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Wie ein Reutiger zum Papst kam

Er war Musiker, Lehrer, Politiker und Ortskorrespondent für diese Zeitung. Eine Ausstellung in Reutigen erinnert an Armin Baur, der beim Papst eine Privataudienz erhielt und heuer 100 Jahre alt geworden wäre.

Ein beeindruckende Begegnung: Armin Baur und Gattin Anna bei Papst Johannes Paul II.
Ein beeindruckende Begegnung: Armin Baur und Gattin Anna bei Papst Johannes Paul II.

«Er sitzt am Klavier und komponiert. Dann bittet er eines seiner Kinder, eine bestimmte Tonfolge auf seinem Blasinstrument zu spielen.» So antwortet Hans-Jörg Baur auf die Frage, welches Bild als Erstes vor seinem inneren Auge erscheine, wenn er an seinen Vater denke. «Er war keineswegs abgehoben, sondern ein Mann des Volkes, ohne jede Überheblichkeit», schiebt er nach.

Armin Baur, der 1919 geborene Sohn des Bäckers und Reutiger Dorfmusikdirigenten Theodor Baur, fiel schon als Kind durch seine aussergewöhnliche Musikalität auf. Sein Grossvater lehrte ihn Trompete spielen, und ab dem fünften Schuljahr erhielt er Violinunterricht. Im Lehrerseminar kamen Klavier und Orgel hinzu. Was lag näher, als danach Berufsgeiger zu werden, zumal es damals weit mehr Lehrer als Stellen gab?

Doch der Zweite Weltkrieg machte Baur einen Strich durch die Rechnung: Die Rekrutenschule absolvierte er als Militärtrompeter, darauf folgten mehr als 800 Tage im Aktivdienst, während dessen er ein Militärspiel führte und mit seinen Leuten auch mal einen Bunker bauen musste. «Es war wohl ein Glück, dass er nicht Berufsgeiger werden konnte», sagte Hans-Jörg Baur, «denn später verkürzten sich die Sehnen an seinen Ring- und kleinen Fingern derart stark, dass er seinen Traumberuf hätte aufgeben müssen.»

Was seiner Liebe zur Musik freilich keinen Abbruch tat. Von 1940 bis 1954 war Armin Baur Regimentsspielführer im Berner Stadtregiment, nachher Spielführer Inf Rgt 80, heisst es auf der Website Schweizermarsch.ch.

In Horben die Liebe gefunden

Seine erste Anstellung als Lehrer erhielt Baur 1943 in der Gesamtschule Horben im Diemtigtal, wo er eine Klasse mit mehr als 50 Kindern unterrichtete. In Horben lernte er auch seine spätere Ehefrau Anna Dubach kennen, mit der er fünf Kinder haben sollte. Im Herbst 1946 zog das Ehepaar nach Reutigen, wo Armin Baur bis zu seiner Pensionierung 1984 Lehrer war und wo er für die nächsten 41 Jahren den Dirigentenstab in der Musikgesellschaft führte.

Das Ehepaar Baur mit Sohn Ernst Mitte der Vierzigerjahre. Fotos: PD
Das Ehepaar Baur mit Sohn Ernst Mitte der Vierzigerjahre. Fotos: PD

Die Umstände machten ihn zum Komponisten

Als er noch während des Krieges die Musikgesellschaften Erlenbach und Oey dirigierte, machte er aus der musikalischen Not eine Tugend. «In jener Zeit gab es keine neuen, leicht spielbaren Märsche aus den USA zu kaufen. Also begann er selber zu komponieren und seine Stücke im Eigenverlag zu verlegen», sagt Hans-Jörg Baur. Als Auftragsstück komponierte der Protestant Baur auch einen Marsch für die Schweizergarde des Papstes.

«Weil von den katholischen Komponisten in der Innerschweiz keiner Zeit haben wollte, fragten sie meinen Vater an», erinnert sich Hans-Jörg Baur. Im Vatikan stiess seine Komposition offenbar auf geneigte Ohren, denn Armin Baur und seine Gattin Anna erhielten 1990 eine Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. «Sie waren sehr beeindruckt von diesem Treffen, und meine Mutter hatte die Fotografie dieses Treffens zeitlebens auf ihrem Nachttisch.»

Doch den absoluten Höhepunkt in seinem Leben erreichte Armin Baur 11 Jahre vorher. Beim Bernischen Kantonal-Musikfest in Ostermundigen 1979 erzielte er zusammen mit der Musikgesellschaft Reutigen die ersten ­Plätze in den Kategorien Konzertstücke und Marschmusik.

Im Parlament machte er sich für grüne Anliegen stark

Doch Armin Baur hatte in seinem Leben noch viel mehr geleistet: Er war Sektionschef in Reutigen und für landwirtschaftliche Organisationen tätig, etwa für den Munimärit in Thun und die Verbandsgenossenschaft für Simmentaler Alpfleckviehzucht, zudem belieferte er «Thuner Tagblatt» und «Berner Oberländer» als Ortskorrespondent mit dem Kürzel «arb» bis ins hohe Alter mit Berichten aus Reutigen. Auch in der Politik mischte er mit: als Gemeinderat (7 Jahre) und Gemeindepräsident (11 Jahre) von Reutigen sowie von 1970 bis 1982 als Grossrat in den Reihen der SVP.

«Der SVP von Albrecht Rychen», wie Hans-Jörg Baur vielsagend betont. Im Kantonsparlament setzte sich Armin Baur auch für grüne Anliegen ein, wie die Liste seiner Vorstösse belegt. So machte sich der 2000 verstorbene Baur für die Verwendung von Umweltschutzpapier in der Kantonsverwaltung stark, stellte kritische Fragen zu einer Altölverbrennungsfabrik, die im Burgholz zwischen Wimmis und Oey geplant war, aber nie realisiert wurde, sowie zu Erdölbohrungen im Stockental.

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