Kammermusikalische Glanzpunkte und vier goldene Bogen

Meiringen

Zum Jubiläum der Geigenbauschule Brienz wurden zum Auftakt der Musikfestwoche Meiringen gleich vier Goldene Bogen verliehen. Preisträger ist das Streichquartett Sine Nomine aus der Romandie

Preisträger Goldener Bogen 2019: Sine Nomine mit Patrick Genet und François Gottraux (Violinen), Hans Egidi (Viola) und Marc Jaermann (Cello, v.l.).

Preisträger Goldener Bogen 2019: Sine Nomine mit Patrick Genet und François Gottraux (Violinen), Hans Egidi (Viola) und Marc Jaermann (Cello, v.l.).

(Bild: Heidy Mumenthaler)

In der gut besetzten Michaelskirche begrüsste Hans Rudolf Hösli, Schulleiter der Geigenbauschule und Präsident der Musikfestwoche Meiringen. Er teilte mit, dass Hellmut Thomke, den Stiftungsrat der Geigenbauschule Brienz verlassen wird. Seine Nachfolge übernimmt Ständerat Werner Luginbühl. Eben so wird Rudolf Hösli von seinem Amt zurücktreten. Dessen Aufgaben werden Birgit Steinfels und Olivier Krieger übernehmen.

Still aber auch schmunzelnd lauschte das Publikum der Eröffnungsrede von Ständerat Werner Luginbühl: «Die Musikfestwoche Meiringen findet zum 59. Mal statt und hat einen festen Platz in der Schweizer-Festivalszene. Sie steht für Qualität und gute Inhalte und ist ein Anziehungspunkt für Geniesser und Liebhaber. «Die Festwoche ist für Meiringen touristisch nicht mehr wegzudenken».

Luginbühl machte eine Essenz: «Weshalb hören wir Musik? Weshalb gehen wir an Konzerte? Weil die Musik uns etwas gibt, was wir sonst nicht bekommen. Sie vermag uns Menschen in einen anderen Zustand zu versetzen, zur Ruhe und auf andere Gedanken zu bringen oder Momente tiefer Erlebnisse zu schaffen. Das Motto der Woche heisst «SCALE»: Treppen, Leitern, Tonleitern, Stufen, Reihen führen jeden Abend durch andere Klangräume und versprechen spannende Einblicke in grosse Werke und auch in selten gespieltes und Neues.

Aussergewöhnliche Konstanz

Mit dem selten gespielten Streichquartett Nr. 15 in G-Dur D887 von Franz Schubert, bewies das Quartett Sine Nomine seine aussergewöhnliche Konstanz auf höchstem Niveau. Die vier Interpreten überzeugten von Beginn weg mit unglaublicher Intonation, sowie durch den warmen, weichen Ton ihrer Instrumente. Aufhorchen liess zudem die perfekte klangliche Abstimmung. Die beiden Violinen warfen den Ball dem Bratschisten oder dem Cellisten zu und umgekehrt. Trotz Leidenschaft behielt das Ensemble eine ruhige, fliessende Tonsprache bei, mit weicher es (an-)sprechende Agogik und den Ausdruck von Empfindungen beseelt wiedergab.

«Es ist eine Ehre, dass ich den Goldenen Bogen überreichen darf. Wir wollen unser Jubiläum 75 Jahre Gegenbauschule Brienz gebührend feiern» wandte sich Hellmut Thomke an die Anwesenden. Gleich vier Bogen werden wir heute im Rahmen des Eröffnungskonzerts in die Hände des vorzüglichen Streichquartetts verleihen. Der Goldene Bogen ist ein symbolisches Dankeschön für grossartiges Geigenspiel. Mit dem Preis «Der Goldene Bogen» ehrt die Stiftung Geigenbauschule Brienz seit dem Jahr 2000 herausragende Künstlerinnen und Künstler.

Der Streichbogen bester Qualität ist mit goldenen Metallteilen versehen und stammt aus der international bekannten Bogenwerkstatt der Familie Finkel in Schwanden bei Brienz. Das Quatuor Sine Nomine aus der Romandie zählt zu den führenden Schweizer Streichquartetten und ist seit über 30 Jahren auf den internationalen Bühnen zu hören. Der Name des Preisträgerquartetts Sine Nomine mache darauf aufmerksam, dass es sich nicht auf eine Epoche oder Stil festlegt, sondern vielseitig ist. Sine Nomine bereicherte mit einer Kostprobe Dvoraks mit den kostbaren, goldenen Bogenstangen.

Durchmischte Klangfarben

Das ausgezeichnete Ensemble-Spiel drückte sich ebenso in einem weiteren Highlight des Abends aus: Im mit Kontrabass und Bläserquintett erweiterten Streichquartett Nr. 3 in F-Dur op. 73 von Dimitri Schostakowitsch. Die vergrösserte Kammermusikformation beglückte perfekt synchron in Rhythmus, Artikulation und wandelnder Lebendigkeit. Farbig bereichernd wirkte die Durchmischung von Bläsern und Streichern.

Bis am Samstag 13. Juli sind in Meiringen täglich Konzerte zu hören, die mit ihrer Vielfalt und grossartigen Interpretationen Musikfreunde von weit her anlocken. www.musikfestwoche-meiringen.ch

Berner Zeitung

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