Gümligens Turm misst nur 60 Meter

Muri

Im Verlgeich mit dem Projekt in der Stadt Bern muten die Hochhauspläne in Gümligen geradezu bescheiden an: Muri will lediglich 60 Meter in die Höhe bauen.

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Stephan Künzi

Wie hoch? Eine gewisse Spannung lag in der Luft, als Behörden und Investoren am Dienstagmorgen in Gümligen vor die Medien traten. Tags zuvor war bekannt geworden, dass in Ausserholligen in der Stadt Bern bis in ein paar Jahren drei neue Hochhäuser von 60, 90 und 110 Metern in die Höhe gezogen werden sollen. Jetzt sollten die Dimensionen bekannt werden, die der ebenfalls schon länger diskutierte Turm gleich neben dem Bahnhof Gümligen annehmen soll. Die Frage war rasch beantwortet: Er wird 60 Meter messen – und damit auf dem lang gezogenen Sockelgeschoss über 18 weitere Etagen in die Höhe ragen.

«Wir planen also keinen Angriff auf das Berner Münster», stellte Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP) lapidar fest. Und griff damit die Debatte auf, die am Montag durch die Hochhauspläne in Bern-West losgetreten worden war: Dass das Gebäudetrio bis zu 110 Meter hoch und damit 10 Meter höher als das Münster werden soll, hatte weitherum zu reden gegeben. Wo doch bislang das ungeschriebene Gesetz galt, dass kein anderes Haus in der Region den Turm des Kirchenbaus überragen dürfe, der die Silhouette der Berner Altstadt derart prägt.

Für kleinere Haushalte

In Gümligen gehört das geplante Hochhaus zu den ersten Bausteinen, mit denen die Gemeinde Muri in unmittelbarer Nähe ihres Bahnhofs ein neues Zentrum schaffen will. Es kommt in die südöstliche Ecke eines grösseren Areals zu stehen, das als Lischenmoos bekannt ist. Garagen und Lagerplätze prägen hier vor allem in der nordwestlichen Hälfte das Bild, was die Behörden schon vor Jahren zur Überzeugung kommen liess: Dieses Gebiet lässt sich ideal nach innen verdichten, also ideal mit neuem Wohnraum überbauen, ohne dass weiteres Kulturland geopfert werden muss.

Das Hochhaus macht den Anfang. Es soll in den Obergeschossen rund 90 eher kleine Wohnungen bieten, die sich mit ihren 2½ bis 3½ Zimmern vor allem für Alleinstehende und Paare ohne Kinder eignen. Seine Lage direkt am südlichen Ausgang der Bahnhofunterführung dürfte für Pendler interessant sein, die von ihrer Wohnung aus rasch auf dem Perron sind und von dort aus mit der S-Bahn bequem zur Arbeit fahren können.

Das lang gezogene Sockelgeschoss wird entlang der Worbstrasse Raum für Läden, Restaurants und weitere Dienstleistungsbetriebe bieten und neben dem Hochhaus einen zweiten Aufbau mit nur noch drei weiteren Etagen tragen. Hanke zeigte sich überzeugt, dass sich diese Flächen vermieten lassen. Auch wenn Detailhandel wie Gastronomie zurzeit arg unter Druck sind – zu gut sei die Lage direkt am Pendlerstrom, so Hanke.

Mit seinem dreieckigen Grundriss nimmt der neue Komplex die Lage der zwei Nachbarliegenschaften auf. Nahtlos schliesst er also an das ehemalige Ascom-Gebäude wie an den Verwaltungsbau der Grossbank Credit Suisse an, die beide jüngeren Datums sind und deshalb auf längere Sicht auf dem Lischenmoos stehen bleiben.

«Wir planen keinen Angriff auf das Berner Münster.»Thomas Hanke, Gemeindepräsident von Muri

Als Investorin tritt das Immobilienunternehmen HRS Real Estate auf, dem ein Teil des Areals bereits gehört. Den anderen wird ihm die Gemeinde Muri verkaufen, sobald dem Vorhaben planungsrechtlich nichts mehr entgegensteht. Vereinbart ist ein Preis von mindestens 2,5 Millionen Franken, wobei sich dieser bei einer besseren Ausnützung noch erhöhen kann. So hat es das Parlament im letzten Februar beschlossen.

Für grössere Familien

HRS besitzt noch eine Parzelle auf dem Lischenmoos, und auch dafür wurden die Pläne vorgestellt. Sie folgt an der Worbstrasse auf das ehemalige Ascom-Gebäude und ist das Areal, auf dem die sogenannte Fabrikantenvilla steht. Diese wird nun durch ein grösseres Gebäude mit sechs und ein kleineres mit vier Stöcken ergänzt und bietet insgesamt 45 Wohnungen. Mit ihren grosszügigen Grundrissen und ihren vergleichsweise moderaten Mieten soll diese Siedlung in erster Linie Familien anziehen.

Im Spätherbst wird Muri an der Urne über diese Pläne abstimmen. Sagen die Stimmberechtigten Ja, hofft HRS, bereits in zwei Jahren mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Hochhaus wie Familiensiedlung ­wären dann zwei Jahre später fertig. Wie es dann auf dem Lischenmoos weitergeht, ist noch offen. Bekannt ist, dass im angrenzenden westlichen Teil nicht alle Grundeigentümer einer Neuüberbauung Platz machen wollen. Er hoffe, so Hanke, dass die HRS-Bauten ihre Wirkung nicht verfehlten – und für eine neue Dynamik im Gebiet sorgten.

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