Zum Hauptinhalt springen

Reaktoren geraten ausser Kontrolle

japanSie haben ein schweres Erdbeben und einen Tsunami überlebt. Nun fürchten die Menschen im Norden Japans eine unsichtbare Gefahr: die radioaktive Strahlung.

Im Kampf gegen den atomaren GAU drohen die japanischen Atommeiler ganz ausser Kontrolle zu geraten. Eine Explosion beschädigte gestern erstmals den innernen Schutzmantel eines Reaktors in der Anlage Fukushima 1. Der AKW-Betreiber Tepco sprach von einer «sehr schlimmen» Lage und warnte vor Kernschmelzen. Mittlerweile hat es in vier der sechs Blöcke Explosionen gegeben. Nach Angaben der Regierung ist in drei der vier betroffenen Reaktorblöcke eine Kernschmelze möglich. Die Anwohner im Umkreis von 30 Kilometern um Fukushima wurden aufgefordert, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Evakuiert werden soll laut Ministerpräsident Naoto Kan ein Umkreis von 20 Kilometern um Fukushima 1 und 10 Kilometer um Fukushima 2. In Tokio war die Radioaktivität nach Angaben der Behörden nur leicht erhöht. Ein Risiko für die 39 Millionen Menschen in dem Grossraum bestehe nicht, hiess es. Der Wind, der zunächst Richtung Hauptstadt geweht hatte, drehte später wieder Richtung Pazifik. Damit sank die Gefahr wieder, das giftige Partikel über bewohnten Gebieten niedergehen. Die offizielle Zahl der Toten stand gestern bei 2722, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Polizei meldete. Die Behörden fürchten aber, dass mindestens 10000 Menschen ihr Leben verloren haben, weil Tausende weiter vermisst werden. Gestern erschütterten zwei schwere Nachbeben der Stärke 6,3 und 6 das Land. Nach Angaben des japanischen Aussenministeriums haben bislang 102 Länder Japan Hilfe bei der Bewältigung der Katastrophe und ihren Folgen angeboten, darunter sogar Afghanistan. Das Schweizer Such- und Abklärungsteam begann gestern mit seiner Sucharbeit. Es steht mit 23 Spezialisten und 9 Suchhunden rund 100 Kilometer nördlich des besonders betroffenen Stadt Sendai im Einsatz. Die zunehmende radioaktive Strahlung in Japan treibt auch immer mehr Ausländer in die Flucht. Der Schweizer Botschafter Urs Bucher und sein Team wird aber in Tokio bleiben. Er und seine Mitarbeiter hätten eine Aufgabe zu erfüllen und diese werde die Botschaft auch künftig wahrnehmen, sagte er in einem Interview mit dem Internetportal Swissinfo. «Wir konnten bisher glücklicherweise feststellen, dass keine schweizerischen Opfer zu beklagen sind», sagte Bucher, der seit Sommer 2010 in Tokio arbeitet. Hamsterkäufe aus Angst Die Eskalation der Atomkrise hat gestern in der Hauptstadt Tokio teilweise panikartige Reaktionen ausgelöst. Bewohner deckten sich mit Überlebens-Utensilien und Lebensmitteln ein. Wie ein Reuters-Reporter berichtete, waren in einem grossen Supermarkt mit mehreren Etagen unter anderem Radios, Taschenlampen, Kerzen und Schlafsäcke ausverkauft. Die japanische Regierung forderte die Bevölkerung des Landes auf, keine Hamsterkäufe zu tätigen. Sollten sich die Menschen mit grossen Vorräten an Grundnahrungsmitteln eindecken, könne dies die Versorgung der Menschen in dem von der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe betroffenen Gebiet gefährden, sagte Konsumministerin Renho. Unterdessen beschlossen die EU-Staaten, Stresstests für alle Atomkraftwerke in der EU durchführen. Dies wird auf freiwilliger Basis stattfinden, wie EU-Energiekommissar Günther Oettinger rklärte. Nachbarländer wie die Schweiz sind eingeladen, bei Tests und der Ausarbeitung der Kriterien mitzuwirken.sda>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch