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Polit-Theater in der Turnhalle

grossaffoltern125 Einwohner besuchten am

Volle Turnhalle an der Gemeindeversammlung in Grossaffoltern. Die Traktanden eins bis sieben sind rasch abgehandelt: Die Jahresrechnung oder auch der Datenschutz sorgen kaum für Diskussionen. Bei den Abstimmungen ragen die Hände der 125 Anwesenden in die Höhe. Bei Traktandum acht bleiben die Hände unten – dafür erheben sich die Stimmen. Die Anwesenden scheinen auf dieses Geschäft gewartet zu haben, denn es birgt im Gegensatz zu den anderen Zündstoff: Es geht darum, dass eine Arbeitsgruppe die Schulstandorte in Grossaffoltern überprüfen soll. In diesem Zusammenhang uferte eine ungeklärte Angelegenheit zwischen Gemeindepräsident Niklaus Marti (BDP) und Ex-Lehrer Adrian Bhend zum Hahnenkampf aus. Der Ursprung liegt in einem im Anzeiger publizierten Brief von Bhend, in welchem er den Gemeindepräsidenten frontal angreift. Undemokratisches Handeln, Machenschaften und weitere happige Vorwürfe richten sich gegen Marti, weil dieser Bhends Antrag zur Überprüfung der Schulstrukturen nicht nach dessen Gusto umgesetzt hat (wir berichteten). «Das ist ein Affront» Niklaus Marti wehrt sich an der Gemeindeversammlung vehement gegen Bhends Vorwürfe. «Das ist eine Beleidigung, ein Misstrauensvotum gegenüber der Schulkommission.» Dass er in einem offenen Brief derart angegriffen werde, sei sehr schwierig für ihn, sagt Schulkommissionspräsident Marti. Die rechtliche Lage sei von der Erziehungsdirektion abgeklärt worden. Ein als erheblich erklärter Antrag werde wie eine Initiative behandelt und geprüft. In diesem Fall mit dem Fazit, dass die strategische Ausrichtung der Schule Sache der Schulkommission sei. «Diese gesetzlichen Vorgaben können wir nicht umgehen.» Dass Bhend den Brief publiziert hat, obwohl Marti ihm anbot, das Geschäft in Form einer Petition zu überprüfen, bezeichnet Niklaus Marti als «Affront.» Bhend seinerseits holte an diesem Abend nochmals richtig aus. Er blieb bei seinem Standpunkt, dass der Gemeindepräsident undemokratisch gehandelt habe. «Marti versucht mit falschen Argumenten, die Leute zum Schweigen zu bringen», so Bhend. Er würde die Anliegen der Bürger ins Leere laufen lassen. Die Luft in der Turnhalle wird dicker und die Gemeindeversammlung zum Schauplatz eines Streits, dessen Wurzeln plötzlich niemand mehr zu kennen scheint. «Bin ich hier im falschen Film?», fragt ein Anwesender. Ein anderer spricht Niklaus Marti sein Vertrauen aus und beteuert, dass dieser alles richtig gemacht habe. «Das war keine One-Man-Show», sagt der Bürger, «es wurde im Gremium entschieden, wie mit diesem Antrag umzugehen ist.» Es sei jetzt an der Zeit, einen Schlussstrich unter dieses «Gstürm» zu ziehen. Der Redner erntet Applaus. Aufruf zum Protest Von einem Schlussstrich will Adrian Bhend nichts wissen. Die «persönliche Abrechnung» (so munkelt man in der Turnhalle) mit dem Gemeindepräsidenten gipfelt im Antrag auf eine konsultative Abstimmung. Die Anwesenden sollten ihre Meinung kundtun. Da dies aber rechtlich nicht möglich ist, geht Bhend in die Offensive: «Alle, die gegen dieses Geschäft und den politischen Führungsstil des Präsidenten sind, sollen auf den Apéro verzichten und die Versammlung unter Protest verlassen.» Bhend packt seine Mappe und geht. Es folgt ihm ein halbes Dutzend Anhänger. Drinnen stellt sich ein weiterer Redner auf die Seite des Gemeindepräsidenten und erntet ebenfalls Applaus. Niklaus Marti versichert, dass das Thema Schulstruktur nicht vom Tisch ist. «Die Schulkommission wird sich zusammen mit dem Elternrat nochmals damit befassen und zuhanden einer künftigen Gemeindeversammlung eine Erklärung abgeben.» Simone Lippuner >

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