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«Körper und Geist durch Training stählen»

Seit 100 Jahren trainiert der Turnverein Ringgenberg-Goldswil unter dem Motto: «Frisch, fromm, fröhlich und frei». Leicht war die Anfangszeit aber nicht.

Grosse Gruppe: Auf der Turnfahrt 1920.
Grosse Gruppe: Auf der Turnfahrt 1920.
zvg

Das Symbol der vier F – frisch, fromm, fröhlich und frei – war der Leitgedanke jener Turnpioniere, die in den schweren Jahren des Ersten Weltkrieges 1917 den Turnverein Ringgenberg-Goldswil gründeten. Sie wollten Körper und Geist durch Training stählen. Erster Präsident war der Lehrer Fritz Buri, Oberturner war Alfred Brunner. Um ihr Image mussten die turnbegeisterten Männer zuerst hart kämpfen, galten sie doch in der Bevölkerung als Schlingel und Tunichtgute.

Man trainierte dazumal mit zwei Barren, einem Dutzend Stäben und hatte gleich Erfolg: In rascher Folge holten sich die Turner Lorbeerkränze an den Turnfesten der Region, zu denen sie zumeist zu Fuss pilgern und dabei auch Regenfluten oder Hitzetagen trotzen mussten. Ein unbekannter Berichterstatter schrieb zum 50-Jahr-Vereins­jubiläum: «Damals turnte man straffe, eckige, militärisch ausgeführte Übungen unter den lautstarken Kommandos von Oberturnern, ohne Begleitmusik.»

Jugendriege 1925 gegründet

Die ambitionierten Turner liessen sich weder von der Grippepandemie 1918 noch von der 1920 grassierenden Maul- und Klauenseuche, noch von der Mobilmachung 1939 dauerhaft am Vereinsbetrieb hindern. Um sich eine Fahne leisten zu können und die Vereinskasse zu füllen, organisierten die Mitglieder Kegelabende, Theatervorführungen und Lotto­matchs. Zudem stellte man Garten-, Wald-, Sommer- und Schwingfeste auf die Beine. Als flotte Tänzer waren die Turner bei den Damen begehrt. Bei internen Zwistigkeiten raufte man sich wieder zusammen und gründete 1925 die Jugendriege. Vereinsausflüge machte man dazumal auf Schusters Rappen.

Bei solcher Gelegenheit nahm 1953 ein Mitglied, das sich im Weitsprung ­übte, ein unfreiwilliges Bad im Giessbach. Zahlreiche Schweisstropfen vergossen die Turner ab 1955 beim Kugelstossen, schafften 1960 ein Trampolin und 1961 Schaukelringe an. 1959 wurde die Damenriege gegründet und das Schulhaus Ringgenberg mit der Turnhalle erbaut. Ein Bericht vom Kantonalen Turnfest 1962 in Bern: «Beim Schaukelringturnen überraschten wir die Kampfrichter mit ungeheurer Präzision und schön gestreckten Beinen. Die Marsch- und Freiübungen zeigten uns im Zenit unseres Könnens.»

Weitere Meilensteine in der Vereinsgeschichte: 1974 wurde der Vita-Parcours eröffnet, 1987 das Rasenspielfeld Mösli eingeweiht. 2003 zog man die einzelnen Riegen zusammen und gründete den Gesamtverein. Die erste Turnvorstellung in der neuen Mehrzweckhalle Ringgenberg fand 2015 statt.

Kraft und Schnelligkeit

«Wir trainieren heutzutage etwa Schnelligkeit und Ausdauer durch Sprinten, Fuss- und Basketball oder Kraft durch Kugelstossen und Training an Geräten. Wir nehmen, mit Ausnahme der Senioren, jährlich an Wettkämpfen teil», sagte Stefan Michel (35), Vereinspräsident seit 2010 und aktiver Turner seit der Jugendzeit: «Schon meine Eltern machten im Verein mit.» D

er insgesamt 126 Aktivmitglieder und neun Turngruppen zählende Verein bietet neu für Jugendliche je eine Geräteturn- und Volleyballgruppe. Trainiert wird einmal pro Woche. Die Turnerinnen und Turner hätten über eine überdurchschnittliche Grundkondition verfügt, so Michel. In der Damenriege schult man vor allem Koordination, Kraft und Gleichgewichtssinn; an Festen führen die Turnerinnen Tänze vor. «In unserem Verein liegt der Schwerpunkt auf der Kollegialität im Team. Wir wollen gemeinsam etwas auf die Beine stellen und das Beste aus uns herausholen. Das schweisst zusammen», so Michel.

Zwar seien die Mitgliederzahlen in den letzten 10 Jahren leicht gestiegen, doch sei es eher schwierig, die Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren im Verein zu halten, da es so viele alternative Sportarten gebe. Am Samstag, 20. Mai, wird das 100-Jahr-Jubiläum in der Ringgenberger Mehrzweckhalle gefeiert, dazu gibt es Tanzmusik mit Chuelee. Der Turnverein wird in schicken neuen Sportoutfits auftreten.

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