Vor 100 Jahren: Französischer General Pau war zu Besuch

Interlaken

Heute Dienstag ist es genau 100 Jahre her, seit der französische General Pau in Interlaken eintraf. Er blieb sechs Tage und besuchte Internierte im Oberland. Am 15. Juli verliessen 800 repatriierte französische und belgische Wehrmänner Interlaken mit einem Extrazug Richtung Heimat.

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Dem Zug, der am 11. Juli 1917 um 11.23 Uhr im Bahnhof Interlaken-West einfuhr, entstieg der französische General Pau in Begleitung von Adjutanten. Er wurde empfangen von einer Behördendelegation, Funktionären der Internierung, internierten Franzosen, Belgiern und Engländern, Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten sowie einer Volksmenge.

Das Oberländische Volksblatt (OV) schrieb: «Der Herr General unterhielt sich zuerst mit den Ehrendamen, richtete hierauf eine Ansprache an die Behörden und schritt dann die Front der aufgestellten Internierten ab.» Die Häuser des Bahnhofplatzes waren mit nationalen Fahnen beflaggt.

«Ein feierlicher Augenblick war die Auszeichnung eines tapferen Kommandanten, der zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen wurde», berichtete das OV. Und: «Bei seiner Fahrt zu seinem Absteigequartier, dem Hotel Viktoria, war die sympathische Soldatengestalt Gegenstand freundlicher Begrüssung.»

General Pau weilte sechs Tage in Interlaken, während derer er Internierte im östlichen Oberland besuchte.

Internierte reisen nach Hause

Am 15. Juli 1917, abends um 20.05 Uhr, verliess ein Extrazug mit rund 800 repatriierten französischen und belgischen Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten Interlaken. Sie kehrten über Bern, Genf und Lyon in ihre Heimat zurück. Zur Verabschiedung der Internierten war auch General Pau zugegen. Oberstleutnant Barère, der auch zu den Heimkehrenden zählte, hielt eine markige Abschiedsrede, in der er der Bevölkerung von Interlaken für die wohlwollende Aufnahme und Pflege dankte.

Das OV hielt fest: «Aus den Fenstern der Eisenbahnwagen sah man nichts als freudestrahlende Gesichter schauen, Hände- und Tücherwinken; noch ein letztes Adieu, ein letzter Händedruck den zurückgebliebenen Kameraden, und der Zug rollte aus der Halle der Heimat zu.»

General Pau

Der am 29. November 1848 in Montélimar geborene Paul Marie César Gérald Pau hatte eine erfolgreiche militärische Kariere hinter sich, war Ritter der Ehrenlegion und hatte den Ruhestand angetreten, als ihm bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 der Oberbefehl über die Armée d’Alsace übertragen wurde.

Nach anfänglichen Erfolgen mussten sich Paus Truppen nach schweren Verlusten in den Schlachten von Morhange und Saarburg zurückziehen. Paus Armeeabteilung wurde aufgelöst. Ab Ende November 1915 bis 13. September 1916 war Pau Chef der französischen Militärmission in Russland. In dieser Position wurde ihm Senilität vorgeworfen.

Nach seiner Reservestellung übernahm er im Juli 1918 bis über das Kriegsende hinaus die Leitung der französischen Militärmission in Australien. 1918 wurde General Pau zum Präsidenten des Roten Kreuzes in Frankreich berufen. Er starb am 2. Januar 1932 in Paris.

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