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Linke mobilisieren gegen Bärenpark

Links-grüne Parteien sammeln Unterschriften gegen den Ausbau des Bärenparks. Und auch Bern Welcome äussert sich kritisch über die Pläne.

Die Idee, dass im Bärenpark wie vor zehn Jahren wieder Junge leben, stösst auf Kritik.
Die Idee, dass im Bärenpark wie vor zehn Jahren wieder Junge leben, stösst auf Kritik.
Christian Pfander

Mitte Oktober präsentierten die Bärenpark-Verantwortlichen ihre Ausbaupläne. Sie wollen den Bärenpark in der Berner Innenstadt vergrössern und neue Gehege im Gantrisch bauen. So könnte Bern wieder Jungbären züchten und mit ihnen Touristen anlocken. Doch jetzt formiert sich politischer Widerstand.

«Nein zum Bärenpark-Wahnsinn», heisst es in einer Petition, die das Grüne Bündnis, die Alternative Linke und die Junge Alternative lanciert haben und für die sie online Unterschriften sammeln. Die Kritikpunkte der links-grünen Stadtparteien: Das Projekt entspreche keinem Bedürfnis der Bevölkerung, sei aus tierethischer Sicht problematisch und finanziell riskant.

Bern Welcome nicht im Boot

Ein weiterer Kritikpunkt: Das Projekt passe nicht zur Strategie von Bern Welcome, die einen «nachhaltigen, innovativen und authentischen» Tourismus fördern wolle. «Jungbärli zu begaffen und wieder in den Car einzusteigen gehört nicht dazu», schreiben die Absender der Petition in ihrer Mitteilung.

Brisanterweise sieht das Bern Welcome ähnlich – soweit die Organisation die neusten Bärenparkpläne überhaupt beurteilen kann. Selbst deren Führungsriege kennt das Projekt nämlich erst aus den Medien. «Wir sind bisher nicht einbezogen worden», sagt Sven Gubler, interimistischer Chef von Bern Welcome. Wie fest ihn das geärgert hat, will er nicht kommentieren. «Ich gehe davon aus, dass alle Anspruchsgruppen involviert werden, sobald die Pläne konkreter sind», sagt er. «Bisher ist das Ganze eine Vision der Tierparkkommission. Es ist legitim, dass diese einmal präsentiert wurde.»

«Das Projekt birgt die Gefahr von Hotspot-Hopping. Das wäre nicht das, was uns in Bern vorschwebt.»

Sven Gubler, interimistischer CEOBern Welcome

Inhaltlich bewertet Gubler die Ausbaupläne aber ebenfalls kritisch. Mit jungen Bären Touristen anzulocken, berge die Gefahr von «Hotspot-Hopping»: Hinfahren, Foto machen, und weg. «Das wäre nicht das, was uns in Bern vorschwebt, und es ist auch nicht das, was in unserer Strategie steht», sagt er. Über die Zukunft des Bärenparks, aber auch über jene der angrenzenden unteren Altstadt und des Rosengartens, müsse eine breite Diskussion stattfinden, fordert Gubler.

Positiver äussert er sich dazu, was der Ausbau für die Gantrisch-Region bedeuten könnte, die ebenfalls zur Destination Bern gehört und von Bern Welcome mitvermarktet wird. «Für den Gantrisch könnte das Projekt befruchtend sein und dazu führen, dass die Besucherinnen und Besucher ihren Aufenthalt in der Gegend verlängern.»

Offene Fragen

Die SP teile die Forderungen der Petition, sagt Stadtrat Michael Sutter. Die SP-Juso-Fraktion werde eine Interpellation zum Thema Bärenpark einreichen. Denn: «Viele Fragen sind offen.» Zum Beispiel wie teuer das Projekt sei und wer es bezahlen solle. Sutter bezweifelt, dass es genügend private Geldgeber geben wird. Zudem wecke das Vorhaben Erinnerungen an den Bau des Bärenparks am Aarehang. Ursprünglich waren dafür 7 Millionen Franken veranschlagt – am Schluss kostete der Bau das Dreifache.

Auch Sutter kritisiert, dass mit den jungen Bären lediglich Touristen angezogen werden sollen – um die Tiere nach einem halben Jahr in den Wald im Gantrisch abzuschieben. Er vermutet, dass es beim Projekt auch um Wahlkampf geht: «Die Bären sollen dem federführenden Gemeinderat Reto Nause bei seiner Wiederwahl helfen.»

Das sei Nonsens, sagt Gemeinderat Nause. Auch die Bedenken gegenüber dem Projekt könne er nicht nachvollziehen. Und er ist sich sicher: «Die Berner Bevölkerung steht hinter dem Vorhaben.» In den potenziellen Standortgemeinden im Gantrischgebiet führten die Verantwortlichen des Projekts Info-Veranstaltungen durch. Dabei äusserten sich zahlreiche Anwesende kritisch.

In Bern gab es bisher keine Info-Veranstaltung. «Das liegt daran, dass wir aktuell nicht mehr sagen können, als in den Medien bereits gesagt wird», so Nause. Konkrete Angaben, auch zu den effektiven Kosten, könne der Gemeinderat erst machen, wenn das Vorprojekt vorliege, so Nause. Nur so viel: Neue Tieranlagen finanziert der Tierpark mit Drittmitteln. So sieht es das Tierparkreglement vor. Bei Kosten bis 2,5 Millionen Franken hat der Gemeinderat das letzte Wort. Kredite bis 7 Millionen Franken kommen in den Stadtrat, höhere Kredite vors Stimmvolk.

Zur Petition: www.gbbern.ch/petition

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