biel (VB) beehren das Publikum regelmässig mit good News. Neuer Bus, neuer Fahrplan, neue Linien, mehr Rentabilität und so weiter und so fort. Diesmal ist es anders. Das Personal hat kein Vertrauen in die Führung, das ergab eine bisher nicht veröffentlichte Personalumfrage aus dem Jahr 2010. Laut Aussagen von Gemeinderat und Verwaltungsrat der VB Hubert Klopfenstein gegenüber Canal 3 wurden daraufhin Massnahmen ergriffen, um die Situation zu verbessern. Doch was sich seit Herbst 2011 bis circa August 2012 abgespielt hat, vermittelt das Bild einer Führung, die mit Menschen in prekären sozialen und beruflichen Verhältnissen am Rande der Legalität agiert.

Ausbildung ohne Lohn

Zwei Fälle sind mit E-Mails und Briefen zwischen Direktor Christophe Kneuss, Betriebsleiterin Chantal Chételat Komagata und der Gewerkschaft VPOD mit Auszügen aus Vereinbarungen und Zeugenaussagen von VPOD-Mitarbeitern dokumentiert. Es handelt sich um Ausländerinnen, die von den VB als Aushilfen im Moonliner-Betrieb im Stundenlohn angestellt worden waren. Beiden Frauen wurden Festanstellungen in Aussicht gestellt. Beide mussten mitansehen, wie externe Personen fest angestellt wurden, ohne dass die VB ihnen diese Stellen angeboten hätten. Beide Frauen liessen sich zudem vom VPOD vertreten.

Einer Frau wurde auf den 1.1.2012 eine Festanstellung versprochen, sofern sie die Ausbildung zur Trolleybusfahrerin absolviert. Gleichzeitig war die Frau beim RAV angemeldet und erhielt Arbeitslosenunterstützung. Als die Vereinbarung zur Ausbildung zur Trolleybusfahrerin stand, meldete dies Chételat dem RAV. Darauf stellte das RAV die Zahlungen ein, weil die Frau wegen der Ausbildung nicht mehr vermittelbar war. Damit geriet sie in eine prekäre finanzielle Situation. Zumal laut VPOD die VB der Frau, nicht wie sonst üblich, während der Ausbildung keinen Lohn zahlten. Die Frau wurde angestellt, ist aber bereits nicht mehr bei den VB.

Paar soll auf Recht verzichten

In einem anderen Fall, den Klopfenstein im Radiointerview als Einzelfall bezeichnet, geht es um ein Ehepaar, insbesondere um die Frau. Der Fall sei zwar erledigt. Es brauchte jedoch die Intervention des VPOD, damit das Paar zu seinem Recht kam. Denn die VB verlangten, dass die beiden Betroffenen im Falle einer Festanstellung der Frau (der Mann arbeitete schon bei den VB als Festangestellter) auf grundsätzliche Rechte von Ehepartnern, die im gleichen Betrieb arbeiten, verzichten. Das geschah über eine Anstellungsvereinbarung.

Diese hätte zur Folge gehabt, dass das Ehepaar nur einen gemeinsamen arbeitsfreien Tag alle fünf Tage und nur alle sechs Wochen einen gemeinsamen freien Sonntag gehabt hätte. Dazu sollten die Eheleute unterschreiben, dass die VB «keinesfalls den gleichzeitigen Bezug von Ferien versprechen können». Dazu sollte die Frau darauf verzichten, um Dienstverschiebungen zu bitten.

Peter Staub, Regionalsekretär des VPOD, der die Frau in diesem Verfahren unterstützte, empfahl ihr, die Vereinbarung zu unterzeichnen und sie dann nach der Probezeit anzufechten, denn: «Diese Vereinbarung war und ist meines Erachtens unzulässig», schrieb Staub am 28. Juni 2012 an Direktor Kneuss. Dieser antwortete am 26.Juli und stellte fest, dass die Anstellungsvereinbarung in «keiner Art und Weise gesetzeswidrig» sei. Die darin enthaltenen Ausführung hätten «primär deklaratorischen Charakter» und keinen rechtlich bindenden.

Insgesamt sagt Peter Staub zu den Vorkommnissen: «Die VB haben als öffentlicher Betrieb eine besondere Verantwortung gegenüber dem Personal. Die Sozialpartnerschaft funktioniert ansonsten gut. Aber es darf nicht sein, dass man versucht, den GAV oder gar Gesetze auszuhebeln.»

Kneuss nimmt Stellung

Zu all diesen Vorwürfen hat Direktor Kneuss wie folgt Stellung bezogen: «Im Falle des behaupteten schikanösen und rechtswidrigen Verhaltens gegenüber den Ehegatten bin ich sehr überrascht. Mit Mail vom 22.8.2012 wurde mir seitens VPOD nach Rücksprache mit den Ehegatten als Reaktion auf mein Schreiben vom 26. Juli unter anderem mitgeteilt, man sei mit meiner ‹materiellen Antwort weitgehend zufrieden› und ‹die Angelegenheit sei vorläufig erledigt›.

Schliesslich weise ich die – zumindest indirekt – erhobene Anschuldigung der Ausländerfeindlichkeit in aller Entschiedenheit zurück. Im Gegenteil sind wir bei den VB stolz darauf, mit so vielen verschiedenen Nationalitäten unter einem Dach erfolgreich zusammenzuarbeiten», schreibt Kneuss. Auf Details zu den zwei Fällen geht er nicht ein.

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