Viel «Büez» für den jüngsten Hüttenwart der Schweiz

Lenk

Die elf Skitourenhütten des SAC in den Berner Alpen sind ab Samstag offen. Wir besuchten die Wildstrubelhütte hoch über der Lenk – und trafen dort auf Andrin.

Andrin Heiniger: Hilft auch beim Servieren mit.

Andrin Heiniger: Hilft auch beim Servieren mit.

(Bild: Bruno Petroni)

Bruno Petroni

Donnerstagmittag, Punkt 12 Uhr, hinter der Wildstrubelhütte des SAC, 2793 Meter über Meer: Der Wanderwegweiser, obwohl fast drei ­Meter tief eingeschneit, ist gerade noch zu sehen. Daneben spielt der in einen dicken Daunenoverall eingepackte Andrin mit seiner Schneeschaufel. Andrin feiert in einem Monat seinen zweiten Geburtstag. Wohl kein Kleinkind in der Schweiz hat einen derart grossen Spielplatz für sich ­allein.

Wenn er dann mal genug hat von seinen Schneefiguren, Eisbahnen und «Schüfeli», hilft der Dreikäsehoch schon mal in der warmen Küche aus und bringt den Hüttengästen das Brotkörbchen an den Tisch – obwohl er noch kaum über dessen Platte sehen kann.

Im Sturm festgesessen

Katja Heiniger-Bähler – Andrins Mutter – hat die Wildstrubelhütte zusammen mit ihrem Ehemann Thomas Anfang Jahr übernommen und vor vier Wochen in Betrieb nehmen wollen. «Doch dann sass ich mit ­Andrin erst mal allein bis Ende Februar hier oben im Schneesturm fest, sodass wir die Hütte erst vor zehn Tagen öffnen konnten», erzählt sie. Dann ging es aber los: 50 Hüttengäste am letzten Wochenende und bis zu 25 an den Wochentagen machten den verspäteten Start in die Skitourensaison bereits mehr als wett. «Wir möchten bis Pfingsten bleiben.

Natürlich müssen wir das mit der benachbarten Lämmeren- und Wildhornhütte koor­dinieren, denn wenn diese geschlossen sind, kommt kaum ein Skitourengeher hier herauf.» Immerhin, bis zum 17. April fährt auch die Gondelbahn von Crans Montana auf den Plaine-Morte-Gipfel. Und so werden bis dahin nebst den Skitourenfahrern auch Tagesgäste die Hütte besuchen.

Ab Mitte Mai ist die Hütte geschlossen, ehe das Ehepaar Heiniger gegen Ende Juni den Sommerbetrieb aufnehmen wird. Während der Sommersaison werden Heinigers parallel zur Wildstrubelhütte auch die Gspaltenhornhütte betreuen, die sie nun das vierte Jahr betreiben. «Dazu kam es, weil wir im Frühling des letzten Jahres plötzlich hörten, dass die Wildstrubel­hütte frei werde, jedoch erst im ­August die Zusage der Sektion bekamen», so die gebürtige Lenkerin. «Eine Hütte praktisch vor unserer Haustür wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.» Da die Kündigungsfrist für die Gspaltenhornhütte für das Jahr 2016 zu diesem Zeitpunkt aber bereits abgelaufen sei, packe man nun halt in der Sommersaison beide Herausforderungen an.

Ein Familienbetrieb

Und so wird Thomas Heiniger, der im Winter als Pistenrettungschef bei den Bergbahnen Lenk fungiert, während der Sommersaison einmal pro Woche in der Gspaltenhornhütte zum Rechten sehen. Sein Bruder Roland und andere Familienmitglieder sorgen derweil für den reibungslosen Hüttenbetrieb.

In der Wildstrubelhütte ist es am Donnerstag inzwischen 14 Uhr geworden. Arbeit macht müde. Suppe einlöffeln auch. Und so hat sich der kleine Andrin für ein Mittagsschläfchen zurückgezogen. Andrins Dienste dürften bald wieder gefragt sein. Und auch die Spielsachen im Schnee warten wieder.

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