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«Stille Zeit» lässt keinen kalt

Mit der Ausstellung «Stille Zeit» führt die Galerie Kunstsammlung Unterseen (KSU) das Publikum quer durchs Oberländer Kunstschaffen. Am Sonntag feierten 36 Ausstellende und zahlreiche Besucher Vernissage.

Ernst Hanke und vielfältigste Kunstwerke (links) begrüssten an der Vernissage zahlreiche Kunstschaffende und Besucher.
Ernst Hanke und vielfältigste Kunstwerke (links) begrüssten an der Vernissage zahlreiche Kunstschaffende und Besucher.
Sibylle Hunziker

«Es ist schon Tradition, dass wir in der stillen Zeit nach dem grossen Trubel im Dezember zeigen, was im vergangenen Jahr in vielen Oberländer Ateliers und Stuben geschaffen wurde», sagte KSU-Vorstandsmitglied Ernst Hanke, der das Vernissagenpublikum am vergangenen Sonntag begrüsste. Still mag der Januar sein – die Ausstellung ists nicht: 36 Kunstschaffende stürzen das Publikum in ein Meer der Bilder und Gefühle.

Die Vielfalt ist gross – allein schon auf der «technischen» Ebene. Klassische Aquarelle, Tuschzeichnungen, Fotografien, Pastell- und Acrylbilder sind ebenso vertreten wie verschiedenste Mischtechniken mit Papier- oder Textilcollagen und dreidimensionale Werke aus Stein, Eisen, Holz und Gips.

Gute «Nachbarschaft»

Dazu kommen die Freiheiten einer Ausstellung, bei der jeder aus der Region mitmachen kann – vom ernsthaften Hobbymaler bis zum arrivierten Künstler. «Wir haben keinen abgewiesen», sagte Ernst Hanke. Damit setzt diese Ausstellung konsequent die Einsicht um, dass kein noch so versierter Experte ganz genausagen kann, was Kunst ist. «Und was Bestand hat, kann ohnehin nur die Zeit zeigen», fügte Hanke an.

Nur einzelne Werke hat die KSU aussortiert. Um die Kunstschaffenden von ihrer besten Seite zu zeigen, war es mit der Auswahl aber noch nicht getan. «Eine Ausstellung zu machen, bedeutet viel Laufarbeit», erklärte Hanke. Zusammen mit Vorstands- und Künstlerkollegin Gabriela Stähli stellte er die Werke so lange um, bis die «Nachbarschaft» überall stimmte.

Handfest und sehnsüchtig

Die Kombination aus Jekami, Laufen und Probieren hört sich gewagt an. Aber das Resultat überzeugt. So hängen etwa die strengen Schwarzweissbilder der Profifotografin Francine Marie David neben Bettina Dubois’ ätherischen Acrylengeln, Fritz Heinigers geometrischen Mustern, Do Paladinis abstraktem Spiel mit Licht und Dunkelheit und den Bergbildern von Karl Feuz, der akribisch jede Schneeschicht und jeden Felsvorsprung dokumentiert.

Unterschiedlicher könnten die Bilder nicht sein – und doch stellt jedes sein Thema so sinnlich dar, dass es der Betrachter fast mit Händen zu greifen glaubt. Ein ganz anderer Wind weht auf der Empore, wo weisse Pferde und Einhörner, Pop-Art-Ikonen, die Hoffnungen der Menschen an den Rändern, märchenhaft zarte Landschaftsaquarelle und Spiegel aller Art die ganze Weite menschlicher Sehnsüchte aus­loten.

Für Geniesser und Entdecker

Doch nicht nur in den grossen Ensembles stimmt das «Klima», auch im kleinen Kreis kommen die unterschiedlichen Werke gut aus miteinander. So verschmelzen die aufgeregten Figürlein in Heinz Kilchenmanns Geschichtsallegorie mit Regula Hauser Scheels klassischer Büste vom «Visionär» fast zu einem Gesamtkunstwerk. Und gleich beim Eingang lässt Hans Baumanns zurückhaltender «Abend am Niesen» Ursula Stählis «Winter» einen fulminanten Auftritt und wartet zuversichtlich auf die zahlreichen Besucher, die den Kontrast geniessen – und sich darauf freuen, zahlreiche weitere überraschende Einblicke zu entdecken.

«Wir haben eine Ausstellung gemacht, die uns gefällt», meinte Ernst Hanke schmunzelnd. Sie sind damit nicht allein.

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