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De Meurons sensationsfreie Premiere

Die Rechnung der Stadt Thun schliesst 7,5 Millionen Franken im Plus. Der Betrag soll in Spezialfinanzierungen eingelegt werden. Die neue Finanzvorsteherin Andrea de Meuron ist erfreut.

Präsentierte ihre erste Jahresrechnung: Die grüne Gemeinderätin Andrea de Meuron (Mitte) mit Finanzverwalter Stefan Christen und der Kommunikationsbeauftragten der Stadt Thun, Simone Tanner.
Präsentierte ihre erste Jahresrechnung: Die grüne Gemeinderätin Andrea de Meuron (Mitte) mit Finanzverwalter Stefan Christen und der Kommunikationsbeauftragten der Stadt Thun, Simone Tanner.
Patric Spahni

Die schwarze Null: Sie war in den letzten Jahren in Thun unter Finanzvorsteher Raphael Lanz (SVP) die grosse Konstante. Zwar konnten mehrmals Millionenbeträge in Spezialfinanzierungen eingelegt werden – am Ende war das Rechnungsresultat immer: ausgeglichen. Doch seit dem 1. Januar 2019 steht mit Andrea de Meuron eine neue Gemeinderätin an der Spitze der Finanzdirektion.

Und so ist die Spannung an diesem Freitagnachmittag gross, als das erste grüne Thuner Regierungsmitglied vor die Medien tritt: Würde die 45-Jährige bei ihrer Premiere mit der langjährigen Tradition brechen? Nun, de Meuron hat positive News im Gepäck: Sie verkündet für die Rechnung 2018 Einnahmen von 312,1 Millionen und Ausgaben von 304,6 Millionen Franken.

«Wer gut rechnen kann – und die Stadt Thun kann das –, kommt auf einen Ertragsüberschuss von 7,5 Millionen Franken», sagt de Meuron. Dieser Betrag soll für zusätzliche Einlagen in die Spezialfinanzierungen für den baulichen Unterhalt und den Werterhalt von Stadtliegenschaften verwendet werden. Es ist eine «eigentliche Vorfinanzierung für künftig geplante Projekte». Wenn der Stadtrat am 6. Juni diesem Ansinnen wie von der Regierung beantragt zustimmt, bleibt am Ende – die schwarze Null.

Mehr Steuereinnahmen

Die Finanzvorsteherin nennt mehrere Gründe für das positive Ergebnis. Erstens sind die Steuererträge mit 126,6 Millionen Franken um 6,8 Millionen höher als budgetiert. Thun verzeichnet ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum – zudem verweist Andrea de Meuron auf die gute Konjunktur. Zweitens liegen die Gesamtausgaben mit 304,6 Millionen um 3 Millionen unter Budget – «die Stadt hat ihre Ausgaben weiterhin im Griff», folgert die Gemeinderätin. Positiv ausgewirkt hätten sich auch das tiefe Zinsumfeld und die Reduktion der Verschuldung. Die Stadt hat aber auch weniger investiert als geplant: 16,6 statt 31,2 Millionen Franken.

Laut Finanzverwalter Stefan Christen lagen die Investitionen jedoch um rund ein Drittel höher als im Vorjahr. Und: «Zu rund drei Vierteln haben wir die Investitionen aus eigenen Mitteln finanziert.» 48 Prozent des Steuerertrags gehen laut Christen an den kantonalen Lastenausgleich. 94 Prozent der Steuereinnahmen seien periodisch, 6 Prozent sogenannte übrige Steuern wie Lotteriegewinne oder Erbschaftssteuern.

«Da lassen wir Vorsicht walten – ich möchte nicht einen Lotteriegewinn budgetieren», sagt Stefan Christen mit einem Schmunzeln. Die Schulden der Stadt betragen derzeit noch gut 80 Millionen Franken. Christen weist auf den tiefen Bruttoverschuldungsanteil «auch im Vergleich mit anderen Städten» hin: «Wir haben keine Nettoschuld, sondern ein Nettovermögen.» Dieses beträgt laut Andrea de Meuron 119,5 Millionen Franken.

Hohe Investitionen geplant

Für die Finanzvorsteherin bestätigt das Jahresergebnis 2018 «die Stetigkeit der Finanzpolitik». Daran wolle die Stadt festhalten, denn: «Stabile Finanzen sind ein Standortvorteil.» Trotz «guter Ausgangslage» sieht de Meuron für die Zukunft aber einige Herausforderungen. «In den nächsten Jahren stehen grosse Aufgaben bevor.» Der Sanierungsrückstand bei der städtischen Infrastruktur solle weiter verkleinert werden. Das im Aufgaben- und Finanzplan für 2019 bis 2022 berechnete Investitionsvolumen beträgt satte 101,4 Millionen Franken – auch für den baulichen Unterhalt sind Ausgaben von 91,2 Millionen vorgesehen.

«Ich will dieFinanzpolitikder ruhigen Hand fortsetzen.»

Andrea de Meuron?Finanzvorsteherin der Stadt Thun

Zudem führe das Bevölkerungswachstum auch zu zusätzlichen Investitionen in die Infrastruktur – «etwa bei Freizeit- und Sporteinrichtungen». Die geplanten Ausgaben seien voraussichtlich nicht mit eigenen Mitteln finanzierbar, was zu einem Anstieg der Verschuldung und einer tieferen Selbstfinanzierung führen werde. «Das müssen wir im Auge behalten, wenn der Finanzhaushalt im Gleichgewicht bleiben soll. Neue Ausgaben müssen gut überlegt sein», betont de Meuron. Sie wolle die «Finanzpolitik der ruhigen Hand» fortsetzen. Gut möglich also, dass auch unter der grünen Finanzvorsteherin weitere Rechnungsabschlüsse folgen, deren Fazit aus drei Worten besteht: eine schwarze Null.

SDA/chh

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