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Zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt

48 Stunden gemeinnützige Arbeit als Verbindungsstrafe: Ein junger Mann aus Afghanistan hielt sich während sechs Monaten illegal in der Schweiz auf.

Das Regionalgericht Thun Oberland verurteilte den jungen Mann dann zu 192 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf Bewährung und zu 48 Stunden unbedingter gemeinnütziger Arbeit als Verbindungsstrafe.
Das Regionalgericht Thun Oberland verurteilte den jungen Mann dann zu 192 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf Bewährung und zu 48 Stunden unbedingter gemeinnütziger Arbeit als Verbindungsstrafe.
Marc Imboden

Mit 19 Jahren kam er in die Schweiz, in die Schule ist er in Afghanistan nie gegangen. Gut vier Jahre später spricht er erstaunlich gut Deutsch, besucht ein schulisches Brückenangebot im Berner Oberland, erhält Nothilfe und lebt in einem Heim. Und am Mittwoch nun stand der 22-jährige Mann in Thun vor Gericht, weil er sich 2016 und 2017 in der Schweiz aufhielt, obschon er im Oktober 2015 rechtskräftig weggewiesen worden war.

Allerdings lief damals noch ein Asylbeschwerdeverfahren, weil bei der Wegweisung anscheinend unklar war, ob er aus Pakistan oder Afghanistan stammte. Am Mittwoch konnte der Mann dem Gericht eine provisorische Aufenthaltserlaubnis für die Schweiz vorlegen. Gerichtspräsident Jürg Santschi erklärte, dass er nicht das Asylverfahren, sondern lediglich den illegalen Aufenthalt während der Zeit von Juli 2016 bis März 2017 zu beurteilen hat, für den der Mann von der Staatsanwaltschaft Berner Oberland zwei zeitlich gestaffelte Strafbefehle erhalten hat.

Doch noch unterschrieben

Darin wurden bedingte Geldstrafen und Verbindungsbussen von je 200 Franken sowie Gebühren von 500 Franken ausgesprochen. Da der Mann aktuell von Nothilfe lebt, wäre dies ein nicht zu bewältigender Schuldenberg gewesen. Seine Rechtsvertretung – die unentgeltlich ist – hatte für den Fall, dass eine Verurteilung erfolgt, den Antrag auf Bestrafung durch gemeinnützige Arbeit gestellt.

Der junge Mann beteuerte bei seiner Befragung, dass er in der Schweiz nie etwas Unrechtes getan hat.

Der junge Mann beteuerte bei seiner Befragung, dass er in der Schweiz nie etwas Unrechtes getan hat. Er zögerte zuerst, das Papier mit den Bedingungen für gemeinnützige Arbeit zu unterschreiben. Man spürte, wie sehr er sich davor fürchtete, etwas zu unterschreiben, bei dem ihm die Konsequenzen nicht so ganz klar waren. Die Unterschrift war aber nötig, damit der Richter gemeinnützige Arbeit als Strafe verfügen kann. Jürg Santschi sorgte unbürokratisch dafür, dass der Mann telefonisch mit seinem Rechtsvertreter sprechen konnte, worauf er unterschrieb.

Das Gericht verurteilte den jungen Mann dann zu 192 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf Bewährung und zu 48 Stunden unbedingter gemeinnütziger Arbeit als Verbindungsstrafe. Die Verfahrenskosten wurden ihm zwar auferlegt, aber er wurde von ihnen befreit. Jürg Santschi zerstreute zudem die Befürchtung des jungen Mannes, dass die Strafe seine schulische Ausbildung beeinträchtigen könnte.

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