Via Spektakel zur Beachsoccer-EM?

Spiez

Von Freitag bis Sonntag findet zum vierten Mal in Folge der Schweizer Beachsoccer-Finalevent in der Bucht statt. Eine Delegation des Weltverbandes wird erwartet, Beach Soccer Worldwide entscheidet über den EM-Spielort 2018.

Ballzauber auf Sand: Der Schweizer Internationale Noel Ott, hier im letztjährigen Länderspiel gegen England in Spiez, gilt als «der Messi des Beachsoccers».

Ballzauber auf Sand: Der Schweizer Internationale Noel Ott, hier im letztjährigen Länderspiel gegen England in Spiez, gilt als «der Messi des Beachsoccers».

(Bild: zvg)

Jürg Spielmann

«Spiez hat die schönste Sand­anlage in der Schweiz», schwärmt Reto Wenger. Da sei es eine Ehrensache, dass man den Beachsoccer-Finalevent in der Bucht durchführe. «Wir geben dem Ort die Wichtigkeit, die er sich dank der Spiez Marketing AG verdient hat», meint der Geschäftsführer der Swiss Beach Soccer GmbH.Die Standortvermarkterin setzt seit 2011 auf das Thema Sand.

Nicht ohne Wirkung: Am Anlass 2015 war die Besucherzahl bereits auf gegen 10 000 geschätzt worden. Exakte Zahlen sind, bedingt durch den Gratiseintritt, nicht bekannt. Fakt aber ist, dass sich Spiez dank der Bemühungen und dem Bau der Beacharena zu einer festen Grösse für Strandsport gemausert hat. Anders als Thun, das die nationale Beachsoccer-Liga 2015 nach lediglich zwei Jahren bereits wieder ziehen lassen musste (wir berichteten).

Vorgespräche für die EM

Von Freitag bis Sonntag wird es nun das vierte Mal sein, dass die Schweizer Meister in packenden Finalspielen in der Spiezer Bucht ermittelt werden (siehe Kasten). Und obwohl vertraglich noch nicht fixiert, ist für Reto Wenger klar, dass sich das in näherer Zukunft nicht ändern soll.

Da mag es auch kaum erstaunen, dass der Ausrichtungsort für einen erstmaligen internationalen Grossanlass in der Schweiz rasch definiert war. Vom 1. bis 3. Juni 2018 möchten die Spiezer und Swiss Beach Soccer den Euro Beach Soccer Cup, die Europameisterschaft mit den acht Kontinentalbesten, ausrichten.

Das Vorhaben ist kein Hirngespinst, sondern Teil einer Strategie von Spiez Marketing (Smag) und Gemeinderat. Wie diese Zeitung bereits früher berichtete, ist für die dreitägige EM ein 750 000-Franken-Budget zu stemmen. Ein Drittel müssten die Macher über die Gemeinde Spiez (Ortsmarketingkredit), touristische Partner, Kanton und Bund auftreiben.

Der grosse Rest würde über TV-Rechte, Sponsoring, Ticketing und Hospitality gedeckt. «Wir sind daran, die Finanzen sicherzustellen», sagt Stefan Seger, als Smag-Geschäftsführer der Vater der Spiezer Sandoffensive. «Der Austragungsort, Interlaken Tourismus und BE-Tourismus haben Zusagen gemacht.» Nun liege der Ball bei Kanton und Bund.

Reto Wenger bestätigt das, präzisiert aber, die Letztgenannten und auch Swiss Olympic würden erst bei einer schriftlichen Turnierzusage angegangen. «In anderen Ländern werden bis zu 80 Prozent via öffentliche Hand finanziert. In der Schweiz ist der grösste Teil der finanziellen Mittel selbst zu generieren», äussert er leise Kritik. Entsprechend hätten erste Kontakte mit kommerziellen Partnern stattgefunden.

Vorgespräche mit Beach Soccer Worldwide – der Weltverband vergibt die EM – gab es laut Wenger an der diesjährigen EM in Belgrad. «Sie sehen Spiez als Hotspot, der Ort ist in der Szene bereits ein Begriff.»

Am Sonntag um 15 Uhr, wenn die «Sandgenossen» in einem offiziellen Länderspiel auf die USA treffen, wird eine Delegation des Weltverbandes in der Bucht zugegen sein. Spiez dürfte also keine allzu schlechten Karten besitzen. «Wir wollen die Möglichkeit nutzen und uns positiv präsentieren», erklärt Seger denn auch. Die regionale Wertschöpfung beziffert Reto Wenger derweil als «mindestens dreimal so hoch wie bei einem Ligafinal».

Dieser sei 100 000 Franken wert. Die Zusage vorausgesetzt, möchte er die Finanzierung bis Weihnachten in trockenen Tüchern wissen. Es blieben dann eineinhalb Jahre, um die EM mit einer auf 2000 Plätze erweiterten Tribüne aufzugleisen.

Foodfestival als Gegenpool

So weit ist es freilich nicht. Vorerst werden am Wochenende «nur» die gewohnt 570 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Der Ligafinal musste, entgegen der eigentlichen Planung, um zwei Wochen nach vorne geschoben werden, da Anfang September das Qualifikationsturnier für die WM 2017 ansteht.

Das Nationalteam (Platz 6 der FIFA-Weltrangliste) bestreitet in Spiez gegen die USA (Platz 19) den letzten Test vor der WM-Quali. Rot-Weiss tritt neu im offiziellen Dress des Schweizerischen Fussballverbandes an. Das Spiel ist auch auf dessen Website als Livestream zu sehen.

Höhepunkte abseits der Quarzsandbühne sind direkt nebenan am zweiten Spiezer Foodfestival zu finden. Dort warten globale Schlemmereien, Strassenmusik mit Tom Lee, Chubby Buddy, Maya Haze und Noan, Spiel und Spass. «Wir versuchen, dem Fussball ein Zusatzprogramm zu geben.

2015 machten wir mit dem Festival sehr gute Erfahrungen», sagt Stefan Seger. Solche habe man auch mit der Beacharena gemacht. «Sie wird extrem geschätzt, nicht nur von ‹Schüttelern›, sondern auch von Volleyballern oder Pétanquespielern.» Und 2018 womöglich auch von der kontinentalen Beachsoccer-Elite.

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