Ohne Franz Weber sähe das Berner Oberland anders aus

Berner Oberland

Der Schutz von Natur, Tieren, Landschafts- und Kulturgut war Franz Webers Lebenswerk. Am 2. April ist der Umweltpionier verstorben. Sein Wirken hat auch das Berner Oberland nachhaltig geprägt.

Der Umweltschützer Franz Weber protestiert auf dem Packeis von Labrador gegen den Robbenbabymord. Mit einer Fahne der Fondation Franz Weber steht er am 20. Maerz 1979 neben einem Robbenbaby.

Der Umweltschützer Franz Weber protestiert auf dem Packeis von Labrador gegen den Robbenbabymord. Mit einer Fahne der Fondation Franz Weber steht er am 20. Maerz 1979 neben einem Robbenbaby.

(Bild: Yannick Müller)

Über 50 Jahre kämpfte der berühmte Schweizer Umweltpionier Franz Weber für den Schutz der Tierwelt und der Natur. Nicht nur mit seinen vielfältigen Aktionen – etwa gegen die Robbenjagd in Kanada oder für den Schutz der Elefanten – hat er für Furore und Aufruhr gesorgt.

Auch seine Einsätze zur Rettung einzigartiger Landschaften oder zur Bewahrung von Kulturgut wie dem Grandhotel Giessbach im Berner Oberland machten ihn international bekannt. Am 2. April 2019 ist der Gründer und Ehrenpräsident der Fondation Franz Weber sowie der Parkhotel Giessbach AG und der Stiftung «Giessbach dem Schweizervolk» mit 91 Jahren gestorben.

«Das wohl weltweit erste Crowdfunding mit dem Slogan ‹Giessbach dem Schweizervolk› war die geniale Idee meines Vaters», sagt Franz Webers Tochter Vera Weber. «Er konnte so rund 3 Millionen Franken sammeln und damit letztlich das historische Grandhotel 1979 vor dem Abriss bewahren und 1984 neu eröffnen.» Die heutige Präsidentin der Fondation Franz Weber übernahm vor fünf Jahren die Nachfolge ihres Vaters an der Spitze der international bekannten Organisation für Tier-, Natur-, Landschafts- und Kulturgüterschutz.

«Offenbarung und Rettung»

Für Vera Weber selbst bedeutete Giessbach während ihrer Teenagerjahre «Offenbarung und Rettung». Dort war das Einzelkind Teil eines Teams, konnte «mithelfen und anpacken». Das Grandhotel beeinflusste auch ihre Berufswahl. Sie absolvierte die Hotelfachschule in Luzern.

Doch nachdem sie vor 20 Jahren ihr Diplom als Hotelière erhalten hatte, wandte sich Vera Weber dem Schutz von Natur und Tieren zu. Trotzdem ist das Giessbach für sie bis zum heutigen Tag von zentraler Wichtigkeit. Denn von ihrem Vater übernahm sie vor fünf Jahren auch die Präsidentschaft von «Giessbach dem Schweizervolk» und der Parkhotel Giessbach AG.

«Das wohl weltweit erste Crowdfunding mit dem Slogan ‹Giessbach dem Schweizervolk› war die geniale Idee meines Vaters.»Vera Weber

So erfolgreich Franz Weber – von seiner Gattin Judith Weber stets tatkräftig und bedingungslos unterstützt – das Giessbach samt der ältesten Standseilbahn Europas bewahrte und zu neuer Blüte erweckte, so erfolgreich verhinderte er auch den Bau des Giessbach-Viadukts. Rund 100 Meter über dem Spiegel des Brienzersees hätte die riesige Autobahnbrücke der A8 direkt vor dem Grandhotel hindurchgeführt.

Stattdessen verläuft die A8 entlang des linken Brienzersee-Ufers heute über mehrere Kilometer in Tunneln, der längste davon ist der Giessbach-Tunnel. Ebenfalls entfachte der unermüdliche Kämpfer Seite an Seite mit dem Verein Pro Simmental und anderen Organisationen Bürgerproteste gegen den geplanten Bau der Autobahn N6 durch das Simmental und den Rawil-Durchstich ins Wallis. Das Projekt wurde 1986 fallen gelassen.

Umdenken bewirkt

Keinen Erfolg hatte Franz Weber hingegen mit seinen Schutzbemühungen in letzter Minute für das historische Grandhotel Alpina in Gstaad. Dieses wurde im April 1995 gesprengt und durch einen Neubau ersetzt. Dennoch sieht der langjährige Denkmalpfleger in Kanton und Stadt Bern, Roland Flückiger-Seiler, Webers gut zehn Jahre zuvor geglückte Rettung des Giessbach «als eigentliches Schlu?sselereignis fu?r die Wiederentdeckung historischer Hotelbauten».

Der Umweltschützer hat im Denken der Öffentlichkeit einen Wertewandel eingeleitet. 2003 wurde das Giessbach gar zum «historischen Hotel des Jahres» gewählt. Vor 40 Jahren noch als «kitschige Kästen» geschmäht, stehen solche Paläste der Belle Époque heute «für eine Identität des helvetischen Qualitätstourismus und bilden ein Bollwerk gegen den auswechselbaren globalen Massentourismus», wie das aktuelle «Journal Franz Weber» schreibt.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt