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«Man muss auch auf leise Stimmen hören»

Christoph Betschart (FDP) ­präsidiert 2018 den Grossen Gemeinderat. Der Elektro­ingenieur, im Muotatal auf­gewachsen, wünscht sich für Interlaken mehr Visionen.

Christoph Betschart, der neue GGR-Präsident, im Schneetreiben auf der Höhematte.
Christoph Betschart, der neue GGR-Präsident, im Schneetreiben auf der Höhematte.
Anne-Marie Günter

Treffpunkt Höhematte. Der rot-weisse Windsack vor dem Tennisplatz, Landehilfe für Paraglider, bewegt sich im Schneefall heftig. Christoph Betschart hat diesen Treffpunkt gewählt.

Er ist 2018 Präsident des Grossen Gemeinderats und somit der höchste Interlakner. Als Amateur-Paraglider hat er Erfahrung mit Höhe und der Höhematte. «Ich bin jeweils glücklich, bei gutem Wetter auf einem so schönen Platz sicher zu landen», sagt er.

Gekommen ist er zu Fuss. Wäre die Anfahrt mit dem Auto schwieriger gewesen? Oder anders gefragt: Was hält der GGR-Präsident vom für den motorisierten Individualverkehr geschlossenen Höhewegabschnitt «Schlauch»? Ein Thema, das in der FDP-Fraktion nicht für geschlossene Reihen sorgt.

«Der ‹Schlauch› ist nur ein Teilaspekt der gesamten Verkehrsführung. Ich finde es gut, dass es im März jetzt erstmals zu einem Volksentscheid kommen wird», sagt er. Die sachlichen Differenzen in seiner Fraktion sind für ihn kein Problem. «Sie muss Platz haben für unterschiedliche Meinungen. Das ist Demokratie und führt zu spannenden Diskussionen», sagt er.

Masterplan für Interlaken

Wichtig ist für ihn, dass das Gemeindeparlament wirklich die Bevölkerung in ihrer Meinungsvielfalt vertritt. Und dass man auch auf leise Stimmen hört. «Ein Des-Alpes-Debakel möchte ich nicht noch einmal erleben», sagt er.

Was fehlt dem im Muotatal aufgewachsenen Elektroingenieur in Interlaken? «Strategien und Visionen für die Zukunft, eine Art Masterplan. Als Beispiel: Wie können wir im Zentrum die Bahnlinie entflechten, was für Infrastrukturanforderungen stellt künftig der Individualverkehr?»

In Interlaken verharre man etwas in der Komfortzone. Er gesteht, dass ihm 1995, als er als junger Elektroniker zur Ruag Aviation nach Wilderswil kam, das Meccano der verschiedenen Bödeligemeinden nicht so bekannt war und er eine gemeinsame Industrie- und Gewerbezone auf dem Flugplatz für sinnvoll gehalten hätte.

Nur bedingt auf Glatteis

Betschart ist kein Mann der Schlagworte. Er sieht sich als Teamplayer, der initiativen Leuten Raum geben möchte. Da ­habe Interlaken Stärken. «Grosse Events werden hier perfekt organisiert», sagt er. Die Gästestruktur beunruhigt ihn nicht. «Es gefällt mir, dass Interlaken so überschaubar und doch international ist. Eine Grenze für mich ist, wenn unser Schweizer Rechtssystem infrage gestellt wird.»

Als Präsident fühlt er sich einer neutralen Sitzungsleitung verpflichtet. Wenn es in seiner Amtszeit zu keinem Stichentscheid des Präsidenten kommt, ist er nicht unglücklich. Aufs Glatteis auf der Eisbahn Ice Magic wird er zwar gehen, aber eigentlich fühlt er sich wohler in der Luft.

Christoph Betschart ist 42 Jahre alt. Politik interessierte ihn von jung an, er war Mitbegründer des Jugendparlaments Schwyz. Seit 9 Jahren ist er Mitglied des GGR, Mitglied der Finanzkommission und sitzt als deren Vertreter im Stiftungsrat des Kunsthauses. Beruflich ist er aktuell Leiter Netze bei der Netzulg AG.

2018 wird er als Department Manager Engineering zur Ruag nach Wilderswil zurückkehren. Bei der Ruag in Brunnen hat er Elektroniker gelernt. Berufsbegleitend studierte er Elektroingenieur. Im Rahmen des EMBA-Studiums (Executive Master of Business Administration) war er in China, Boston und Estland. «China hat mich sehr beeindruckt», sagt er.

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