Spiezer Doppelmord: Bundesgericht rüffelt die Berner Richter

Spiez

Im Fall des Spiezer Doppelmords muss das Berner Obergericht ein Ergänzungsgutachten einholen und nochmals über die Verwahrung des Haupttäters befinden.

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Jürg Spielmann

Die strafrechtliche Aufarbeitung des brutalen Doppelmordes vom 11. Mai 2013 in einem Spiezer Kinderheim dauert weiter an. Mit einer Mehrheit von drei zu zwei Richtern ist das Bundesgericht gestern in einer öffentlichen Beratung zum Schluss gelangt, dass die kantonale Vorinstanz das psychiatrische Gutachten willkürlich gewürdigt habe.

Dieses sei zudem unvollständig, sodass weitere Beweise zu erheben seien. Das Bundesgericht entschied, dass das Berner Obergericht ein Ergänzungsgutachten einholen und nochmals über die Verwahrung des Haupttäters befinden muss. Die Verwahrung hatte das Obergericht im Dezember 2017 aufgehoben.

Freiheitsstrafe rechtskräftig

Das Bundesgericht hat damit die Beschwerde der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern gutgeheissen. Diese hatte die Anordnung der lebenslänglichen Verwahrung beantragt oder alternativ die nun entschiedene Rückweisung ans Berner Obergericht. Wie die Mehrheit der Bundesrichter festgehalten hat, liess das Obergericht bei der Beurteilung der Verwahrung die Grausamkeit bei der Tatausführung unberücksichtigt.

Weiter sei aus dem Gutachten nicht ersichtlich, welche Rolle das Alter des heute 50-jährigen Haupttäters hinsichtlich seiner Gefährlichkeit und der Begehung weiterer Taten spielen könnte. Nicht klar sei zudem, inwiefern sich die ambivalente Beziehung des Täters zu seinem Sohn auf die Tat auswirkte.

Die Beschwerde des 50-jährigen Schweizers mit italienischen Wurzeln haben die Lausanner Richter in allen Punkten abgewiesen. Dessen lebenslängliche Freiheitsstrafe ist somit rechtskräftig.

Grausame Bluttat

Der Doppelmord von Spiez sorgte im Frühling 2013 landesweit für Entsetzen. Der 53-jährige Leiter der Pädagogischen Lebensgemeinschaft, eines privaten Kinderheimes im Dorfzentrum, und dessen im Haus anwesende Partnerin wurden mit über hundert Messerstichen ermordet. Die 51-jährige Frau aus Winterthur war zufällig im Heim des Freundes zu Besuch gewesen.

Erst 18 Monate nach der Bluttat konnte die Polizei die Täter, einen Berner Vater und dessen Sohn, dingfest machen. Ihnen wurde in getrennten Verfahren der erstinstanzliche Prozess gemacht, da der Sohn zur Tatzeit 16 und damit minderjährig war und somit vor das Jugendgericht kam. Der Sohn akzeptierte den Schuldspruch – die Höchststrafe von vier Jahren Freiheitsstrafe mit einer anschliessenden Schutzmassnahme.

Der Vater als Haupttäter hingegen zog sein Urteil weiter. Das Regionalgericht Oberland hatte Ende Dezember 2016 neben der lebenslänglichen Freiheitsstrafe die anschliessende Verwahrung angeordnet.

Als Grund für die Tat nannten Vater und Sohn den mehrwöchigen Aufenthalt des Jungen im Jahr 2003 im Spiezer Kinderheim. Der damals 6-jährige Sohn fühlte sich gedemütigt und ungerecht behandelt. Schon damals soll der Vater Morddrohungen gegenüber dem Heimleiter ausgesprochen haben.

Zehn Jahre später rächten sich Vater und Sohn am Heimleiter. Dessen Freundin wurde als unliebsame Zeugin ebenfalls umgebracht.

Berner Oberländer

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