Punk-Hymne im Alphornkleid

Interlaken

Das Greenfield Festival 2019 ist eröffnet. Zum Einstieg gab es traditionsgemäss Alphornmusik.

In den letzten 14 Jahren - so lange gibt es das Greenfield Festival nun schon - haben sich bei dieser Rock- und Metal-Zusammenkunft auf dem Flugplatz Interlaken so einige Traditionen entwickelt. Das Verbrennen der riesigen, hölzernen «Metal-Hand» zum feierlichen Abschluss ist so eine Tradition. Aber auch der Auftakt des Festivals ist ein Alleinstellungsmerkmal: Die Alphorngruppe Jungfrau auf der Hauptbühne.

Die Fans der härtesten Gattungen von Rockmusik kriegen urchigste Schweizer Folkloremusik auf die Ohren. Ein Kontrast, ein Gegensatz, der so gewaltig ist, dass er schon wieder Freude macht.

«Es wäre nicht verkehrt, wenn eine Metal-Band mal zur Eröffnung an einem Alphornfestival spielen würde.»Ein Konzertbesucher?freut sich über das Gastspiel der Alphorngruppe Jungfrau am Greenfield Festival – und hat eine ausgefallene Idee.

Hört man sich bei den Festivalbesuchern um, so gibt es fast ausschliesslich positive Voten. «Die Alphornmusik passt einfach super zu diesem Festival», meint eine strahlende junge Frau aus dem Bündnerland, die Haare ebenso schwarz wie ihr «Rammstein»-Shirt.

Ein einheimischer Greenfield-Gänger erwähnt nicht ohne Stolz, dass er sich extra für die Alphornspieler um 14 Uhr vor der Hauptbühne bereit gemacht habe. Die knappen 30 Minuten Volksmusik seien ein «cooler Beginn», eine «gute Sache», meint sein Begleiter.

Er hat sich auch schon Gedanken darüber gemacht, wenn man zur Abwechslung den Spiess mal umdrehen würde: «Eigentlich wäre es nicht verkehrt, wenn eine Metal-Gruppe mal zur Eröffnung an einem Alphorn-Festival spielen würde.» Ein Versuch wäre es allemal wert.

Junger Pianist dabei

Zum neunten Mal schon spielte die Alphorngruppe Jungfrau bereits zur Eröffnung des Greenfield Festivals; für die Musiker unter der Leitung des Brienzers Adolf Zobrist ist es inzwischen ein Fixtermin in der Agenda. Sie kennen nicht nur die musikalischen Vorlieben ihres Publikums, sondern werfen einige Wochen vor ihrem Auftritt auch einen Blick ins Programm, um etwas Spezielles darzubieten.

Vor einem Jahr etwa ertönte eine Alphorn-Version des Liedes «Numb» in Anlehnung an den verstorbenen Linkin-Park-Sänger Chester Bennington. Begleitet wurden die Alphornspieler damals von Lars Zobrist, Neffe von Adolf Zobrist. Er spielte Cajon, ein hölzernes Perkussionsinstrument.

Der junge Beatenberger war auch diesmal wieder auf der Bühne mit dabei, diesmal hauptsächlich als Pianist. Die Hymne «Tage wie diese» der deutschen Punkband Die Toten Hosen, erklang in einer beeindruckend schönen Version mit drei solistischen Büchel-Bläsern.

Lars Zobrist griff zur Begleitung nicht nur in die Tasten, sondern spielte auch ein elektronisches Schlagzeug. «Wir waren auf der Suche für ein Stück, das sich in Anlehnung an das diesjährige Programm gut eignen würde», so der junge Zobrist nach dem Auftritt. «So bin ich auf diesen Song gestossen.»

Ein rockiges Lied für Büchel passend zu notieren, ist gar nicht so einfach. Denn wie auch beim Alporn lässt sich auf dem Büchel nur die sogenannte Naturtonreihe spielen, und dies nur in einer vorgegebenen Tonart.

Die Arbeit hat sich jedoch gelohnt: Die Greenfield-Anhänger sangen nicht nur kräftig mit, sondern würdigten das Dargebotene zu Lars Zobrists gefühlvollem Ausgangsspiel mit begeistertem Applaus. Einige hartgesottene Fans eröffneten schon mal einen «Moshpit», ein Kreis, in dem Konzertbesucher wild ausgelassen tanzen - normalerweise natürlich zu einer etwas härteren Gangart der Musik.

Erster grosser Höhepunkt

Während sich Lars Zobrist kurz nach dem Auftritt bereits wieder vom Konzertgelände verabschiedete - der 19-jährige steht kurz vor seinem Lehrabschluss als Zeichner - liessen auf der Hauptbühne die ersten Rockmusiker ihre Instrumente heulen und krachen: «Sondaschule», eine Ska-Band aus dem Ruhrgebiet, legte einen energiegeladenen Auftritt hin

Berner Oberländer

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