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Schlechtes Zeugnis für Medien

Viele Medien kämpfen ums Überleben. Darunter leide ihre Qualität – und auch unsere Demokratie, finden Medienforscher.

Die Werbeeinnahmen sinken, Redaktoren werden entlassen, Gratismedien feiern einen Siegeszug: Die traditionelle Schweizer Publizistik befinde sich in einer tiefen Krise, warnte gestern der Soziologe Kurt Imhof an einer Medienkonferenz im Berner Casino. Qualitativ guter Journalismus könne deshalb nicht mehr garantiert werden. «Seit der Aufklärung und vor allem auch seit den Erfahrungen mit Totalitarismen wissen wir jedoch: Die Qualität der Demokratie hängt von der Qualität der öffentlichen Diskussion ab», betonte Imhof. Leichtes Spiel für Populisten Diese Diskussion hat sich stark verändert, wie das erstmals publizierte Jahrbuch «Qualität der Medien» festhält. Herausgegeben hat es der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) an der Uni Zürich. Imhof ist Mitautor. Die Untersuchungen zeigen: Viele Medien setzen vermehrt auf Emotionen statt auf rein sachbezogene Informationen. Bei der Wirtschaftsberichterstattung etwa stehen einzelne Manager im Fokus anstelle von komplexeren Problemen. Und statt längerfristige Prozesse zu erklären, konzentrieren sich viele Redaktoren darauf, Quartalsergebnisse zu kommentieren. Wieso ist dies nun eine Gefahr für die Demokratie? Die Autoren sagen: weil gesamtgesellschaftliche Probleme nicht zur Sprache kämen. Weil dadurch auch der Austausch zwischen den Sprachregionen fehle. Und vor allem, weil Populisten von der Boulevardisierung profitierten. Ein abschreckendes Beispiel dafür liefere Holland: Der Rechtspopulist Geert Wilders erhielt dank kräftigen Schlagworten sofort Aufmerksamkeit und stieg in die nationale Politik auf. Unterstützung nötig Die in den Augen der Wissenschaftler negativen Tendenzen zeigen sich am stärksten im Internet und bei den Pendlerzeitungen – jenen Gratismedien also, die in erster Linie junge Konsumenten nutzen. Lösungen präsentierten die Autoren keine. Höchstens Ansätze dazu. «Man muss die Medienkompetenz schon an den Schulen stärken», forderte Imhof. Denn nicht nur bei den Medienmachern brauche es ein stärkeres Qualitätsbewusstsein, sondern auch beim Publikum. Längerfristig jedoch, meinte Imhof, sei qualitativ guter Journalismus wohl auf öffentliche oder private Förderung angewiesen. Mirjam Comtesse •www.qualitaet-der-medien.ch>

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