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Wie zu Duttweilers Zeiten

In Wichtrach ist die Migros mit ihrem Voi-Laden nicht nur willkommen.

Unübersehbarer Protest: Das Transparent in Wichtrach.
Unübersehbarer Protest: Das Transparent in Wichtrach.
Leserreporter

Plötzlich hing das Transparent da, unübersehbar beim Parkplatz, auf dem die Kunden des frisch eröffneten Voi ihre Autos abstellten. «Jetz hange üsi Lädeli nume no amene dünne Fädeli», gab es all jenen zu verstehen, die im Kleinladen der Migros vorbeischauen wollten.

Weitere Transparente vervollständigten den Protest, den der oder die Unbekannte – oder war es eine Gruppe? – an den Mann und die Frau bringen wollte. «Hey Voi, bruchts oi?» stand hier, «Voi der s lokale Gwerb vernichte» hiess es da, wie sich Augenzeugen notiert haben. Irgendwo muss der Frust über die Migros ganz schön tief sitzen.

Grosse Aufregung

Die Debatte ist nicht neu im Dorf im Aaretal mit seinen 4300 Einwohnern, wo noch vor kurzem das grosse Lebensmittelsortiment fehlte. Schon vor fünf Jahren war die Aufregung gross, als plötzlich ruchbar wurde, dass mit Coop und Migros gleich beide Schweizer Grossverteiler ein Auge auf Wichtrach geworfen hatten. Welche Folgen das für die kleinen Läden haben würde, für den Beck, die Metzg oder die Chäsi um die Ecke?

Mittlerweile ist der Coop bereits seit dem Frühling offen, ohne dass sich jemand laut darüber beschwert hätte. Dass acht Monate später die Migros mit ihrem Voi nachgezogen hat, scheint nun aber das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. Zumal sich nun der Detailhandel vollends ins ehemalige Niederwichtrach verschoben hat und das alte Ladenzentrum rund um den Gasthof Kreuz in Oberwichtrach das Nachsehen hat.

Oder wirken im Aaretal noch immer alte Abwehrreflexe nach? Bis heute ist unvergessen, mit welchen Widerwärtigkeiten der Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler in seinen Anfangszeiten um 1930 zu kämpfen hatte. Das Problem waren nicht die Kunden, seine Produkte mit den günstigen Preisen fanden reissenden Absatz. Umso erbitterter leisteten dafür der Handel, die Produzenten und in ihrem Gefolge auch die Politik Widerstand. Seinen Höhepunkt erreichte dieser in einem gesetzlich verankerten Filialverbot, das vor allem die Expansion der Migros treffen sollte.

Die aktuellen Ereignisse in Wichtrach will die Migros nicht gross kommentieren. Sie sagt nur, dass sie um die Transparente wisse und diese sofort habe entfernen lassen. Weil bei der Aktion nichts kaputt gegangen sei, habe man auf eine Anzeige verzichtet.

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