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Seine Weihnacht leuchtet weit herum

Leser Beat Keist aus Ostermundigen begeistert sich für amerikanische Weihnachtsdekoration. Die ist üppig, leuchtet und blinkt. Seit zehn Jahren veranstaltet er in seinem Garten ein entsprechendes Spektakel und lockt damit Besucher an.

Sichtlich stolz: Beat Keist inmitten der Weihnachtsdeko in seinem Garten.
Sichtlich stolz: Beat Keist inmitten der Weihnachtsdeko in seinem Garten.
Susanne Keller
Viel Firlefanz: Das beleuchtete Haus am Flurweg in Ostermundigen ist nicht zu übersehen.
Viel Firlefanz: Das beleuchtete Haus am Flurweg in Ostermundigen ist nicht zu übersehen.
Susanne Keller
Tierisch: Seelöwe.
Tierisch: Seelöwe.
Susanne Keller
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Es ist 18 Uhr und wie zu dieser Jahreszeit gewohnt bereits stockdunkel. Nur das Haus am Flurweg 11 in Ostermundigen ist von weitem zu erkennen: Im Garten thront ein drei Meter hoher und beleuchteter Samichlaus. An der Hausfassade blinken Lichterketten, ein Projektor malt rote und blaue Schneesterne an die Wand. Lampen in Form von Rentieren und Geschenken stehen da.

Es ist das Daheim von Beat Keist, seiner Partnerin Renate Amacher-Fankhauser und den drei Kindern. Der 49-Jährige schwärmt für Weihnachtsdeko, besonders für Lichterketten, am liebsten sind ihm jene mit warmweissem Licht. «Sie wirken stimmig und festlich», sagt er. Das Festliche ist es, was ihm an der Weihnachtszeit gefällt, «das gemütliche Zusammensein mit der Familie, der glänzende Schmuck und eben die Lichterketten».

Video: Susanne Keller

Dabei träumt er sich nach Amerika, wo weihnächtliche Beleuchtungsdekorationen an den Häusern ganze Dörfer in Licht hüllen. «An so einem Ort würde ich gerne einmal die Festtage verbringen», sinniert Beat Keist, der als Logistiker arbeitet. Bis es so weit ist, stellt er in seinem Garten diese amerikanische Weihnachtsstimmung nach, und das geht nicht ohne US-Flagge. Bei Beat Keist ist sie aus Lichterketten, wobei ihm wichtig ist, dass Betrachter wissen, warum sie seine Hauswand ziert. Er verweist dazu auf einem Schild beim Eingang: «Die amerikanische Flagge steht nur für die typische US-Weihnachtsbeleuchtung und hat nichts mit meinen politischen oder sonstigen Ansichten zu tun.»

Zur Weihnachtsromantik aus Übersee gehört auch eine Modelleisenbahn. Eine Imitation aus dem amerikanischen Kinderfilm «Polarexpress», welcher übrigens auch zu Beat Keists Adventsprogramm gehört. Die kleine Bahn dreht ihre Runden über den Rasen hinter dem Haus. Passiert auf ihrer Fahrt ein Riesenrad, ein Bahnhofsgebäude und etliche in Lichterketten gehüllte Sträucher. Berieselt wird die Szenerie von leisen Klängen amerikanischer Weihnachtsklassiker, aus einer Lautsprecherbox im Garten. Die Bahnwagen transportieren rote Weihnachtskugeln, es ist das Werk des 9-jährigen Sohnes Noe, der sich wie sein Vater an diesem Firlefanz erfreut. «Weniger Freude daran haben die Töchter im Teenageralter», so Beat Keist. Er versteht es.

Einen Monat lang Vorarbeit

Seit zehn Jahren schmückt Beat Keist Hausfassade und Garten. Am Abend des 25. November betätigt er jeweils das erste Mal die Schalter. Seine Partnerin feiert dann Geburtstag, es ist ihr Geschenk. «Ich bin froh, und es macht es mir natürlich einfacher, dass sie Gefallen an meiner Schwärmerei findet», sagt Beat Keist.

Einen Monat vor dem Start holt er das Dekomaterial aus dem Keller. Entwirrt Lichterketten und beginnt mit der Installation. Teils wird er dabei von Bekannten unterstützt, etwa dann, wenn der zwei Meter lange Kunststoffsamichlaus in Liegepose auf das Dach der Pergola gehievt werden muss. Die Figur konnte er vor der Entsorgung retten, sie stammt aus dem Fundus eines Warenhauses. So erging es ihm mit den meisten seiner Dekoelemente.

Nachbarn machen mit

In Ostermundigen ist die Weihnachtsdeko von Beat Keist bekannt, ebenso die Betriebszeiten von 6 bis 8 und 17.30 bis 23.45 Uhr. Täglich kommen Besucher vorbei. Um zu überraschen, baut der Gestalter jedes Jahr neue Elemente ein: «Heuer habe ich die Hecke, welche um das Grundstück führt, in violettes Licht getaucht.» Und auch an diesem Abend stehen Bewunderer da. Eine ältere Frau bestaunt die Modellgondelbahn, deren Seile zwischen Rasen und Hauswand gespannt sind.

Ein Grossvater erklärt seinen Enkelkindern, dass die roten Pakete mit Schleife und Coca-Cola-Schriftzug nur zur Dekoration neben der Haustür aufgetürmt sind. Beat Keist nickt den Besuchern mit einem Lächeln zu. Stolz, dass seine Installationen Beachtung finden. «Was gibt es Schöneres als das Leuchten in den Augen der Kinder», bemerkt er. Das ist auch sein Argument gegenüber jenen, welche ihm vorwerfen, er verbrauche zu viel Strom. Beat Keist vergleicht mit einer Tiefkühltruhe, deren Tür pro Tag während zehn Minuten offen steht.

Wobei negative Reaktionen von Beginn an sehr selten seien, auch nicht aus der Nachbarschaft, wie er betont. Im Gegenteil: Sein Vermieter, welcher das angrenzende Haus bewohnt, zieht mit und dekoriert ebenfalls, und auch auf dem Grundstück gegenüber blinken Lichter. Das ist ganz im Sinne von Beat Keist: «Ich wünschte mir, dass das ganze Quartier mitmacht.» Und das auch bei seinem Projekt mit der fünfzehn Meter hohen Rottanne neben dem Haus. Sie trägt eine Lichterkette, die nicht mehr funktioniert und die ersetzt werden sollte. «Dazu benötigt es eine Hebebühne. Die Kosten dafür kann ich finanziell nicht allein tragen.»

Licht aus an Silvester

Ist Weihnachten vorbei, dann erlischt auch für Beat Keist die Begeisterung am Festtagszauber. Spätestens ab Silvester bleibt sein Garten dunkel. «Irgendwann ist es dann genug», sagt er. Doch länger als bis Juli hält er es nicht ohne seine US-Christmas aus. Dann beginnt er, sich mit der Deko für die kommende Saison zu befassen. Lässt sich im Internet von Bildern aus den USA inspirieren. «Und wenn mir dann drei Monate später die Ersten kopfschüttelnd erzählen, dass in den Läden bereits Weihnachtsdeko erhältlich ist, dann bekomme ich Stress», sagt er und lacht.

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