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Orient-Rallye wird zur Odyssee

zollikofenZiel war die Jordanische Wüste. Doch keines der 111 Teams, die zur Allgäu-Orient-Rallye aufbrachen, kam dort an. Wegen der Unruhen

Nichts war wie in den Jahren zuvor an der 6.Allgäu-Orient-Rallye. Diese startete Ende April im deutschen Oberstaufen in Richtung Jordanien (wir berichteten). Überrascht von den politischen Unruhen in Syrien, versuchten die 666 Teilnehmer des Low-Budget-Rennens dennoch alles, um ans Ziel zu kommen. «Die ganze Fahrt über von Oberstaufen nach Istanbul und weiter bis in die Osttürkei war das Wetter sehr schlecht», erzählt Martin Bloch aus Zollikofen. Er nahm mit dem Team Swiss Desert Cows am Rennen teil. Zuerst regnete es, und in den höheren Lagen kam dann sogar noch Schnee dazu. «Das war im Nachhinein gesehen aber sicher das kleinere Übel», so Bloch. Schon bald wurde klar, dass wegen der eskalierenden Lage in Syrien die Durchfahrt unmöglich geworden war. «Die Rennleitung reagierte schnell und organisierte eine Fährfahrt von der Türkei nach Nordzypern.» Von dort sollte es weitergehen nach Israel, um so Syrien zu umschiffen. Doch dann kam die Meldung, dass Israel den Rallyeteilnehmern mit ihren 333 Autos die Einreise nicht erlaube. Der Drang, die unerwartete Herausforderung zu meistern und ans Ziel zu gelangen, war bei den Teilnehmern jedoch gross. «Es gab ja noch eine Alternative.» Statt Israel sollte jetzt Ägypten angesteuert werden. Also wurden die Autos unter schier endlosen Formalitäten auf die drei angeheuerten Fährschiffe verladen. 80 Stunden auf dem Meer Nach einem Zwischenhalt in Zypern ging es dann richtig los. «Die Überfahrt sollte 24 Stunden dauern», erzählt Bloch. Doch eines der Schiffe kam nur langsam vorwärts. Erst nach 40 Stunden näherten sich die Schiffe der ägyptischen Küste. «Wir freuten uns schon auf die Fahrt über die Sinai-Halbinsel.» Doch es kam anders: «Nach stundenlangem Warten erfuhren wir, dass Ägypten die zugesagte Einreiseerlaubnis doch nicht gewähre.» Grund: Wegen religiöser Unruhen sei die Lage im Land zu unsicher. «Wir waren vor den Kopf gestossen», erzählt Bloch. Nach zwei Tagen auf See ohne ausreichende Nahrung, ohne Duschen und ohne guten Schlaf mussten die Schiffsreisenden umkehren. «Die Stimmung war am Boden», so Bloch. Doch nun galt es durchzuhalten. Nach über 80 Stunden unfreiwilliger Mittelmeerrundfahrt fanden sich alle Rallyeteilnehmer an der türkischen Küste wieder. Die ursprüngliche Idee, die Autos in Jordanien zu verkaufen und den Erlös einem Hilfswerk zu spenden, mussten die Männer aufgeben. «Wir entschieden uns, mit zwei Autos zurück in die Schweiz zu fahren», so Bloch. Dies auch, um der ganzen Tour noch ein positives Ende zu geben. Das dritte Auto schenkten sie dem türkischen Zoll. «Auch die Nähmaschine und die Spielsachen, welche wir für ein Hilfsprojekt in Syrien dabeihatten, liessen wir in der Türkei.» Martin Bloch bereut seine Reise nicht. «Wir wussten alle, dass es ein Abenteuer werden würde, aber wir hatten es uns schon etwas anders vorgestellt.» Immerhin, von technischen Pannen an den drei Klapperkisten ist sein Team auf immerhin 8000 Kilometern verschont geblieben. «Wir hatten nicht einmal einen Platten.» Tobias Veitinger>

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