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Bedingte Freiheitsstrafe für Ex-Spitaldirektor gefordert

Im Prozess gegen den Bieler Ex-Spitaldirektor Paul Knecht hat der Staatsanwalt eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten sowie eine Geldstrafe von 36'000 Franken gefordert. Knecht habe über Jahre Spesen und Überstunden unrechtmässig verrechnet.

Paul Knecht, der Ex-Spitaldirektor von Biel: Seine Spesenbezüge waren schon 1995 ein Thema.
Paul Knecht, der Ex-Spitaldirektor von Biel: Seine Spesenbezüge waren schon 1995 ein Thema.

Der Deliktsbetrag von 175'000 Franken sei im Vergleich zu anderen Fällen aus der Wirtschaft zwar eher klein, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag vor dem Regionalgericht Berner Jura - Seeland in Biel. Hier sei aber die besondere Stellung Knechts als ehemaliger Direktor einer wichtigen öffentlichen Institution zu berücksichtigen.

Gemäss der Anklage soll Knecht zum Beispiel im Jahr 2007 mehrmals private Essen als Arbeitszeit verrechnet haben. Dass es sich dabei um Networking gehandelt habe, sei eine Schutzbehauptung Knechts, sagte der Staatsanwalt. Denn die gesicherten Mails an eine Bekannte Knechts, mit der mehrere dieser umstrittenen Treffen stattgefunden hatten, würden eine andere Sprache sprechen.

Der Staatsanwalt warf Knecht vor, gewisse Spesen doppelt verrechnet und private Ausgaben als geschäftliche getarnt zu haben. Es sei zum Beispiel auch nicht nachzuvollziehen, weshalb sich Knecht zusätzlich zur generellen Pauschale auch noch die gefahrenen Autokilometer habe entschädigen lassen.

Fehlende Kontrolle?

Strafmildernd sei aber zu berücksichtigen, dass Knecht wegen der weitgehend fehlenden Kontrolle ziemlich freie Hand gehabt habe. Knecht habe damals das volle Vertrauen der Spitalkommission und danach des Verwaltungsrats genossen.

Die frühere Arbeitgeberin Knechts, die Spitalzentrum Biel AG, sieht allerdings keine Schuld bei sich selbst. Das Spital habe Knecht vertrauen dürfen, sagte der Anwalt des Spitalzentrums in seinem Plädoyer. Doch der frühere Spitaldirektor habe seine Macht missbraucht.

Knecht habe sich von Anfang an darüber beklagt, er müsse zu viel arbeiten und verdiene zu wenig, sagte der Anwalt des Spitals. Knecht habe sich durch seine eigene Spesen- und Überzeitwirtschaft bereichern wollen.

Der heute 65-jährige Knecht wehrt sich gegen die Vorwürfe. Nur in zwei vergleichsweise kleineren Fällen gab er zu, einen Irrtum begangen zu haben. Aus Versehen habe er einmal für einen Tag 26 Arbeitsstunden verrechnet. Und 1999 und 2000 gab er aus Versehen bei der Abrechnung der Autokilometer gewisse Spesen doppelt an. Die zahlreichen weiteren Vorwürfe streitet er aber ab.

Freispruch gefordert

Eine strafbare Handlung liege bei Knecht nicht vor, betonte die Anwältin des Ex-Spitaldirektors in ihrem Plädoyer. Und Fehler könnten allen passieren. Ansonsten würden die verrechneten Arbeitszeiten und Spesen stimmen.

Verschiedene Vorfälle liessen sich heute ohnehin nicht mehr genau überprüfen, sagte die Anwältin. Ihrem Mandanten habe man nämlich den Zugang zu Agenden und Archiven verwehrt. Angesichts der Zweifel über die Vorfälle der Vergangenheit verwies die Anwältin auf den juristischen Grundsatz «in dubio pro reo».

Knechts Anwältin forderte einen vollumfänglichen Freispruch für ihren Mandanten. Ausserdem habe Knecht Anspruch auf eine persönliche Entschädigung von 10'000 Franken und eine Genugtuung von 3000 Franken.

Die Anwältin verwies auf die Spuren, die das ganze bisherige Verfahren bei ihrem Mandanten hinterlassen habe. Die fristlose Entlassung, die Hausdurchsuchung durch die Polizei sowie die Vorverurteilung in den Medien hätten auf die Gesundheit, den Ruf und die wirtschaftliche Existenz Knechts geschlagen.

Knecht leitete das Spitalzentrum Biel seit 1991. Im Februar 2009 entliess ihn der Verwaltungsrat fristlos. Das Spitalzentrum verklagte ihn auf Schadenersatz. Knecht selber reichte vor dem Handelsgericht ebenfalls eine millionenschwere Klage ein.

SDA/jzu

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