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Fahrende gegen Fahrende vor der Wileroltigen-Abstimmung

Ein Werbeauftritt für den umstrittenen Transitplatz in Wileroltigen entzweit die Schweizer Fahrenden.

Stephan Künzi
Der Transitplatz in Wileroltigen spaltet nun sogar die Fahrenden.
Der Transitplatz in Wileroltigen spaltet nun sogar die Fahrenden.
Nicole Philipp

Die Zahlen der Tamedia-Umfrage haben die Befürworter des Transitplatzes bei Wileroltigen alarmiert. Mit 57 Prozent behielten die Gegner letzte Woche auch in der dritten Runde klar die Oberhand. Nur 38 Prozent sprachen sich für die 3,3 Millionen Franken aus, mit denen der umstrittene Halteort für ausländische Fahrende am Autobahnrastplatz gebaut werden soll.

Kein Wunder, versucht das Ja-Lager kurz vor dem Urnengang vom Wochenende das Ruder herumzureissen. Ein Medientermin am Mittwoch soll zum Sinneswandel beitragen: Schweizer Jenische und Sinti organisieren einen Spontanhalt auf dem Bundesplatz in Bern, werden also mit einem Wohnwagen vor dem Bundeshaus vorfahren und dort ihre Argumente für das Projekt in Wileroltigen vortragen. Sollten die Behörden den Halt nicht bewilligen, wollen sie eine andere freie Fläche in der Stadt ansteuern.

Enttäuscht von Polizei

Nur, die von Vertretern des Vereins Sinti Schweiz, der Radgenossenschaft der Landstrasse und des Vereins «Schäft qwant» getragene Aktion wird nicht von allen Fahrenden goutiert. Auf ein schlechtes Echo stösst sie insbesondere beim Verband Sinti und Roma Schweiz, einer weiteren Lobbyorganisation: Er denke über eine Gegenveranstaltung nach, erklärte am Montag Präsident Andreas Geringer auf Nachfrage.

Geringer macht schon seit längerem kein Geheimnis daraus, dass er den Transitplatz ablehnt. Erstmals sprach er darüber vor gut drei Monaten in dieser Zeitung, und mittlerweile ist klar, dass er den Vorstand hinter sich hat. Erneut wurde am Montag deutlich, dass hinter dieser Meinung eine gehörige Portion Frust steckt: Er könne einfach nicht verstehen, dass Polizei und Behörden die ausländischen Fahrenden derart gewähren liessen, führte er aus. Dass wenig bis nichts geschehe, wenn sich eine Sippe nicht an die Regeln halte und sich gar monatelang an einem Ort festsetze, wo es doch zum Wesen eines Transitplatzes gehöre, dass man nach sieben Tagen weiterziehe.

Polizei und Behörden wagten nicht, etwas gegen die Fehlbaren zu unternehmen, begründete Geringer sein Nein weiter. Sie nähmen Reibereien mit den Ansässigen in Kauf und schadeten so letztlich ihm und allen anderen Schweizer Fahrenden.

Angst vor Vorurteilen

Ganz andere Botschaften werden am Medientermin vom Mittwoch zu hören sein. Man spüre im Abstimmungskampf, «wie sich die hochgekochten Vorurteile gegen ausländische Fahrende auch gegen uns richten», schreiben die Organisatoren des Spontanhalts zu ihrem Einsatz für ein Ja. Sollte der Transitplatz abgelehnt werden, befürchten sie «ganz konkret eine weitere Verschärfung der Konflikte, sowohl im Zusammenleben von Minderheiten als auch in der Gesamtgesellschaft».

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In Wileroltigen soll für 3,3 Millionen Franken ein Transitplatz für ausländische Fahrende entstehen. Das Berner Stimmvolk stimmt am 9. Februar über diesen Kredit ab. Nicht nur in Wileroltigen kochen die Emotionen hoch. Warum ist das so? In der neusten Episode des BZ-Podcasts «Rede wi druckt» gehen wir dieser Frage zusammen mit Stephan Künzi, Leiter des Ressorts Region Bern, nach.

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