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Bordellchef soll strenge Regeln mit Gewalt durchgesetzt haben

Der Hauptangeklagte, ein 38-jähriger Türke, habe die Prostituierten im Hotel Schloss Nidau im Kanton Bern eng kontrolliert und ihnen täglich einen Teil der Einnahmen abgenommen.

Menschenhandel, Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution: Am Montag begann der Prozess.
Menschenhandel, Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution: Am Montag begann der Prozess.
Keystone
Der Bieler Regierungsstatthalter schliesst im Mai 2011 nach einer Razzia das Hotel Schloss Nidau.
Der Bieler Regierungsstatthalter schliesst im Mai 2011 nach einer Razzia das Hotel Schloss Nidau.
Keystone
Zudem stiessen die Behörden bei der Razzia auf illegale Spielautomaten.
Zudem stiessen die Behörden bei der Razzia auf illegale Spielautomaten.
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Der Hauptangeklagte, ein 38-jähriger Türke, habe die Prostituierten im Hotel Schloss Nidau im Kanton Bern eng kontrolliert und ihnen täglich einen Teil der Einnahmen abgenommen. Dies sagte am Mittwoch eine der Frauen als Zeugin vor dem Regionalgericht in Biel aus.

Die Frau, eine Studentin aus Bulgarien, war im Sommer 2006 über Mittelsmänner nach Nidau bei Biel gekommen. Dass sie sich dort prostituieren sollte, sei ihr nicht bekannt gewesen, sagte die Zeugin am Mittwoch vor Gericht.

Sie sei lediglich informiert worden, dass sie einer Bar mit Männern etwas trinken solle und dabei Geld verdienen könne. In einer finanziellen Notlage habe sie sich nicht befunden, sagte die Zeugin.

Pro Woche ein freier Tag

Doch die junge Frau war in einem Bordell gelandet, dessen Betreiber den Prostituierten – die meisten von ihnen aus Bulgarien und Rumänien - strikte Vorschriften machte. Zwar hätten die Frauen «eigentlich» selber bestimmen können, ob sie mit einem Kunden aufs Zimmer gehen wollten, sagte die Zeugin.

Doch jede habe ab 17 Uhr in den Bars des Bordells bis Betriebsschluss präsent sein müssen. Als sie selber einmal krank gewesen sei, sei sie aus ihrem Zimmer geholt worden, um Kundschaft zu bedienen, sagte die Zeugin. Pro Woche habe es für die Frauen lediglich einen freien Tag gegeben.

Die Preise für die sexuellen Dienstleistungen seien vorgegeben gewesen, führte die Zeugin weiter aus. Den Frauen war es verboten, die Freier ausserhalb des Hotels Schloss treffen. Auch sei «dem Chef» immer zu Ohren gekommen, was die Frauen in ihrer Freizeit taten.

«Immer noch Angst vor ihm»

Wer sich nicht an die Regeln gehalten habe, sei bestraft worden, dabei sei auch Gewalt angewendet worden, sagte die Zeugin aus. Ihr selber habe der Bordellchef an den Kopf geschlagen, weil sie zusammen mit einer Kollegin und einem Mann in der Stadt Kaffee getrunken habe. Täglich hätten sämtliche Frauen frühmorgens nach Betriebsschluss beim Hauptangeklagten vorbeigehen müssen, um einen Teil der Einnahmen abzuliefern, so die Zeugin weiter. Sie selber wurde von den Bordellbetreibern später in eine andere Kontaktbar in den Kanton Schwyz gebracht - nicht freiwillig, wie sie dem Gericht sagte.

Die Befragung der Bulgarin fand in Abwesenheit des Hauptangeklagten statt, dies auf ihren Wunsch hin. «Er ist ein brutaler Mann, ich habe immer noch Angst vor ihm», sagte die Frau, die nach wie vor in der Schweiz lebt.

Bei dem Prozess vor dem Bieler Regionalgericht, der am Montag begonnen hat, müssen sich vier Türken im Alter zwischen 37 und 48 Jahren unter anderem wegen Menschenhandels, Förderung der Prostitution, Freiheitsberaubung, Nötigung, Körperverletzung und Drogenhandels verantworten.

Bordellchef bestreitet Vorwürfe

Der Hauptangeklagte, der frühere Bordellchef, bestreitet die Vorwürfe. Die Frauen seien freiwillig ins Hotel Schloss gekommen, er habe nur Zimmermiete verlangt, wenn sie tatsächlich auch Kunden bedient hätten. Und er habe niemanden an andere Etablissements ausgeliehen, sagte der türkische Familienvater am Montag dem Gericht.

Er habe den Frauen viel geholfen, versicherte der frühere Bordellchef bei seiner Befragung, und könne die Anschuldigungen nicht verstehen. Die Verhandlungen dauern zwei Wochen, das Urteil wird am 29. Mai bekanntgegeben.

SDA/js

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