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Fahrer der Frauen sagen aus

Am Dienstag haben im Prozess um das Hotel Schloss Nidau zwei Angeklagte ausgesagt, die als «verlängerte Arme» des Hauptangeklagten fungierten. Sie sollen vor allem Prostituierte chauffiert haben.

Menschenhandel, Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution: Am Montag begann der Prozess.
Menschenhandel, Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution: Am Montag begann der Prozess.
Keystone
Der Bieler Regierungsstatthalter schliesst im Mai 2011 nach einer Razzia das Hotel Schloss Nidau.
Der Bieler Regierungsstatthalter schliesst im Mai 2011 nach einer Razzia das Hotel Schloss Nidau.
Keystone
Zudem stiessen die Behörden bei der Razzia auf illegale Spielautomaten.
Zudem stiessen die Behörden bei der Razzia auf illegale Spielautomaten.
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Der mehrtägige Prozess um angeblichen Menschenhandel im Rotlichtmilieu ging am Dienstag in die zweite Runde. Zwei weitere Angeklagte sagten aus – beides «verlängerte Arme» des Hauptangeklagten, des damaligen Geschäftsführers des Hotels Schloss Nidau. S., ein kleiner, grauhaariger Türke, kam als 15-Jähriger in die Schweiz. Er ist verheiratet und ist Vater von vier Kindern. Wegen gesundheitlicher Probleme bezieht er Sozialhilfe.

Der Chauffeur

Auch er ist wegen Förderung der Prostitution und Menschenhandel oder allenfalls Gehilfenschaft dazu angeklagt. S. soll vor allem Chauffeurdienste erledigt haben. So habe er den Chef des Bordells chauffiert, Prostituierte an Flughäfen und Busbahnhöfe geführt oder sie dort abgeholt. Oder sie von Nidau in Bordelle in die Kantone Solothurn und Schwyz gebracht haben. So kamen 4000 Kilometer im Monat zusammen. Vor Gericht sagte S. allerdings: Autofahren sei halt sein Hobby, es mache ihm Spass, und er könne damit Stress abbauen. Frauen habe er nur transportiert, wenn diese ihn abgerufen und danach gefragt hätten.

«Ich wollte nur helfen»

Ob er denn Kontaktmann zu rumänischen Prostituierten gewesen sei, wollte der Gerichtspräsident wissen. «Ja, die riefen mich an und fragten, ob es noch Platz hat im Hotel Schloss», so die Antwort von S., der ein wenig Rumänisch spricht. «Ich wollte nur helfen, nichts anderes», sagte er weiter. S. soll gemäss Anklageschrift die Frauen aber auch in ihrer Freizeit überwacht, Geld einkassiert und dieses an Zuhälter weitergegeben haben. S. bestritt auch diesen Vorwurf. Er habe nie Geld einkassiert von den Frauen. «Einmal gab mir eine von ihnen Geld, das ich an ihren Freund weitergab», sagte er. «Ich wusste nicht, dass er ihr Zuhälter ist.» Ein Couvert sei das gewesen mit vielleicht 300 oder 500 Franken drin, so S. Auch der Vierte im Bunde sagte gestern aus. C. ist ein 41-jähriger Türke, verheiratet und Vater. Auch er ist wegen Förderung der Prostitution und Menschenhandel oder allenfalls Gehilfenschaft dazu angeklagt.

Er soll wie S. Frauen chauffiert haben, daneben soll er Sicherheitsverantwortlicher und Handlanger im Hotel Schloss gewesen sein. Er soll ebenfalls Geld von den Prostituierten einkassiert haben. Zudem sind bei ihm eine Pistole samt Munition und ein Messer sichergestellt worden. Wofür er denn die Pistole gebraucht habe, wollte der Richter wissen. «Das ist halt einfach so. Man hat bei uns einfach eine Pistole zu Hause», so die Antwort. Weil er den Besitz des Messers abstritt, öffnete der Gerichtspräsident eine Kiste und demonstrierte den automatischen Mechanismus des Klappmessers mit einer 20-Zentimeter-Klinge. «Ich wusste nicht, dass man das Messer so öffnen kann», behauptete C., worauf der Richter trocken fragte: «Wollen Sie mich jetzt auf den Arm nehmen?»

Auch die erste Auskunftsperson war vorgeladen. Der Mann war zuerst Kunde, danach half er im Schloss aus. Allerdings glänzte die Auskunftsperson dadurch, dass sie keine Auskunft geben wollte. «Ich will nichts mehr mit dieser Zeit zu tun haben», wiederholte der Mann etliche Male. Bei allen Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Das Urteil ist für den 29.Mai geplant.

Zeugin fürchtet Repressalien

Neun Tage hat das Regionalgericht für den Prozess reserviert. Vorgesehen ist auch, dass Zeuginnen auftreten. Dabei handelt es sich in mindestens einem Fall um eine der Ausländerinnen, die im Nidauer Bordell arbeiteten.

Bereits am Montag gab der Gerichtspräsident bekannt, dass die Frau zwar vor Gericht aussagen will, aber nicht in Anwesenheit der Angeklagten. Sie befürchtet offenbar Repressalien.

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