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Villiger hat sich hochgekämpft

Nach einem schweren Verkehrsunfall musste Polizeigrenadier Cornel Villiger sein Leben neu ordnen. Davon erzählte er am Pararace-Gönnerevent im Hotel Bären.

Rollstuhlsportler Cornel Villiger sprach im Hotel Bären in Wilderswil über seinen Werdegang und seine Ambitionen.
Rollstuhlsportler Cornel Villiger sprach im Hotel Bären in Wilderswil über seinen Werdegang und seine Ambitionen.
Monika Hartig

«Handicap hin oder her – entscheidend ist, was man aus dieser Situation macht», sagte Handbike-Athlet Cornel Villiger (43) aus Boswil im Kanton Aargau. Am Donnerstag fand im Hotel Bären in Wilderswil der zehnte Jungfrau-Pararace-Gönneranlass statt.

An die sechzig Gönner und Mitglieder des OK des Jungfrau-Marathons verfolgten interessiert Villigers Vortrag über seine Neuorientierung nach seinem folgenschweren Unfall.

Seit seiner Jugendzeit duellierte sich Cornel Villiger als Leichtathlet und Läufer mit Konkurrenten. Er war Polizeigrenadier und jüngster Instruktor bei der Sondereinheit Argus der Aargauer Polizei. «In meinem Beruf lagen Leben und Tod nahe beieinander», so Villiger. Sein Lebensweg schien klar, bis der Unfall ihm den Boden unter den Füssen wegzog.

Plötzlich gelähmt

2004 leitete der junge Familienvater ein Jugendsportlager in Leysin. Auf der Heimfahrt glitt Villiger mit seiner Kawasaki 1100 in einer Kurve auf einer riesigen Öllache aus. «Es gab einen Knall, der Töff flog davon, und ich sah einen Blitz vor Augen», so Villiger.

Beim Sturz wurde das Rückenmark irreparabel verletzt. «Von einem Moment auf den anderen war ich schachmatt und lag auf der Intensivstation mit der Diagnose Paraplegie.»

Doch aufgeben war keine Option: «Ich war sehr motiviert, zu kämpfen und nach vorne zu schauen.» Noch auf der Intensivstation plante er mit seiner Frau den Bau ihres neuen, rollstuhlgängigen Hauses.

Villiger konnte bei seinem Arbeitgeber in die neue Funktion als Betriebswirtschafter wechseln. Und bereits während der Reha in Nottwil suchte er sich neue sportliche Herausforderungen. Villiger meint dazu: «Selbstständigkeit und Selbstbestimmung sind mir enorm wichtig.»

Villiger zeigte Aufnahmen aus dem Rollstuhlsport, vom Fahren mit dem Handbike oder auf speziellen Langlaufski. Mit eiserner Disziplin erkämpfte er sich eine Kaderqualifikation sowie je eine Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaft. Villiger: «Wir ­haben ein Pararacing-Team aufgebaut und bieten querschnittgelähmten Sportlern neue Möglichkeiten, sich in eine positive Richtung zu entwickeln.»

Heute sieht Villiger seinen Unfall als persönliche Chance und will sich laufend sportlich weiterentwickeln. Als Sportler mit Handicap müsse er jedoch besonders sorgfältig agieren. «Man ist nicht gefeit vor neuen Verletzungen», so der Vater dreier Söhne, der seit 2018 in der Handbike-Nationalmannschaft ist.

Nächste Ziele für 2019

Villiger beantwortete Fragen des Publikums. Etwa, wie er Familie, Job und intensives Training unter einen Hut bringe: «Mit viel Eigenantrieb und dank der guten Unterstützung durch mein familiäres und berufliches Umfeld.» Ob er sich operieren lassen würde, wenn er danach wieder laufen könnte?

Villiger: «Mein Körper und das Muskelsystem haben sich an die neue Situation angepasst. Lieber schön Rollstuhl fahren als schlecht herumlaufen.» Gefragt wurde auch nach Villigers persönlichen Zielen für 2019: «Ich will alles ausschöpfen, was in meiner Macht liegt. Und mich reizt die Weltmeisterschaft in Tokio 2020.»

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